Mareike Krügel: Zelten mit Meerschwein

illustriert von Nele Palmtag, 158 Seiten, Beltz & Gelberg, 11,99 Euro, ab 8 Jahren
Auch als eBook erhältlich.

ISBN-10: 3407823525 ISBN-13: 978-3407823526

Vielfaltmerkmale:
Familienkonzept, Armut, Mobbing, Geschlechterrollen

Der KIMI-Faktor:
Das Buch beschäftigt sich u.a. mit dem in der Kinderliteratur oft vernachlässigten Thema Armut und zeigt den jungen Leser*innen konstruktiv, wie man mit Armutssituationen umgehen kann. Dabei bleibt es authentisch und realistisch: Es gibt keine “Erlösung” aus, sondern einen guten Umgang mit der Situation. Außerdem zeigt es, dass auch Jungs-Charaktere, die nicht den üblichen Klischee-Merkmalen “stark, durchsetzungsfähig, laut” entsprechen, tolle Kinderbuchhauptcharaktere sein können, mit denen man sich gerne identifiziert.
Das Thema Trennung der Eltern wird realitätsnah und nicht probematiserend behandelt.

Inhalt:
Endlich Ferien. Sechs lange Wochen. Anton ist 9 Jahre alt und vieles läuft gerade überhaupt nicht gut: Die Eltern haben sich getrennt, in der Schule wird er von Ben und dessen Clique gemobbt. Außerdem sei der „Welpenschutz“ jetzt vorbei, sagt seine Lehrerin und das Zeugnis hat er sich gar nicht erst angeschaut.
Anton möchte jetzt einfach nur Ruhe. Zum Glück gibt es Meerschweinchen Pünktchen, das Anton tröstet. Leider laufen auch die Ferien nicht wie geplant.

Der Vater sagt den Papa-Sohn-Urlaub ab, weil er arbeiten muss. Mama hat gerade ihre Arbeit verloren und deswegen kein Geld, um zu verreisen – und das Auto ist auch kaputt.
Aber Antons Mutter findet eine Lösung für das Ferien-Dilemma: Zu Fuß sind sie zusammen mit Meerschwein unterwegs zum nächsten Campingplatz. Als der ausgebucht ist, zelten sie kurzerhand (unerlaubt) wild im Wald, was immer wieder zu aufregenden Situationen führt. Anton lernt im Wald ein Mädchen kennen, das auch einiges an innerem Ballast mit sich herum trägt.
Obwohl die beiden sehr unterschiedlich sind, werden sie Freunde – und schließlich rettet Anton dem Mädchen sogar das Leben. Und dann ist plötzlich das Meerschweinchen verschwunden und Antons Mutter kommt vom Einkaufen nicht mehr zurück… Eine ungewöhnliche und actionreiche Sommergeschichte, die Kindern Mut macht.
Anton wird in diesen Ferien, die so unschön begannen, selbstbewusster und stärker – ohne sich dabei zum Superhelden zu entwickeln. Anton bleibt Anton, aber fängt an, sein Potential auszuschöpfen.

Am Schluss des Buches wird die Geschichte vom Meerschweinchen Pünktchen, das Prinzessin werden möchte, als Extra abgedruckt. Es ist Antons Einschlafmärchen, das von seiner Mutter jeden Abend im Zelt weitererzählt wird.

Das sagt die Kinder-Jury:
Einige Kinder hatten zunächst Schwierigkeiten in die Geschichte hineinzukommen. Sobald dies jedoch überwunden war, wurde das Buch gerne gelesen. Ein besonderes Highlight war das kleine Lese-Extra: ein Meerschweinchen-Märchen am Buchende! 
Die Kinderjury fand es etwas Besonderes, dass ein ängstlicher, ruhiger Junge sich mit einem mutigen und sogar älteren Mädchen anfreundet. Antons familiäre Situation und auch die Mobbing-Thematik wurden von den Kindern zudem als sehr realitätsnah wahrgenommen. 

Große Diskussionen löste jedoch das Wort „Indianer“ aus: Darf ein Buch, welches dieses diskriminierende Wort enthält, das KIMI-Siegel verliehen bekommen? Hier war sich die Jury nicht einig. Letztendlich überwogen jedoch die vielen positiven Merkmale, die der einmaligen Nennung des Wortes gegenüberstehen. 

