Menschenrechte

Bilderbuch

Alle zählen


Autor*in/ Illustrator*in: Kristin Roskifte

Alter: ab 6 Jahren

Verlag: Gerstenberg Verlag

Inhalt: Dies ganz besonders kunstvoll gestaltete Wimmelbuch setzt die Dichotomie menschlichen Lebens – ein einmaliges Individuum und zugleich Teil eines großen Ganzen, einer Menschenmenge, der Weltbevölkerung zu sein – mit unterschiedlichen text- und bildkünstlerischen Mitteln in Szene. Da sind im Einband als hellblaue Silhouetten viele Menschen kreuz und quer auf der Buchseite unterwegs. Manche ähneln sich, doch keiner gleicht dem anderen. Doch „Alle zählen“, das stellt die Künstlerin bereits im Titel klar. Alle sind gleich wichtig. Der wimmelige Eindruck, das Unübersichtliche ist hier Programm. Daran muss man sich von Anfang an gewöhnen. Wie von der Randlinie aus wird das Augenmerk auf einzelne Figuren gelenkt. Die Anordnung runder Vignetten gleicht einer Gebrauchsanweisung, man solle beim Betrachter der panoramatischen Bilder einzelne Figuren suchen, fokussieren und daraus deren Geschichte rekonstruieren. Auf den ersten Seiten erzählen die Bilder selbst, wie sie betrachtet werden könnten, nur mit anderen Mitteln. Zwei Darstellungsstile werden genutzt, um auf das Wesentliche hinzuweißen: der Schauplatz ist zeichnerisch konturiert, die Figuren dagegen bestehen aus Farbflächen und heben sich plastisch von der schematischen Umgebung ab. Doch wessen Geschichte wird eigentlich erzählt? Hilfestellung geben kurze Textpassagen in kleinster Schrift am jeweils unteren Bildrand. Weniger informative, als inspirierende, poetische Sätze finden sich hier. Noch mehr Anregungen für Bildbetrachtungen liefert eine ganze Doppelseite am Buchende. Die Bilder selbst nutzen die ganze Farbpalette, um einzelne Figuren zu individualisieren und zugleich als Teil des vielfältigen Ganzen zu kennzeichnen. Hellblaue Zahlen auf den Buchseiten bilden ansteigende Zahlen ab. Ist anfänglich „niemand zu sehen“, folgt ein Mensch, dann zwei, Seite um Seite geht es weiter bis 30, dann füllen immer mehr Menschen die Bilder: 40, 50, 65, 200, 400, 1000 und schließlich 7 500 000 000. Ist der Betrachterstandort mit wachsender Zahl immer höher gerückt, ist nun auf dem letzten Bild die Erde zu sehen. Wir sind viele und zugleich jede*r Einzelne etwas Besonderes. 

Jury-Stimme: „Ein außergewöhnliches Buch, das irritiert und inspiriert und die
Farbe als Darstellungsmöglichkeit erst nutzt, dann ausschöpft. Ein Buch, das man
immer wieder in die Hand nehmen will, um zu rätseln und sich faszinieren zu lassen.“ 

Kinderbuch

Mit einem Koffer voller Bücher

Autor*in: Muzoon Almellehan/ Ann Lecker

Illustrator*in: Friederike Ablang

Alter: ab 7 Jahren

Verlag: Oetinger Verlag

Inhalt: In Erstlesebüchern werden aktuell nur sehr zaghaft aktuelle Themen aufgegriffen. Umso bemerkenswerter, dass Oetinger diese in sprachlicher, syntaktischer und typografischer Hinsicht einfache Geschichte herausbringt, die eine junge Syrerin, mit Unterstützung einer weiteren Autorin, geschrieben hat. Bevor es überhaupt losgeht, stellt Muzoon Almellehan sich den Erstleser*innen vor und macht deutlich, dass sie aus ihrem eigenen Leben erzählt. Beginnend mit der schönen Kinderzeit in Syrien, wird es nach Kriegsausbruch immer gefährlicher. Die begleitenden Illustrationen zeigen Muzoon und ihre Familie in einer immer düsteren Umgebung. Menschenrechte werden mit Füßen getreten. Die Familie flieht.  Als ihr Vater sie bittet, nur das Wichtigste mitzunehmen, packt sie ausschließlich Bücher in ihren Koffer. „Schon als Kind wusste ich, dass Bildung der Schlüssel für meine Zukunft war“, erklärt die heute 22-Jährige, als sie 2017 die jüngste GoodWill-Botschafterin von UNICEF wird. Heute studiert sie in Großbritannien und setzt sich in vielen Projekten für das Recht auf Bildung für alle Kinder ein. In ihren Schilderungen des Lebens im Flüchtlingslager und der englischen Schule geht es der jungen Autorin vorrangig darum zu zeigen, welche Schlüsselqualifikation Lesen darstellt. Sie möchte Erstleser*innen, denen es schwerfällt, lesen und schreiben zu lernen, die Bedeutung von Bildung als Grundrecht vor Augen führen und sie so motivieren. „Die Kinder in Syrien haben nicht so viel Glück. Ihre Schulen sind zerstört.“

Jury-Stimme:„Ein sehr wichtiges Erstlesebuch für Kinder, die in Frieden und Freiheit leben undkeine Lust haben, zur Schule zu gehen. Um nachvollziehen zu können, wie ein Lebenim Krieg aussieht, warum Menschen ihre Heimat verlassen und zu uns kommen undwelche Rolle Bildung dabei spielt, dass sie überleben.

Jugendbuch

Perfect Storm

Autor*in: Dirk Reinhardt

Alter: ab 14 Jahren

Verlag: Gerstenberg Verlag

Inhalt: Folgt zeitnah

Jury-Stimme: