Jutta Bücker: Zorilla

illustriert von: Jutta Brückner, Verlag: Kunstanstifter, ab 3 Jahren

Vielfaltskriterien:

Vorurteile, Ausgrenzung, Selbstwirksamkeit, Perspektivübernahme

KIMI-Faktor:

Das Schicksal des schüchternen Marders zeigt, wie Schweigen und Argwohn der Mitwelt zu Ausgrenzung führen, die zuerst ins Innere Exil treibt und schließlich in Flucht oder Auswanderung münden kann.

Inhalt: In einer von Tieren belebten Hafenstadt führt der kleine Zorilla (Marder) ein zurückgezogenes Dasein. Bereits durch seine abweisende Erscheinung und seine Garderobe (schwarze Maske und Mantel) erweckt er Argwohn. Dabei fürchtet er sich selbst am meisten! Ohne mit ihm zu sprechen, spekulieren die anderen Tiere viel über den Zorilla. Als er eines Tages Baustoffe und Werkzeug erwirbt, malen sich alle das Schlimmste aus. Was für eine Höllenmaschine baut der kleine Marder? Die richtige Antwort finden nicht die anderen Tiere. Sie finden nur die Überreste seiner Baumaßnahme. Die „Wahrheit“ hinter dem Augenschein wird von Jutta Bücker in einem zweiten Anlauf (nunmehr wortlos) erzählt: Der Zorilla hat sich ein trautes Heim in einer großen Flasche eingerichtet, in der er jetzt hinaus aufs Meer – und vielleicht seinem Glück entgegen – treibt.

Jurystimme: „Hätte doch einer den Marder mal gefragt! – Das ist eine wichtige Weisheit!“

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Shaun Tan: Zikade

illustriert von: Shaun Tan, erschienen bei: Aladin, ab 5 Jahren

Vielfaltskriterien:

Ausbeutung von menschlichen Arbeitskräften, Kapitalismuskritik, Unmenschlichkeit

KIMI-Faktor:

Die Ausbeutung eines kleinen Angestellten spricht dem Protagonisten das Menschsein ab.

Inhalt:

Zikade ist ein graugekleideter Büroangestellter. Täglich wird seine Arbeitszeit mit einem Barcode erfasst. Seit siebzehn Jahren ist er nicht befördert worden und wird mies bezahlt. Zikade lebt im Bürogebäude, er kann sich nichts anderes leisten. Er ist fleißig, leise, macht Überstunden, ist immer freundlich. Behandelt wird er schlecht. Eine Geschichte, die in düsteren eindringlichen Bildern erzählt wird, fast ohne Worte und wenn, dann sind diese abgehackt: „Tack Tack Tack!“, als würde Zikade ein ganzer Satz nicht zugestanden werden. Am Ende macht er eine Verwandlung durch und wendet sich von den Menschen ab.

Jurystimme:

„Besser kann man Entmenschlichung durch den Kapitalismus in einem Kinderbuch nicht darstellen.“

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Liu Xun: Zähnchen, Zähnchen, auf das Dach!

illustriert von: Liu Xun, erschienen bei: Edition Bracklo, ab 5 Jahren

Vielfaltsmerkmale:

Kulturen und Herkunft erfahrbar machen, Tradition und Moderne, Wandel des Lebens

Der KIMI-Faktor:

Das Buch kontrastiert die Themen Tradition und Moderne und die damit einhergehenden Veränderungen im Setting eines Stadtteils in China.

Inhalt: Ein Mädchen verliert den ersten Milchzahn. Sie besucht ihren Großvater in einem traditionell chinesischen Stadtteil. Er wirft den Zahn auf das Dach, damit das Kind groß und stark wird wie auch schon der Vater und Großvater. Auch deren Zähne liegen dort. Neben diesem traditionellen Brauch kündigt sich gleichzeitig die Moderne an: Markierungen an Häusern zeugen von der nahenden Renovierung oder dem unerlässlichen Abriss. Diese zarten Hinweise unvermeidlicher Veränderungen, wie auch der Verlust des ersten Milchzahnes, verknüpft die Geschichte auf berührende Art. Was bedeuten diese Veränderungen und wie hängen sie miteinander zusammen?