Das sagt die Erwachsenen-Jury:
“Zelten mit Meerschwein” zeigt, dass es möglich ist, unterhaltsame Bücher zu schreiben, mit einem Protagonisten, der auf den ersten Blick nicht die Kriterien für “supercool” erfüllt. Antons Ängste und Sorgen werden einfühlsam und nachvollziehbar geschildert und die Leser*innen sind nah dran an seinen schließlich doch auch spannenden Ferienabenteuern.
Kinder, die sich wie Anton viele Gedanken machen und nicht zu den Lauten zählen, können sich wahrscheinlich gut mit dem Hauptcharakter identifizieren.
Es bleibt zu hoffen, dass der Verlag sich an aktuellen diskriminierungssensiblen Diskursen orientiert und für eine nächste Auflage die diskriminierende Bezeichnung für “Native Americans” ersetzt. 

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Jutta Wilke: Stechmückensommer

208 Seiten, Knesebeck Verlag, 15 Euro, ab 12

ISBN-10: 3957281059 ISBN-13: 978-3957281050

Vielseitigkeitsmerkmal: Menschen mit Behinderungen, Gefühle aus verschiedenen Sichtweisen erfahrbar machen, Wertevielfalt

Kimi-Faktor: Der spannende Roman präsentiert eine abenteuerliche  Reise dreier Teenager  die mit ihren verschiedenen körperlichen Handycaps  ins Ungewisse aufbrechen und sich dabei ihrer Gefühle und Werte bewusst werden und  gegenseitig zeigen. Sie gehen gemeinsam durch dick und dünn. Auf ihrer Reise spielte es keine Rolle  welche körperlichen Probleme jeder hat. So wurde auch das Merkmal  Kind mit Down Syndrom  wunderschön in den Roman eingebunden.

„Eine Made ist weiß. Langweilig. Und dick. Und sie nennen mich Made. Mir ist das egal. Sie können mich nennen, wie sie wollen. Ich höre sowieso nicht hin. Eigentlich heiße ich Madeleine. Ich bin fast vierzehn.“

Madeleine soll eigentlich ihre Zeit im Ferienlager in Schweden genießen. Aber auch dort kann sie nicht von ihren Erfahrungen in der Schule und ihrer Familie abschalten. In der Schule wird sie gemobbt, weil sie nicht ins typische Mädchenbild passt. Als sie auf einem Ausflug zufällig von dem Teenager Julian entführt wird, weil der einen VW-Bus brauchte, um ans Nordkap zu kommen, geht ihre Reise los. Mit Vincent, einem Jungen mit Down-Syndrom, nimmt das Abenteuer richtig Fahrt auf. Ein spannender Road-Trip durch Schweden, der so abrupt beginnt, wie er endet.

Das sagt die Jugendlichen-Jury:

In sehr schöner und verdichteter Sprache werden in diesem spannenden Roadmovie die Konflikte von drei Jugendlichen einfühlsam beschrieben. Verschiedene Vorurteile, z. B. Fatshaming und gegen geistig behinderte Menschen, werden benannt, aber hinterfragt und erklärt. Dabei fanden die Jugendlichen der Jury diese, wenn auch realistisch, doch teilweise in zu extremer diskriminierender Sprache reproduziert. Da den Vorurteilen und Diskriminierungen aber stets unmittelbar und auch von den Betroffenen selbstbewusst gekontert und widersprochen wurde, sodass sie in den Situationen ausgeräumt wurden, hat sich die Jury dennoch für das Siegel zum Buch entschieden.

Das sagt die Erwachsenen-Jury:

Eine nicht alltägliche Ausgangslage: Drei Jugendliche, die alle in irgendeiner Weise den gesellschaftlichen Normen nicht entsprechen, treffen in der schwedischen Wildnis aufeinander und schlagen sich mit viel Kreativität und Courage durch. Verständlich, dass dabei gewisse Regeln nicht immer eingehalten werden können. Die gemeinsame Reise wird auch zu einer Art Entwicklungsprozess. Denn die Jugendlichen hegen zu Beginn durchaus Vorurteile gegeneinander und lernen im weiteren Verlauf, dass diese den eigenen Blick einengen und die andere Person verletzen. Indem es ihnen gelingt, die eigenen Vorurteile aufzulösen, können sie Vertrauen zueinander aufbauen und die Herausforderungen meistern, die ihnen begegnen. Ohne moralischen Zeigefinger führt das Buch einfühlsam vor Augen, dass jede Person, ungeachtet ihres äußeren Erscheinungsbildes oder ihrer psychischen Verfasstheit, Stärken und Fähigkeiten hat.

