Shannon Dunlap: We will fall

erschienen bei: Fischer Sauerländer, ab 12 Jahren

Vielfaltsmerkmale:

People of Color, soziale Disparitäten, Erfahrungen mit Gewalt und Tod

KIMI-Faktor:

Eine moderne Anlehnung an ‚Tristan und Isolde’ erzählt die Coming-of-Age-Geschichte über die erste Liebe, das Einfinden und Anpassen in einer neuen Umgebung und das Überwinden von sozialen Unterschieden.

Inhalt: Die 17-jährige Izzy wächst mit ihrem Zwillingsbruder Hull ziemlich behütet und wohlhabend in Manhattan auf. Doch als sie gegen ihren Willen mit ihrer Familie nach Brooklyn ziehen müssen, fällt es ihnen schwer sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Als Izzy dort den gleichaltrigen Tristan kennenlernt, ist es für Beide Liebe auf den ersten Blick. Sie wachsen in unterschiedlichen Welten auf: Er wohnt bei seiner Tante in eher ärmlichen Verhältnissen und verbringt viel Zeit mit seinem Cousin Marcus, der mit Drogen Geschäfte macht. Marcus hat es auch auf Izzy abgesehen, aber eher, um sich an Hull für einen Zwischenfall im Park zu rächen. Izzy und Tristan müssen ihre Liebe deshalb also erstmal verheimlichen.

Jurystimme: „Eine Geschichte zum Mitweinen.“

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Annette Mierswa: Not your girl

erschienen bei: Loewe, ab 12 Jahren

Vielfaltsmerkmale:

Erfahrungen mit sexueller Gewalt und Trauma, psychische Erkrankungen

KIMI-Faktor:

Ein gesellschaftskritischer Jugendroman, in dem es um zeitgemäße und erschreckend reale Tabu-Themen wie sexueller Missbrauch, das Modelbusiness, Alkohol, Drogen, Zwangsstörungen und die MeToo-Bewegung geht.

Inhalt: Tinkas größter Wunsch ist es, zu modeln, wie die Freundin ihres großen Bruders Theo. Donna ist ihr großes Vorbild und einfach perfekt. Doch nachdem Tinka auf einer Party vergewaltig wird, geht ihr ganzes Leben den Bach runter. Die 15-jährige zerstreitet sich mit ihrer besten Freundin Vivi und wird von den Leuten aus ihrer Klasse gemobbt. Die Folge: ein Wechsel auf eine neue Schule. Neuer Name, neuer Freundeskreis – new life? Tinka setzt alles daran, sich ein scheinbar perfektes Leben zu erschaffen. Unter ihrem neuen Namen (sie nennt sich jetzt Kim) gibt sie sich als Model aus und wird zur Fashionikone ihrer neuen Klasse. Ersteres wird zeitweise sogar zur Realität, als sie in einem Kaufhaus „entdeckt“ und zu einem Casting eingeladen wird. Tinka ahnt noch nicht, in welche Abgründe sie deswegen noch stürzen wird. Niemand darf sehen, wie sie immer weiter abstürzt und innerlich zerbricht.

Jurystimme: ‚‚Tinka war mir am Anfang sehr sympathisch, ich habe ihren Absturz mit Entsetzen verfolgt. Die Ereignisse häufen sich und sie wird immer weiter in den Abgrund gezogen. Echt krass wie schnell so etwas gehen kann.’’

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Jason Reynolds: Long way down

erschienen bei: dtv, ab 14 Jahren

Vielfaltsmerkmale:

Erfahrungen mit Gewalt und Tod

KIMI-Faktor:

Auf sehr poetische Art und Weise wird Jugendlichen in diesem Werk nähergebracht, dass Gewalt und Rache nur zu noch mehr Gewalt und Rache führen. Und es wird aufgezeigt, dass es einen Ausweg aus der Gewaltspirale gibt.

Inhalt: In Wills Welt gibt es drei feste Regeln: 1. nicht weinen, 2. niemanden verpfeifen und 3. sich rächen. Deshalb ist er fest entschlossen, den vermeintlichen Mörder seines Bruders zu finden und zu erschießen. Mit einer Waffe im Gepäck macht er sich auf und steigt in den Fahrstuhl nach unten, der auf jeder Etage hält. Über acht Stockwerke steigen Personen ein, die ihre eigenen Geschichten über Gewalt, Rache und Mord erzählen und Will dazu bewegen können, sein Vorhaben zu überdenken. Kann er sich aus den Fesseln der Gewalt befreien?