Jury-Stimme: „Liu Xun geht sowohl zeichnerisch als auch sprachlich sehr berührend und liebevoll vor und verwebt so die persönliche Geschichte des Mädchens mit den allgemeinen Veränderungen im Stadtteil.“

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Taisia Breiter

illustriert von: Taisia Breiter, erschienen bei: Matabooks, ab 5 Jahren

Vielfaltskriterien:

Umwelt, Buchrecycling, Freundschaft, Toleranz, Akzeptanz, Selbstvertrauen

KIMI-Faktor:

Ein lieblich gemaltes Kinderbuch aus Graspapier trägt eine Geschichte über Freundschaft, Respekt und Wertschätzung in die Welt.

Inhalt:

Der Elefant Willybo hat aufgrund seiner grauen Haut und den großen Ohren keine Freunde in der bunten Stadt der Tiere. Die Giraffen und das Pferd spotten nur über ihn. Schließlich verlässt Willybo traurig seine Heimat und reist durch die Welt. Auf seinem Weg begegnet er verschiedenen Tieren in Notlagen. Ihnen kann er mit seinen großen Ohren und seinem langen Rüssel gut helfen und findet so Freunde. Ja, mehr noch: Er erlebt Respekt, Achtung und Wertschätzung. Mit neuen Freunden und neuem Selbstvertrauen kehrt Willybo in die bunte Stadt zurück und gründet dort eine Feuerwache.

Jurystimme:

„Ein veganes, recycelbares Buch mit einer freundlichen Kindergeschichte.“

Zusatzerklärung:

Obwohl in unserer Alltagssprache Bücher vorwiegend aus Holz hergestellt werden, enthalten sie mehr tierische Bestandteile, als man denkt. Der Klebstoff kann aus Tierknochen (Glutinleim) hergestellt sein, die Druckfarbe enthält zum Teil Pigmente aus tierischen Bestandteilen (Karmin) und bei der Hydrophobierung des Papiers kommt ebenfalls Glutin zum Einsatz. Matabooks verzichtet auf diese tierischen Bestandteile und fertigt die Bücher dazu aus Grasfasern, die aus der näheren Umgebung stammen. So werden die Produkte besonders nachhaltig und fair hergestellt.

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Louise Spilsbury: Wie ist es, wenn es Krieg gibt? Alles über Konflikte

illustriert von: Hanane Kai, erschienen bei: Gabriel Verlag, ab 5 Jahren

Vielfaltsmerkmale:

Fluchterfahrungen, Krieg

Der Kimi-Faktor:

Dieses Buch vermittelt einen Eindruck davon, was Krieg bedeutet. Die Bedeutung von politischem Engagement für den dauerhaften Frieden wird nachvollziehbar dargestellt.

Inhalt: Kinder, die in sicheren Verhältnissen aufwachsen, kennen Krieg meist nur aus Geschichten und von Bildern. Das, was sie über Krieg und Terroranschläge erfahren, kann Ängste wecken und Fragen aufwerfen: Bin ich auch in Gefahr? Was ist Terrorismus? Und warum gibt es überhaupt Soldaten? Das Buch beschreibt die Unterschiede zwischen Streit und Krieg sowie die Auswirkungen gewaltsamer Konflikte auf Menschen.

Jury-Stimme: „Ein wichtiges Buch, um eigenen Ängsten zu begegnen und um Verständnis zu wecken für die Traumatisierungen von geflüchteten Kindern“

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Antonie Schneider: Wem gehört der Schnee

illustriert von: Pei-Yu Chang, erschienen bei: NordSüd, ab 5 Jahren

Vielfaltskriterien:

Toleranz, Umgang mit Ressourcen

Kimifaktor:

Das Buch, das sich im Untertitel auf Lessings ‚Ringparabel‘ beruft, zeigt am Beispiel eines „nutzlosen“ Geschenks an alle Menschen, dass es gilt, sich gemeinsam am Geschenkten zu erfreuen – und nicht, es eifersüchtig für sich in Anspruch zu nehmen.