Ein großartiger Einblick in die Gefühlswelt eines Mädchens, das nicht in die Erwartung anderer Menschen passt. Außerdem eine spannende Reise dreier Teenager, die sich selbst suchen und ganz nebenbei die Bedeutung von Freundschaft entdecken. Nicht zuletzt schafft es das Buch auch noch, eine Hauptfigur mit Down-Syndrom zu haben, ohne sie deswegen zu sehr in den Mittelpunkt zu stellen. Mehr davon.

Eine nicht alltägliche Ausgangslage: Drei Jugendliche, die alle in irgendeiner Weise den gesellschaftlichen Normen nicht entsprechen, treffen in der schwedischen Wildnis aufeinander und schlagen sich mit viel Kreativität und Courage durch. Verständlich, dass dabei gewisse Regeln nicht immer eingehalten werden können. Die gemeinsame Reise wird auch zu einer Art Entwicklungsprozess. Denn die Jugendlichen hegen zu Beginn durchaus Vorurteile gegeneinander und lernen im weiteren Verlauf, dass diese den eigenen Blick einengen und die andere Person verletzen. Indem es ihnen gelingt, die eigenen Vorurteile aufzulösen, können sie Vertrauen zueinander aufbauen und die Herausforderungen meistern, die ihnen begegnen. Ohne moralischen Zeigefinger führt das Buch einfühlsam vor Augen, dass jede Person, ungeachtet ihres äußeren Erscheinungsbildes oder ihrer psychischen Verfasstheit, Stärken und Fähigkeiten hat.

Ein großartiger Einblick in die Gefühlswelt eines Mädchens, das nicht in die Erwartung anderer Menschen passt. Außerdem eine spannende Reise dreier Teenager, die sich selbst suchen und ganz nebenbei die Bedeutung von Freundschaft entdecken. Nicht zuletzt schafft es das Buch auch noch, eine Hauptfigur mit Down-Syndrom zu haben, ohne sie deswegen zu sehr in den Mittelpunkt zu stellen. Mehr davon.

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Corinna Fuchs: Die Bunte Bande – Das gestohlene Fahrrad

illustriert von Uli Velte & Igor Dolinger, 60 Seiten, Carlsen, 24 Euro, ab 7 Jahren

ISBN-10: 355106699X ISBN-13: 978-3551066992

Vielfaltmerkmale:
Inklusion, Charakter of Color, Armut, Brailleschrift, Leichte Sprache

Der KIMI-Faktor:
Das Buch versucht keine Leser*innen auszuschließen und richtet sich an eine weit gefächerte Zielgruppe: Die Geschichte kann in Alltagssprache, in Leichter Sprache und in Brailleschrift gelesen werden.
Die Handlung ist leicht zu verstehen – auch wenn wenig Deutschkenntnisse bestehen: Eine Freundschaftsgeschichte, in der zusammen für einen Freund eingestanden wird.
Die Charaktere sind recht vielfältig: Es gibt einen schwarzen Protagonisten und einen im Rollstuhl.
Zudem wird das Thema Armut aufgegriffen.

Inhalt:
Eigentlich wollten die Freund*innen der Bunten Bande die Räume des Jugendzentrums ihres Stadtteils bunt bemalen. Ben, der auch oft ins Jugendzentrum kommt, soll mitmachen, weil er besonders gut zeichnen kann. Aber plötzlich lässt er sich nicht mehr sehen. Henry, Tessa, Leo, Tom und Jule wundern sich. Als sie erfahren, dass Bens Fahrrad geklaut wurde und seine Familie kein Geld für ein neues hat, fassen sie einen

Plan: Sie wollen Ben mit vereinten Kräften helfen. Zum Sommerfest des Jugendzentrums nutzen sie ihre Talente und bekommen schließlich tatsächlich genügend Geld zusammen, um Ben ein gebrauchtes Fahrrad im Internet ersteigern zu können.
Das Fahrrad wird noch gemeinsam verschönert – mit Aufklebern, Fahrradkorb und Hupe. Ben kann sein Glück kaum fassen – und so sind die Freund*innen wieder vereint und können weiter die Wände des Jugendzentrums bemalen.

