Martine Letterie: Kinder mit Stern

illustriert von: Julie Völk, Leo Meijer, erschienen bei: Carlsen, ab 10 Jahren

Vielfaltskriterien:
Antisemitismus, Diskriminierung, Vorurteile

KIMI-Faktor:

In dem Buch werden die Geschichten verschiedener jüdischer Familien in den Niederlanden zu Zeiten des Nationalsozialismus aus der Perspektive der Kinder erzählt. Es geht um den Holocaust: Gegen das Vergessen, gegen Diskriminierung und gegen Verfolgung.

Inhalt: Im ersten Teil beginnen die Geschichten von Bennie, Klaartje, Rosa, Jules und Leo. Das Leben der Kinder ist durch verschiedene Verbote sehr eingeschränkt – nicht einmal mehr auf dem Spielplatz dürfen sie sich aufhalten. Aber es kommt noch schlimmer. Die Familien werden nach und nach von der Polizei abgeholt. Manche Familien versuchen vorher zu flüchten, andere versuchen ihre Kinder bei Bekannten zu verstecken, um sie vor dem Lager Westerbork zu schützen. Im zweiten Teil werden die Kinder und ihre Eltern dabei begleitet, wie sie versuchen sich ihrem neuen Leben im Lager anzupassen. Einige überleben bis zur Befreiung und sind erneut neuen Herausforderungen ausgesetzt.

Jurystimme:

‚‚Ein sehr emotionales Buch, das einem die Schrecken des Nationalsozialismus wieder deutlich vor Augen führt. Auch als erwachsene Leserin war das kein leicht verdauliches Buch, das mich sehr berührt hat. Daher würde ich ganz klar empfehlen, das Buch mit Kindern gemeinsam zu lesen und zu besprechen. Insbesondere für Kinder ist die Auseinandersetzung mit so komplexen und vielschichtigen Themen keine leichte. Es ist aber eine wichtige. Definitiv lesenswert – nicht nur für Kinder!‘‘

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Jutta Bücker: Zorilla

illustriert von: Jutta Brückner, Verlag: Kunstanstifter, ab 3 Jahren

Vielfaltskriterien:

Vorurteile, Ausgrenzung, Selbstwirksamkeit, Perspektivübernahme

KIMI-Faktor:

Das Schicksal des schüchternen Marders zeigt, wie Schweigen und Argwohn der Mitwelt zu Ausgrenzung führen, die zuerst ins Innere Exil treibt und schließlich in Flucht oder Auswanderung münden kann.

Inhalt: In einer von Tieren belebten Hafenstadt führt der kleine Zorilla (Marder) ein zurückgezogenes Dasein. Bereits durch seine abweisende Erscheinung und seine Garderobe (schwarze Maske und Mantel) erweckt er Argwohn. Dabei fürchtet er sich selbst am meisten! Ohne mit ihm zu sprechen, spekulieren die anderen Tiere viel über den Zorilla. Als er eines Tages Baustoffe und Werkzeug erwirbt, malen sich alle das Schlimmste aus. Was für eine Höllenmaschine baut der kleine Marder? Die richtige Antwort finden nicht die anderen Tiere. Sie finden nur die Überreste seiner Baumaßnahme. Die „Wahrheit“ hinter dem Augenschein wird von Jutta Bücker in einem zweiten Anlauf (nunmehr wortlos) erzählt: Der Zorilla hat sich ein trautes Heim in einer großen Flasche eingerichtet, in der er jetzt hinaus aufs Meer – und vielleicht seinem Glück entgegen – treibt.

Jurystimme: „Hätte doch einer den Marder mal gefragt! – Das ist eine wichtige Weisheit!“

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Bernard Villiot: Mephisto

illustriert von: Antoine Guilloppé, Verlag: minedition, ab 3 Jahren

Vielfaltskriterien:

Ausgrenzung, Vorurteile, Selbstwirksamkeit

KIMI-Faktor:

Das Buch stellt Fragen und lädt zum Dialog ein: Wen nehmen wir in die Gesellschaft auf? Wer darf bleiben? Wer muss gehen?

Inhalt: Mephisto ist der Name eines Katers, der gezwungenermaßen als Einzelgänger in einer großen Stadt leben muss. Aufgrund seines schwarzen Fells und seiner als unheimlich wahrgenommenen Aura wird er von seinen Artgenossen und von den Menschen gemieden und verjagt. Mephisto sehnt sich nach einem ruhigen Leben. Er zieht aufs Land. Dort findet er Ruhe. Als der Winter anbricht, geht der Kater zurück, um die Wärme unter den Dächern für sich zum Überleben zu nutzen. Bei seiner Ankunft erlebt er eine Überraschung: die Menschen begrüßen ihn freudig, denn seit seinem Weggang hat sich die Mäuse- und Ratten-Population immens erhöht, und die verwöhnten Hauskatzen waren nicht in der Lage, dieser Plage Herr zu werden. Die „Scherenschnitt“-Illustrationen zeigen ruhige Schlichtheit in ihrer Schwarz-Weiß-Atmosphäre und lösen beim Betrachter genau die Gefühle aus, die für die Handlung wichtig sind: mal bedrohlich, dann poetisch verträumt, mal witzig.

Jurystimme: „Ein Buch, dessen Ende kein Happyend ist. Wollen wir pragmatische, utilitaristische Lösungen des Zusammenlebens? Oder was macht uns Menschen aus?“

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