Inhalt: In Jerusalem schneit es. Das ist ungewöhnlich. Die Kinder Rafi, Mira und Samir leben gemeinsam in der Stadt, gehören aber drei unterschiedlichen Weltreligionen an. Zunächst teilen sie den Schnee spielerisch unter einander auf. Dann aber geraten sie über der Frage, wessen Gott es hat schneien lassen, in Streit. Sie bringen den Schnee zum Rabbi, zum Priester und zum Imam, doch der Schnee schmilzt unterwegs. Alle Geistlichen sind sich einig: der Schnee lässt sich so wenig festhalten, wie Gott sich festhalten lässt. Die enttäuschten Kinder stellen fest, dass es richtiger gewesen wäre, mit dem Schnee einfach nur gemeinsam zu spielen, als über seine Herkunft zu streiten und die Besitzrechte zu klären.

Jurystimme: „Kein Gott ist der Beste.“ (Anna, 4 Jahre)

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Daniel Egnéus: Warum bist du traurig, Opa

illustriert von: Wendy Meddour, erschienen bei: Knesebeck, ab 5 Jahren

Vielfaltskriterien:

Trauer und Verlust

KIMI-Faktor:

Das Bilderbuch erzählt uns von der Trauer eines alten Menschen um seine Lebenspartnerin und die Bedeutung von Familie und Zuwendung in schweren Zeiten.

Inhalt: Krümel liebt seinen Opa, aber der ist irgendwie abwesend und für nichts zu begeistern, seitdem Oma gestorben ist. Krümel spielt mit ihm ihr altes Lieblingsspiel: „Meine 3 liebsten Dinge“ und so kehrt Opa langsam in die Gegenwart und zu Krümel zurück, und sie verbringen einen schönen Tag im Zoo. Abends fragt Krümel Opa nach seinen 3 liebsten Omas, das waren Oma lustig, Oma traurig und Oma tanzend… Die Leser*innen erfahren erst nach und nach, warum Opa so traurig ist.

Jurystimme: „Durch Krümels Blick können auch kleine Leser*innen die Größe dieses Schmerzes erfassen sowie die heilsame Bedeutung von Zuwendung.“

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Kirsten Boie: Vom Fuchs, der ein Reh sein wollte (CD)

gesprochen von: Karl Menrad, erschienen bei: Jumbo, ab 6 Jahren

Vielfaltskriterien:

Toleranz, Freundschaft, Mut, Zugehörigkeitsgefühl, Identitätsfindung, Familienkonstellationen

KIMI-Faktor:

Kann manGewohnheiten, Herkunft, Familie, Mentalität ändern, seine Vergangenheit über Bord werfen oder bleibt man immer man selbst? In dem tierischen Abenteuer geht es um Toleranz, um die Bedeutung von Freundschaft, Mut und Zugehörigkeitsgefühl.

Inhalt:

Es brennt im Wald. Die Waldtiere fliehen und versuchen, sich in Sicherheit zu bringen. Nach der Feuerbrunst hockt da ein „kleines graues Puscheliges“ und weint – ein kleiner Fuchs, der ein Reh sein wollte. Die Rehmutter nimmt sich des kleinen Fuchses an. Das Leben in der Rehfamilie ist für den kleinen Fuchs ungewöhnlich. Aber er ist nun nicht mehr allein. Er findet Freunde, auch oder möglicherweise gerade weil er viele Dinge ganz anders macht. Oder entstehen Freundschaften sowieso aus ganz anderen Gründen? Karl Menrad spricht anrührend, trägt Geborgenheit in die Kinderzimmer. Er fiept, schnaubt, zwitschert und grunzt die verschiedenen Tierstimmen gut unterscheidbar. Seine Stimme baut unaufdringlich Spannungsmomente auf und lässt die Bewegung der Tiere spüren.