Das Buch versammelt drei verschiedene Lesearten: Alltagssprache, Leichte Sprache und Brailleschrift. Darüber hinaus berücksichtigt die Gestaltung des Buches in Schriftgröße, Farbgebung und Illustrationen die unterschiedlichen Bedürfnisse, Kommunikationsmöglichkeiten und Lesekompetenzen von Kindern mit Lernschwierigkeiten, Sehbehinderung oder mit geringen Deutschkenntnissen. 

Das sagt die Kinder-Jury:
So ein Buch hatten die Kinder noch nicht gesehen! Dreimal die gleiche Geschichte anders erzählt, das sorgte anfangs bei einigen Kindern für Irritation – stieß dann aber direkt auch auf großes Interesse und weckte Redebedarf. Der Geschichtenverlauf, die Unterschiede im erzählten Text und in der Gestaltung wurden neugierig untersucht. In der Jury waren nur sehende Kinder, die zum Teil sogar zum allerersten Mal mit Brailleschrift in Kontakt kamen – eine Einschätzung auf dieser Ebene war nicht möglich. Auch waren nur wenige Kinder mit eingeschränkten Deutschkenntnissen in der Jury. Diese haben die verschiedenen Textvarianten besonders im lesenden Vergleich genutzt. Im Sinne eines Perspektivwechsels, eines sich Hineindenkens und -fühlens in ungewohnte Lebensumstände, kam der Aufbau bzw. die Dreiteilung des Buches sehr gut und auch nachhaltig bei den Kindern an. 
Die Story und die Illustrationen wurden als “Schulbuchgeschichte” bezeichnet und eines fiel auf: “Ganz schön wenig Mädchen gibt es da.”

Das sagt die Erwachsenen-Jury:
Das Buch hat eine großartige Vorbildfunktion als inklusives Kinderbuch. Durch die besondere Konstruktion des Buches kann es gleichzeitig von sehenden Kindern in Alltagssprache und Leichter Sprache, als auch von blinden Kindern in Brailleschrift gelesen werden. Durch die Integration all dieser Sprachen (sowie die dazugehörigen Erklärungen) ermöglicht es Eltern und Pädagog*innen, über Vielfalt von Kindern und ihre unterschiedlichen Zugänge zur Welt der Geschichten ins Gespräch zu kommen.
Die Vielfalt von Kindern spiegelt sich auch in der Zusammensetzung der „Bunten Bande“ wider – hier gibt es dann doch auch einige Klischees: Natürlich ist der schwarze Charakter musikalisch und das Mädchen kann prima Schminken.
Insgesamt wirkt die Geschichte vom pädagogischen Willen geprägt und könnte etwas mehr Tiefgang und Spannung vertragen.
Zusammenfassend muss klar gesagt werden: Das Buch funktioniert! Bitte mehr Bücher in diesem Format.  

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Eric Bell: Dieses Leben gehört: Alan Cole – bitte nicht knicken

übersetzt von André Mumot, 304 Seiten, FISCHER Sauerländer, 14 Euro, ab 12

ISBN-10: 373735488X ISBN-13: 978-3737354882

Als eBook erhältlich

Vielfaltsmerkmale: sexuelle Orientierungen, Mobbing und häusliche Gewalt

Kimi-Faktor: Dieses Buch macht Gefühle eines homosexuellen Jugendlichen fühlbar, seine tägliche Not mit Mobbingerfahrungen und zusätzlich erschwerender häuslicher Gewalt.

Schon seit einiger Zeit hat Alan ein Geheimnis: Er ist in einen seiner Mitschüler verliebt. Scham und Verunsicherung halten ihn davon ab, offen mit der Situation umzugehen. Dazu kommt regelrechte Angst vor dem aggressiven Vater und nicht zuletzt vor dem hinterhältigen, älteren Bruder. Genau der ist es aber, der längst im Bilde ist und Alan nun genussvoll vor die Wahl stellt: sieben extrem herausfordernde Aufgaben zu lösen oder aber ein ungewolltes Outing zu erleben. Und Alan nimmt an …

Das sagt die Jugendlichen-Jury:

Eric Bell erzählt die Geschichte des Jungen einfühlsam und mit großer Spannung, greift dabei besonders stark Themen, wie sexuelle Orientierungen, Mobbing und häusliche Gewalt auf und schildert was das mit der Psyche von Menschen macht und wie dies ihre Leben beeinflussen kann. Er zeigt aber auch, wie essenziell gute Freunde sind, ohne deren Hilfe Alan seine Aufgaben nicht meistern könnte. Bell beschreibt in seinem Werk, wie ein Junge einen Weg findet, öffentlich zu seinen Gefühlen zu stehen und wie ihm dabei immer wieder Hürden in den Weg geworfen werden, die er mit erstaunlich viel Mut überwindet. Dabei trifft er auf Akzeptanz, Ignoranz und Ablehnung in seinem Umfeld und das von unerwarteten Fronten.

Das sagt die Erwachsenen-Jury:

Dass der Hauptdarsteller, ein homosexueller Junge ist, kommt noch nicht so häufig vor, wie man es sich wünscht, da Figuren aus der LGBTQ Community nur als Nebencharaktere bedacht werden. Aber Bell schrieb dieses Buch mit dem Wunsch, auch jüngeres Publikum mit einer Geschichte zu erreichen, die einen jungen Helden hat, den die Leser unbedingt ins Herz schließen wollen.

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Kerascoët : Mein Weg mit Vanessa

40 Seiten, Aladin, 14,95 Euro, ab 3 Jahren

ISBN-10: 3848901536 ISBN-13: 9783848901531

Vielfaltmerkmale:
Mobbing, Hauttöne, People of Color

Der KIMI-Faktor:
Ein wichtiges Thema für Kinder: Mobbing. Das Buch zeigt in spielerischer Ernsthaftigkeit, wie man gegen Mobbing aktiv werden kann – und dass es wichtig ist, füreinander einzustehen.
Die beiden Hauptcharaktere sind Mädchen of Color – das gibt es selten. Die restlichen Kinder im Buch haben vielfältige Hauttöne und die Lehrerin ist schwarz.

Inhalt:
Neuanfänge sind nicht immer leicht. Das erlebt auch Vanessa, die nach einem Umzug neu in die Schulklasse kommt. Keine*r ihrer Mitschüler*innen kümmert sich um sie. In der Turnhalle sitzt sie weit entfernt von der Basketball spielenden Kindergruppe. Und auch ihren Heimweg tritt sie allein an. Unterwegs wird ein Junge gemein zu ihr und Vanessa läuft weinend nach Hause.

Aber ein Mädchen hat den Vorfall beobachtet und fühlt sichtlich mit Vanessa. Sie erzählt anderen Kindern davon – und alle sind betroffen. Den ganzen restlichen Tag denkt das Mädchen darüber nach, was sie tun könnte. Beide Mädchen finden diese Nacht kaum Schlaf. Morgens hat das Mädchen die rettende Idee: Sie holt die Vanessa Zuhause ab. Gemeinsam gehen sie zur Schule. Unterwegs stoßen immer mehr Kinder zu ihnen, der Übeltäter steht beschämt mit rotem Kopf am Rand der immer größer werdenden Kindermenge – und schließlich ist das neue Mädchen in die Gemeinschaft aufgenommen.

Ganz ohne Worte wird erzählt, wie Kinder gegen Mobbing einschreiten. Außer dem Mädchen Vanessa, das neu in die Schule kommt, hat keines der Kinder einen Namen.

Das sagt die Kinder-Jury:
Aufmerksam haben die Kinder das Buch angeguckt. Sie fragen nach, weshalb das Mädchen allein nach Hause geht, während die anderen Kinder als Gruppe gehen. Die Mobbingsituation hat sie empört: „Das ist nicht nett, dass er gemein zu dem Mädchen ist!“.
Das Buch eignete sich sehr gut, um das Thema Mobbing zu besprechen. Dass es keinen Text gibt, lässt viel Raum für eigene Interpretationen und Erlebnisberichte der Kinder.

Das sagt die Erwachsenen-Jury:
Eindringlich zeigen die Autor*innen, wie man Mobbing begegnen kann: Angefangen bei der Ausgrenzung und der Verletztheit des Mädchens, über die Betroffenheit der Beobachterin bis hin zur gelungenen Intervention. Die dargestellten Kinder sind vielfältig in Bezug auf Hauttöne und Körperformen, die beiden Hauptpersonen – Vanessa und das beobachtende Mädchen – sind People of Color. Wirklich selten in Kinderbüchern: Eine schwarze Heldin, die als einzige einen Namen hat.
Begleitmaterial zum Umgang mit Mobbing und Ungerechtigkeit auf der letzten Seite rundet das Buch ab.

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Kara LaReau: Die unglaublich verrückten Abenteuer der Schnarch-Schwestern

illustriert von Jen Hill, übersetzt von Ingrid Ickler, 176 Seiten, Knesebeck, 13 Euro, ab 10 

ISBN-10: 3957280524 ISBN-13: 978-3957280527

Vielfaltsmerkmale: Mobbing, Ausgrenzung

Kimi-Faktor: Humorvoll wird das ernste Thema Mobbing und Ausgrenzung behandelt.

Die Zwillingsschwestern Angina und Rauke leben ohne ihre Eltern und verbringen einen komplett unaufgeregten Alltag mit Socken stopfen und aus dem Fester starren, bis sie eines Tages auf das Schiff einer ziemlich zackigen Piratinnen-Bande entführt werden und auf große Fahrt gehen. Der Alltag an Bord ist kein Zuckerschlecken – es heißt vor allem viel Arbeit an Deck und in der Schiffsküche und nett geht es hier auch nicht unbedingt zu. Zum Glück finden sie mit Fetterike und Holzbein-Heidi bald sympathische Verbündete, die ebenfalls keinen so guten Stand bei der restlichen Crew haben. Mit gewitzten Ideen verhelfen die beiden Schwestern den Erwachsenen zu mehr Selbstwertgefühl und wirbeln das Geschehen an Bord gut durcheinander. Damit weht der Wind plötzlich aus einer ganz anderen Richtung und auch die verschwundenen Eltern könnten wieder auftauchen.  

Das sagt die Kinder-Jury:

Nach kurzen Startschwierigkeiten aufgrund der bestens nachvollziehbaren Langeweile zu Beginn entwickelte sich die Geschichte zum regelrechten Renner. Das Gekicher ob der lustigen Namen, der durchaus fiesen Abenteuer und schrägen Illustrationen war groß. Gleichwohl wurde der durchaus ernste Kern um das Thema Mobbing von den Kindern sensibel erfasst. Besonders mochten sie die knapp erklärenden Einführungen in jedes Kapitel und dass die mit positiven Charaktereigenschaften besetzten Protagonistinnen, die aufgrund ihrer Körperformen und -behinderung im Buch Ausgrenzungserfahrungen machen, am Ende der Geschichte siegreich hervorgehen. Und überhaupt ein ganzes Piratinnenschiff – das gab es noch nie! 

Das sagt die Erwachsenen-Jury:

Ein ungewöhnlicher Plot:  Zwei Mädchen, die jahrelang ohne ihre Eltern leben und dann in ein Piratinnenabenteuer stolpern. Erzählt wird ein ernstes Thema in einem besonderen humoristischen Stil – humorige Namen, groteske Situationen und witzige Illustrationen.

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Astrid Frank: Uli Unsichtbar

illustriert von Regina Kehn, 96 Seiten, Verlag Urachhaus, 14 Euro, ab 7 Jahren
Auch als E-Book erhältlich 

ISBN-10: 9783825151645 ISBN-13: 978-3825151645

Vielfaltskriterien: Geschlechterrollen, Wertevielfalt, Mobbing

Der Kimi- Faktor:
Die Geschichte erzählt jungen Leser˟innen wie man sich fühlt, wenn man aus einer Gruppe ausgeschlossen und gemobbt wird und weist nachdrücklich darauf hin, dass jeder Mensch ein Recht darauf hat so zu sein, wie er ist.
Ganz selbstverständlich und nebenbei wird erzählt, dass auch Jungs nicht der üblichen klischeehaften Geschlechterrolle „stark, durchsetzungsfähig, laut“ entsprechen müssen, sondern Mädchen genauso gut die Beschützerinposition einnehmen können.
Außerdem wird in diesem Buch das Thema Wertevermittlung und Recht in Form von Umgangsregeln in der Schulklasse empathisch und konstruktiv bearbeitet.

Inhalt:
Uli zieht mit seinen Eltern in eine neue Stadt. Er ist vor allem traurig, seine Großeltern nun nicht mehr regelmäßig sehen zu können. Doch es sind große Ferien und im neuen Wohnhaus findet er rasch Anschluss an die Nachbarskinder, mit denen er einen wunderbaren Sommer im Freibad verbringt. Eigentlich ist es doch gar nicht so schlecht im neuen Zuhause – bis die Schule beginnt. Denn als er sich dort seiner neuen Schulklasse vorstellt, verhaspelt er sich stotternd vor lauter Aufregung bei seinem Namen und wird von allen nur noch U-u-uli gerufen.

Auch die Schwimmbadfreundschaften erweisen sich als wenig hilfreich und Uli wird mit jedem Tag mehr zum gemobbten Außenseiter. Bis ein Mädchen – ebenfalls mit dem Namen Uli – neu in die Klasse kommt und sich mutig auf seine Seite stellt.

Das sagt die Kinder-Jury:
Das Cover hat den Kindern sehr gut gefallen, weil es viele verschiedenartige Kinder zeigt und das Thema „Ausgrenzung“ bereits darstellt bzw. vorab auf die Thematik vorbereitet. Die Geschichte des schüchternen Uli ist spannend erzählt und bildet die Wirklichkeit und vor allem die Dynamik einer Gruppe, die sich gegen eine*n Einzelne*n stellt gut ab. Die Auflösung des Konfliktes und auch das dem Buch beiliegende Poster, das die neuen Regeln zum gemeinsamen Umgang in Ulis Klassengruppe auflistet, kannten einige Kinder so ähnlich aus ihrem Schulalltag. Insofern empfanden sie ihre Lebensrealität glaubwürdig wieder gespiegelt.

Das sagt die Erwachsenen-Jury:
Ein Buch zu einem wichtigen Thema. Glaubwürdig wird die Gruppendynamik, die für Mobbing charakteristisch ist, dargestellt. Wünschenswert wäre gewesen, der Bewältigung und dem Prozess der Aufarbeitung am Ende mehr Raum zu geben. Nützlich ist das beigefügte Plakat mit Regeln, die dazu beitragen können, Mobbing zu verhindern.

Kerstin Brichzin & Igor Kuprin: Der Junge im Rock

32 Seiten, Michael Neugebauer Edition, 14 Euro, ab 4 Jahren

ISBN-10: 3865663281 ISBN-13: 978-3865663283

Vielfaltmerkmale:
Geschlechterrollen, Mobbing

Der KIMI-Faktor:
Das Buch thematisiert Geschlechterklischees anhand von Kleidung: Jungen müssen Hosen tragen, während Mädchen Röcke und Hosen tragen dürfen? Der Held des Buches setzt sich schließlich durch und geht – trotz zwischenzeitlicher Mobbingerfahrungen – schließlich weiterhin im Rock in den Kindergarten.

Inhalt:
Felix liebt es, weite Röcke zu tragen, weil dann der Wind so schön um seine Beine streift. Während bislang kaum jemand daran Anstoß nahm, wird er nach dem Umzug in eine kleine Stadt von den anderen Kindern im Kindergarten gehänselt und ausgegrenzt. „Du siehst aus wie ein Mädchen”, sagen sie, „Jungs ziehen Hosen an und dunkle Farben!” Und lassen ihn nicht

mehr mitspielen. Felix weigert sich daraufhin, in den Kindergarten zu gehen. Sein Vater beschließt zu handeln und kauft für sich einen Rock. Gemeinsam spazieren beide durch die Stadt. Im Kindergarten erklärt der Papa einem verwunderten Kind, dass an diesem Tag alle einen Rock tragen dürfen. Felix argumentiert sehr gewitzt, dass es unfair sei, dass Mädchen Hosen und Röcke tragen dürfen, aber Jungs nur Hosen. Und dass es sich mit weiten Röcken viel besser springen und klettern lasse. Seit diesem Tag wird Felix mit dem Rock akzeptiert.

Das sagt die Kinderjury:
Die Jungen, die gern Röcke und Kleider tragen, fanden das Buch toll. Auch einige Mädchen konnten sich in Felix hineinversetzen. Für manche Kinder war irritierend, dass es wenig Überleitungen im Buch gibt. Sie konnten die für sie unvermittelten Orts- und Zeitwechsel nicht verstehen.

