David Arnold: Herzdenker

übersetzt von Ulrich Thiele, 376 Seiten, Arena Verlag, 17 Euro, ab 12

als eBook erhältlich

Vielfaltsmerkmale: Armut, Ausgrenzung, Behinderung, Familienformen, Gender, Klassismus, Rassismus

Kimi-Faktor: In diesem bewegenden Jugendroman geht es um viel mehr – um Liebe und Trauer, um Zugehörigkeit, Ausgrenzung, gewaltvolle Lebensverhältnisse, Solidarität und Respekt.

Herzdenker erzählt die Geschichte der Helden des Hungers, einer Clique, bei der die beiden Hauptpersonen Vic, ein Junge mit dem Möbius-Syndrom und Mad, die als Waise mit ihrer dementen Großmutter beim gewalttätigen Onkel lebt, im Mittelpunkt stehen. Aus ihren Perspektiven berichten sie abwechselnd und in Rückblenden vom Kennenlernen, vom Zusammenhalt und von der gegenseitigen Unterstützung, die sie in der Gruppe erfahren. In dieser Wahlfamilie, die von Baz, einer Art jugendlicher Vaterfigur, zusammengehalten wird, fühlen sie sich aufgehoben und uneingeschränkt respektiert, was besonders für Vic eine wunderbare Erst-Erfahrung ist. Anrührend und vor allem spannend wird so erzählt, wie sich die Helden des Hungers um Vic und die Urne seines Vaters versammeln, dessen letzte Wünsche erfüllt werden wollen.

Das sagt die Jugendlichen-Jury:

Auch wenn Covergestaltung und Klappentext auf den ersten Blick nur wenig Anklang fanden – und wieder einmal die Frage, warum orientiert man sich nicht mehr am Original -, wurde die Geschichte von Vic, Mad und den Helden des Hungers für einige Jurymitglieder doch noch zu einem echten Lieblingsbuch. Die Sprache des mehrstimmig erzählten Jugendromans ist – wenn auch manchmal etwas klischeehaft in ihren Darstellungen – abwechslungsreich, dabei schön, witzig, philosophisch und respektvoll. Alle Protagonist*innen sind auf ihre verschiedenartige Weise gleichwertig, was den liebevollen Zusammenhalt der Wahlfamilie widerspiegelt. Ihre verschiedenen Sichtweisen sind gut beschrieben, die Erzählwechsel aber durchaus komplex und manchmal auch ein wenig verwirrend. Zum Ende wird es immer spannender mit unerwartetem Schluss!

Das sagt die Erwachsenen-Jury:

Eine Clique Jugendlicher steht im Zentrum dieses außergewöhnlichen Buches. In ihrer Gemeinschaft finden die Jugendlichen, die alle auf die eine oder andere Art Außenseiter*innen sind, Solidarität und Mitgefühl. Nur auf den ersten Blick handelt es sich um einen spannend geschriebenen Krimi, einer der Jugendlichen soll einen Mord begangen haben.


Eric Bell: Dieses Leben gehört: Alan Cole – bitte nicht knicken

übersetzt von André Mumot, 304 Seiten, FISCHER Sauerländer, 14 Euro, ab 12

Als eBook erhältlich

Vielfaltsmerkmale: sexuelle Orientierungen, Mobbing und häusliche Gewalt

Kimi-Faktor: Dieses Buch macht Gefühle eines homosexuellen Jugendlichen fühlbar, seine tägliche Not mit Mobbingerfahrungen und zusätzlich erschwerender häuslicher Gewalt.

Schon seit einiger Zeit hat Alan ein Geheimnis: Er ist in einen seiner Mitschüler verliebt. Scham und Verunsicherung halten ihn davon ab, offen mit der Situation umzugehen. Dazu kommt regelrechte Angst vor dem aggressiven Vater und nicht zuletzt vor dem hinterhältigen, älteren Bruder. Genau der ist es aber, der längst im Bilde ist und Alan nun genussvoll vor die Wahl stellt: sieben extrem herausfordernde Aufgaben zu lösen oder aber ein ungewolltes Outing zu erleben. Und Alan nimmt an …

Das sagt die Jugendlichen-Jury:

Eric Bell erzählt die Geschichte des Jungen einfühlsam und mit großer Spannung, greift dabei besonders stark Themen, wie sexuelle Orientierungen, Mobbing und häusliche Gewalt auf und schildert was das mit der Psyche von Menschen macht und wie dies ihre Leben beeinflussen kann. Er zeigt aber auch, wie essenziell gute Freunde sind, ohne deren Hilfe Alan seine Aufgaben nicht meistern könnte. Bell beschreibt in seinem Werk, wie ein Junge einen Weg findet, öffentlich zu seinen Gefühlen zu stehen und wie ihm dabei immer wieder Hürden in den Weg geworfen werden, die er mit erstaunlich viel Mut überwindet. Dabei trifft er auf Akzeptanz, Ignoranz und Ablehnung in seinem Umfeld und das von unerwarteten Fronten.

Das sagt die Erwachsenen-Jury:

Dass der Hauptdarsteller, ein homosexueller Junge ist, kommt noch nicht so häufig vor, wie man es sich wünscht, da Figuren aus der LGBTQ Community nur als Nebencharaktere bedacht werden. Aber Bell schrieb dieses Buch mit dem Wunsch, auch jüngeres Publikum mit einer Geschichte zu erreichen, die einen jungen Helden hat, den die Leser unbedingt ins Herz schließen wollen.

Buch hier bestellen!