Jurystimme: „Ein wichtiges Hörbuch zum Thema Vielfalt, welches durch eine glaubhafte Stimme eine schöne Geschichte lebendig werden lässt.“

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arlo Macrì & Carolina Zanotti: Unsere Erde: Wenn wir sie schützen, beschützt sie uns

illustriert von: Mauro Sacco & Elisa Vallarino , erschienen bei: 360 Grad, ab 3 Jahren

Vielfaltsmerkmale:

Klimawandel

Der KIMI-Faktor:

Die dynamischen Illustrationen regen eine Diskussion über hochaktuelle und gesellschaftlich brisante Themen an und lassen eigenes Handeln hinterfragen. Das Buch handelt vom Planten Globux und ermöglicht so einen Außenblick und einen Perspektivwechsel auf den von uns bewohnten Planten und unseren Umgang mit der Erde.

Inhalt: Warum beuten wir unsere Erde so aus? Ist es zu spät, sie zu retten? Das Schicksal unseres Planeten liegt in unseren Händen, in den Händen der Menschen. Ein Brief vom Planeten Globux zeigt, was auch in Zukunft auf der Erde passieren kann, wenn nicht auf die Umwelt geachtet wird. Werden die Menschen ihre Lektionen lernen und unsere schöne Erde retten?

Jury-Stimme: „Ein Bilderbuch, dass sensibilisiert für die existenziellsten und dringlichsten Fragen unserer Zeit.“

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Jeane Willis: Sternenstaub – Glaub an dich und du findest den Weg zu den Sternen

illustriert von: Briony May Smith, erschienen bei: Loewe, ab 4 Jahren

Vielfaltsmerkmale: 
Geschwisterleben, Entstehungsgeschichte, Individualität, Berufe im Zusammenhang mit Genderrollen 

Der KIMI-Faktor:
Das Buch thematisiert Neid zwischen Geschwistern und weckt bei den Leserinnen und Lesern die Neugierde, die Entstehung der Welt zu verstehen. Kinder lernen beim Lesen, dass alle Menschen denselben Ursprung haben, dabei jedoch einzigartig sind.

Inhalt:
Anfangs berichtet Insa, eine angehende Astronautin, dass ihr Vater sie auf diesen Weg gebracht hat, der ihr als Kind erklärt hat, dass alle Menschen aus Sternenstaub bestehen. Seither will sie Astronautin werden. Kunterbunte Illustrationenfolgen, die Insa als Kind darstellen. Sie erzählt von ihrer Schwester, die in der Familie oft als Stern bezeichnet wird, da sie manche Dinge besser kann als Insa, zum Beispiel einen Schal zu stricken. Ihr Opa gesellt sich zur neidvollen Insa und tröstet sie. Er zeigt ihr den Sternenhimmel und erklärt die Entstehung der Welt mit Monden, Meeren, Planeten und mit Tieren und dass alles aus demselben Material besteht: Sternenstaub. Jedes Kind wird früher oder später wie ein Stern strahlen, aber jeder auf seine eigene Art. Insa vergisst diese Geschichte nie wieder.


Jurystimme:

„Das Buch vermittelt das Thema von Geschwisterneid und Konkurrenz auf herzerwärmende Art und in beeindruckender Farbpracht und spricht jedem Kind Mut zu, die Welt zu entdecken und seine individuellen Stärken zu finden. Der Zusammenhang zwischen der Einleitung und den folgenden Illustrationen ist allerdings nicht optimal gewählt. So ist die Erwähnung des Astronautenvaters zu Beginn verwirrend, da es darauffolgend der Opa ist, welcher die Sternenstaubgeschichte erzählt.“

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