Das sagt die Erwachsenen-Jury:
Nicht wenige Jungen mögen wie Felix Röcke und Kleider und ecken damit an den Normalitätsvorstellungen unserer Gesellschaft an. In kurzen, treffenden Sätzen und ohne zu problematisieren widmet sich dieses Buch diesem Aspekt aus dem Alltagserleben von Jungen. Die farbenfrohen, aquarellartigen großflächigen Bilder korrespondieren mit der Leichtigkeit, die Felix beim Tragen von weiten Röcken empfindet. Die Botschaft des Buches lautet: „So wie du bist, bist du richtig, und was du anhast, ist völlig egal.“ Sie lädt dazu ein, mit Kindern ins Gespräch über Normalitätsvorstellungen nicht nur in Bezug auf Gender zu gehen.
Noch stärker wäre das Plädoyer des Buches geworden, wenn der letzte Satz nicht lauten würde: „Seit diesem Tag ist Felix der Junge mit dem Rock.“ Damit bekommt Felix einen Stempel, er wird auf diese Eigenschaft reduziert. Dabei hat er doch sicherlich noch viele andere interessante Seiten und ist vielfältig, wie jede*r von uns! Weitere Vielfaltsaspekte wie Hauttöne, körperliche Verfasstheit etc. tauchen im Buch nicht auf.

Iben Akerlie: Lars, mein Freund

übersetzt von Ina Kronenberger, 256 Seiten, dtv/Reihe Hanser, 12,95 Euro, ab 10

ISBN-10: 3423640391 ISBN-13: 978-3423640398

auch als eBook erhältlich

Vielseitigkeitsmerkmal: Menschen mit Behinderungen, Mobbing, Wertevielfalt

Kimi-Faktor:  Ein wichtiges Thema für Kinder: Mobbing. Das Buch zeigt in spielerischer  Ernsthaftigkeit  welche Konsequenzen Mobbing haben kann und wie  wichtig es  ist, füreinander einzustehen. Einer der Hauptcharaktere hat das Down- Syndrom. Er zeigt seinen Mitschülern wie toll es sein kann  das Leben aus einer anderen Perspektive  zu sehen.

Amanda liebt Adam, der in ihre Klasse geht, aber Adam liebt Amanda nicht. Und als wäre  das nicht schon peinlich genug bekommt Amanda von ihrer Lehrerin   eine ganz besondere Aufgabe zu geteilt:  Sie soll doch bitte Patin des neuen Schüler Lars werden, der das Down Syndrom hat.  Amanda ist  entsetzt über ihrer Aufgabe. Nicht weil sie Vorurteile quälen,  nicht weil  Lars ihr komisch vor kommt  und unsympathisch ist.  Nein, sie hat Angst bei ihren Mitschülern deswegen nicht mehr zu den Coolen zu gehören und aus ihrer Clique zu fliegen. Zwar hat sie eine tolle, beste Freundin, aber eben nur diese und sie sehnt sich nach der Anerkennung der großen Gruppe. Bei Lars zu Hause sind Amanda und er  beste Freunde, in der Schule jedoch ignoriert Amanda Lars.  Als  in der Klasse über Lars geredet wird, muss Amanda sich entscheiden.  Wird sie zu Ihm halten? Bleiben  Lars und Amanda  Freunde oder kommt es zu einem  Vertrauensbruch?

Das sagt die Kinder-Jury:

Die Kinder hatten bisher noch keine Bücher mit behinderten Protagonist*innen gelesen. Für alle war es der erste literarische Kontakt mit dem Thema. Dies gab in der Bewertung den großen Ausschlag für das KIMI-Siegel. Einige Kinder kannten aber wohl Kinder mit Downsyndrom aus ihrem Schulalltag und fanden das Setting alltagsnah und überzeugend nacherzählt. Insofern meinten sie, dass sich das Buch gut zum Einstieg in die Thematik eignet. Einhellig wurde der Geschichte gute Lesbarkeit und große Spannung bescheinigt. Gespalten waren die Meinungen zu Amanda. Ihren Zwiespalt und erst recht ihren „Verrat“ an Lars konnten einige überhaupt nicht nachvollziehen. Für Diskussion war gesorgt! Für Irritation sorgte auch das Cover – warum wurde nicht das Gesicht des Jungen gezeigt

Das sagt die Erwachsenen-Jury:

Amandas Unsicherheit und Ihre Zerissenheit lässt sich beim Lesen gut nachvollziehen. Schade ist allerdings, dass viel über Lars gesprochen wird, er selbst aber nur am Rande aktiv auftritt. Dadurch wirkt die Geschichte etwas einseitig, auch wenn sie viele spannende Momente zu bieten hat. 

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