Jurystimme: „Der Jugendroman „Long Way Down” – langer Weg nach unten – von Jason Reynolds ist gar kein Roman, sondern ein langes Gedicht nicht in Kapiteln oder Strophen, sondern in acht Stockwerken. Das Gedicht dauert genauso lang wie die Aufzugfahrt des sechzehnjährigen Will vom achten Stock seines Wohnhauses bis nach unten: genau eine Minute. So long ist der way also gar nicht down – scheinbar! Denn in dieser einen Minute passiert Will in der engen Aufzugkabine unglaublich viel und so dauert es auch durchaus länger, das Buch zu lesen, als nur eine Minute. Damit hat das Buch etwas gemein mit dem berühmten Roman „Finnegans Wake“ von James Joyce, das unlesbar dick ist und den Aufwachvorgang von Finnegan begleitet und alles, was Finnegan währenddessen denkt. Noch etwas hat Finnegan mit Will gemeinsam: Er denkt so, wie er spricht, in seinem Dubliner Dialekt. Und Will erzählt seine Aufzugfahrt so wie man in seiner „Hood“ – seiner neighbourhood, seiner Nachbarschaft spricht. Und hier ist der Unterschied zwischen Finnegan und Will: ihre Hautfarbe. Wills Hautfarbe ist wahrscheinlich deutlich dunkler als die von Finnegan. Und da gibt es noch etwas: Wir wissen nicht, ob das, was Will passiert, er sich nur denkt oder es wirklich passiert. Entscheide selbst: In jedem Stockwerk hält der Aufzug an, und es steigt eine Person zu. Will kennt diese Personen (bis auf eine). Die Personen sind bereits gestorben. Die Personen sind alle erschossen worden. Manche sogar voneinander. Will ist auch auf dem Weg, jemanden zu erschießen. Das ist sein langer Weg nach unten. Nach unten im Aufzug aber auch nach unten in moralischer Hinsicht. Dabei befolgt er nur die drei Regeln: 1.) Nicht weinen, 2.) niemanden verpfeifen 3.) Rache: „Wird jemand den du liebst / getötet / finde den / der getötet hat / und töte ihn“. Will nimmt Rache. Wills Bruder war erschossen worden am Tag zuvor. Will meint den Mörder zu kennen. Er nimmt sich die Pistole seines toten Bruders, die mit 15 Kugeln geladen ist – eine Kugel fehlt – steckt sie sich in den Hosenbund und schleicht sich aus der Wohnung im achten Stock, damit seine Mutter ihn nicht aufhalten kann. Aber im Aufzug begegnen ihm die Menschen, die das tun wollten, oder wollen sie es wirklich tun? Entscheide selbst: Die Personen treten ein, beginnen zu rauchen und erzählen ihre Geschichten, wie es dazu kam, dass sie erschossen wurden. Und immer verlief alles nach den Regeln Nr. 1 bis 3. Aber man hat dabei nicht das Gefühl, dass es deshalb gut und richtig war, dass es nach den Regeln verlaufen ist. Unten am Ende des langen Wegs angekommen, geht die Tür auf, der Zigarettenrauch zieht voraus aus der Kabine, ihm folgen die Gestalten und nach ihnen Will. Wir wissen nicht, wo er hingeht. Reynolds hat seinen Roman als Gedicht geschrieben, weil er, wie er selbst sagt, so präzise wie möglich formulieren wollte. Dazu schien ihm Lyrik geeigneter als Prosa. Bis auf den Wortakzent genau könne man dort festlegen, wie man es meint, was man sagen will. Reynolds will also etwas sehr genau darstellen und keine Deutungsvarianten zulassen. Was ist es, was so völlig klar sein soll? Ich glaube nicht, dass er genau sagen will: Schaut mal, ganz genau so geht es schwarzen Jungs. Ich glaube er will sagen: Schaut, so sind die Regeln und so bleiben die Regeln und wenn man sie nicht durchbricht, dann bleibt man im Gesetz der Regeln. Aber: Entscheide selbst! – Es gibt ein weiteres großes literarisches Vorbild wo es um die Regeln von Ghetto-Gangs geht, die über Generationen unnütze Todesopfer fordern und aus guten Jungs Mörder machen. Nur dass dort die Straßen der Bandenkriege nicht die der Vorortblocks einer U.S.-amerikanischen Stadt sind, sondern die des mittelalterlichen Veronas: Shakespeares Romeo und Julia. Romeo und Julia brechen die Regeln, sie müssen dafür sterben – aber ihre Liebe ist unsterblich! Oder wer kennt Romeo und Julia nicht? Leonard Bernstein hat in seiner Westside-Story das Romeo-und-Julia-Thema wieder aufgenommen und für die U.S.A. aktualisiert. Reynold hat es in der Innenschau des jungen Will ausbuchstabiert in genauester, nächstgehender Lyrik. Ich verstehe nur nicht, ob Will mit den anderen im ersten Stock oder im Erdgeschoss aussteigt. Es gelingt mir nicht das eindeutig aus dem Text zu ermitteln. Ob das eine Bedeutung hat? Entscheide selbst!“

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Annet Schaap: Emilia und der Junge aus dem Meer

illustriert: Annet Schaap, erschienen bei: Thienemann, ab 10 Jahren

Vielfaltskriterien:

Menschen mit Behinderungen, Erfahrungen mit Gewalt, dysfunktionale Familien, Toleranz und Akzeptanz

KIMI-Faktor:

Eine märchenhafte Geschichte über schwierige Familienverhältnisse, eine ungewöhnliche Freundschaft, Resilienz und das Akzeptieren von Besonderheiten. Der Roman erinnert an „Die kleine Meerjungfrau“, erzählt aber aus einer neuen und zeitgemäßen Perspektive.

Inhalt: Die kleine Emilia lebt mit ihrem Vater an der Küste in einem Leuchtturm. Nach einem verheerenden Sturm, in dem ein Schiff an den Klippen zerschellt, werden die beiden getrennt und Emilia muss in das düstere Haus des Admirals ziehen, um dort ihre Schuld abzuarbeiten. Ein Monster, so die Gerüchte, soll in dem Haus wohnen. Emilia geht dem Geheimnis auf den Grund und freundet sich mit dem ‚‚Monster‘‘ an. So nehmen die zauberhaften, spannenden und turbulenten Ereignisse ihren Lauf zu, die sie zu vielen interessanten Persönlichkeiten und am Ende sogar zurück zu ihrem Vater bringen.

Jurystimme:

‚‚Buchstäblich ein fantastisches Buch!“

„Ein ganz großartiges und atemberaubendes Leseerlebnis.‘‘

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