Holly Bourne: Spinster Girls – Was ist schon typisch Mädchen? (Band 2)

übersetzt von Nina Frey, 416 Seiten, dtv, 10,95 Euro, ab 14

Lottie ist entsetzt vom Sexismus, der ihr immer wieder im Alltag begegnet. Sie beschließt etwas zu unternehmen: vier Wochen lang wird sie auf jede sexuell diskriminierende Situation mithilfe einer Hupe aufmerksam machen. Unterstützt wird sie dabei natürlich von den Spinster Girls. Um noch mehr Aufmerksamkeit auf Lotties Aktion zu lenken, ist Will als Kameramann dabei. Dieser kann mit Feminismus nicht viel anfangen, möchte jedoch Filmemacher werden. Die von ihm im Internet veröffentlichten Clips verhelfen Lottie über Nacht zu landesweiter Bekanntheit. Die Aktion verlangt trotz des großen Erfolges einiges von Lottie ab. Sie ist verwirrt, da sie plötzlich Gefühle für Will entwickelt. Als ob das alles nicht schon genug wäre, steht auch noch das Vorstellungsgespräch an der Cambridge Universität an. Auf dieses Gespräch bereitet sie sich seit Jahren vor. Doch jetzt ist sie sich gar nicht mehr so sicher, welchen Weg sie eigentlich gehen möchte.

Das sagt die Jugendlichen-Jury:

Große Begeisterungsstürme für die Spinster Girls! Die ersten beiden Titel dieser Trilogie wurden von der Jury heiß geliebt. Die Idee, jeden Band aus der Sicht eines der Spinster Girls zu erzählen, kam bei den Jugendlichen gut an und es fiel ihnen leicht, sich in die beiden Mädchen hineinzuversetzen. Nicht nur der Schreibstil gefiel, auch das große verbindende Thema der Reihe „Feminismus“ wurde gut in die Geschichten integriert und regte die Leser*innen oftmals zum Nachdenken an. Während der zweite Teil vielen die Augen in Bezug auf Alltagssexismus öffnete, bot der erste Band zudem eine realistisch anmutende Darstellung des Themas Zwangserkrankung und schnitt das Thema Integration in der Gesellschaft an. Auch die Cover überzeugten die Jury auf ganzer Linie: coole Covergestaltung und treffende Titelformulierungen. Der dritte Band wird sehnlichst erwartet.

Das sagt die Erwachsenen-Jury:

In diesem Band steht ein anderes Mädchen der Spinster Girls im Fokus: hier ist es Lottie, die den Kampf gegen den alltäglichen Sexismus aufnimmt. Natürlich sind auch die Freund*innen dabei. Der Handlungsverlauf war aus unserer Sicht in diesem Band nicht immer völlig überzeugend, und auch die Liebesgeschichte zwischen Lottie und Will wirkte etwas konstruiert. Dennoch ein wichtiges Buch, das Denkanstöße gibt!

Jennifer Mathieu: Moxie. Zeit zurückzuschlagen

übersetzt von Alice Jakubeit, 352 Seiten, Arctis Verlag, 16 Euro, ab 14

auch als eBook (Arctis Verlag) und Hörbuch (Hörcompany) erhältlich

Moxie, ein anderes Wort für Courage. Für so eine Mischung aus Mut und Wut!“ Und Vivian ist so richtig sauer, denn in ihrer texanischen Heimatstadt scheinen die Uhren stehen geblieben zu sein – zumindest was die Gleichstellung von Mädchen und Jungen an ihrer Highschool angeht. Aber sie traut sich nicht, gegen die Missstände vorzugehen. Schließlich ist sie im Gegensatz zu ihrer Mutter ein zurückhaltendes Mädchen und kein Riot-Grrrl, oder doch? Was kann sie schon gegen die ewig sexistischen Kommentare der Jungs tun, die ungestört Outfits und Ansichten der Mädchen bewerten, wenn noch nicht einmal Grapschen für das Lehrpersonal ein Problem ist, „weil er das doch bestimmt nicht so gemeint hat“? Inspiriert von der Vergangenheit ihrer Mutter beginnt sie anonym feministische Flugblätter zu verteilen. Damit legt sie den Grundstein zu nicht weniger als einer Revolution, denn mit der Wut wächst der Zusammenhalt der Mädchen.

Das sagt die Jugendlichen-Jury:

Tatsächlich musste einige Überzeugungsarbeit geleistet werden, um das Juryteam von der Lektüre des Titels zu überzeugen. Mehrheitlich ging das Interesse gen Null, da das pinke, mit Sternchen verzierte Cover als nicht ansprechend empfunden wurde. Zwar erschließt sich diese Auswahl bei der Lektüre. Aber unter Umständen ist das eben zu spät, nämlich dann, wenn das Buch erst gar nicht zur Hand genommen wurde. Was sehr schade wäre, denn einmal begonnen, wurde das Buch mit sehr großer Begeisterung gelesen. Auch wenn die Jurymitglieder die Geschehnisse aus dem eigenen Schulalltag in der geschilderten Drastik nicht kannten, fanden sie diese doch realistisch, glaubwürdig und vor allem mitreißend beschrieben. Es wurde lebhaft mit der zu Beginn sehr schüchternen Vivian mitgefiebert und ihr mehr Mut gewünscht. Als sehr empowernd wurde das Zusammenwachsen und zunehmende für einander Einstehen der Mädchen in der Schule gelesen. Kritisiert wurde die Übersetzung des Jugendromans für die Benutzung des Wortes “Farbige”.

Das sagt die Erwachsenen-Jury:

Inspiriert von der US-amerikanischen feministischen Riot Grrrl Bewegung der 1990 beginnt Viviane den Kampf gegen den an ihrer Highschool herrschenden Sexismus. Anschaulich werden die Auf- und Abs der Gefühle der Protagonistin und ihrer Freund*innen und Mitkämpfer*innen geschildert. Positiv ist auch, dass die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen Viviane und Seth ohne Kitsch und Genderstereotype auskommt. Ein rundum empfehlenswertes, spannendes Buch!

Pénélope Bagieu: Unerschrocken 2 – Fünfzehn Porträts außergewöhnlicher Frauen

übersetzt von Claudia Sandberg und Heike Drescher, Reprodukt, 168 Seiten, 24 Euro

Wie schon im ersten Band von “Unerschrocken” erzählt die französische Comicautorin und Zeichnerin Pénélope Bagieu auch hier in kurzen Graphic Novel Episoden die Lebensgeschichten von außergewöhnlichen Frauen, die sich mit viel Eigensinn, Mut und Durchsetzungsvermögen in patriarchal geprägten Gesellschaften behaupteten und unerschrocken ihre Ziele durchsetzten. Die Auswahl ist global gesetzt und reicht wieder von historischen Persönlichkeiten wie der wohl ersten US-amerikanischen Undercover-Journalistin Nelly Bly bis zur zeitgenössischen afghanischen Rapperin Sonita Alizadeh. Pénélope Bagieu gelingt es dabei erneut einerseits spannend und mitreißend mit viel Wort- und Bildwitz zu erzählen. Andererseits wird sie, gleichwohl verdichtet und auf Eckpunkte der Biographien beschränkt, den dramatischen, oft von Gewalt und Diskriminierung geprägten und politisch sehr gehaltvollen Themen gerecht.

Das sagt die Jugendlichen-Jury:

Der Graphicnovel-Band kam bei den Jugendlichen sehr gut an. Teilweise kannten sie bereits Band 1 und waren nun gespannt auf neue Lebensgeschichten von außergewöhnlichen Frauen. Sehr schön fand die Jury die coole Gestaltung in Comic-Form. Besonders inspirierend war die Lektüre, weil hier starke Frauen dargestellt werden.

Das sagt die Erwachsenen-Jury:

Mit luftigem Strich und pointierten Sätzen porträtiert Pénélope Bagieu eine Reihe starker Frauen, die trotz vielerlei Widerstände ihren Weg gegangen sind. Viele davon sind heute in Vergessenheit geraten. Aus unserer Sicht konzentriert sich die Auswahl allerdings doch etwas sehr auf weiße Frauen der Mittelschicht. Hier gilt es in Zukunft den Blick zu weiten und noch mehr bisher unbekannte Persönlichkeiten zu entdecken. Ein Buch, das nicht nur Mädchen Mut macht, die eigenen Interessen und Leidenschaften zu verwirklichen!


Kara LaReau: Die unglaublich verrückten Abenteuer der Schnarch-Schwestern

illustriert von Jen Hill, übersetzt von Ingrid Ickler, 176 Seiten, Knesebeck, 13 Euro, ab 10 

Die Zwillingsschwestern Angina und Rauke leben ohne ihre Eltern und verbringen einen komplett unaufgeregten Alltag mit Socken stopfen und aus dem Fester starren, bis sie eines Tages auf das Schiff einer ziemlich zackigen Piratinnen-Bande entführt werden und auf große Fahrt gehen. Der Alltag an Bord ist kein Zuckerschlecken – es heißt vor allem viel Arbeit an Deck und in der Schiffsküche und nett geht es hier auch nicht unbedingt zu. Zum Glück finden sie mit Fetterike und Holzbein-Heidi bald sympathische Verbündete, die ebenfalls keinen so guten Stand bei der restlichen Crew haben. Mit gewitzten Ideen verhelfen die beiden Schwestern den Erwachsenen zu mehr Selbstwertgefühl und wirbeln das Geschehen an Bord gut durcheinander. Damit weht der Wind plötzlich aus einer ganz anderen Richtung und auch die verschwundenen Eltern könnten wieder auftauchen.  

Das sagt die Kinder-Jury:

Nach kurzen Startschwierigkeiten aufgrund der bestens nachvollziehbaren Langeweile zu Beginn entwickelte sich die Geschichte zum regelrechten Renner. Das Gekicher ob der lustigen Namen, der durchaus fiesen Abenteuer und schrägen Illustrationen war groß. Gleichwohl wurde der durchaus ernste Kern um das Thema Mobbing von den Kindern sensibel erfasst. Besonders mochten sie die knapp erklärenden Einführungen in jedes Kapitel und dass die mit positiven Charaktereigenschaften besetzten Protagonistinnen, die aufgrund ihrer Körperformen und -behinderung im Buch Ausgrenzungserfahrungen machen, am Ende der Geschichte siegreich hervorgehen. Und überhaupt ein ganzes Piratinnenschiff – das gab es noch nie! 

Das sagt die Erwachsenen-Jury:

Ein ungewöhnlicher Plot:  Zwei Mädchen, die jahrelang ohne ihre Eltern leben und dann in ein Piratinnenabenteuer stolpern. Erzählt wird ein ernstes Thema in einem besonderen humoristischen Stil – humorige Namen, groteske Situationen und witzige Illustrationen. Auf uns wirkten die Charaktere etwas holzschnittartig und manche Überzeichnungen doch etwas klischeehaft.  

Holly Bourne: Spinster Girls – Was ist schon normal? (Band 1)

übersetzt von Nina Frey, 416 Seiten, dtv, 10,95 Euro, ab 14

als eBook erhältlich

“Spinster Girls – Was ist schon normal” ist das erste Buch einer dreiteiligen Reihe, in der jeweils eine von drei Freundinnen die Hauptrolle spielt. In Band 1 ist das Evie. Sie möchte endlich ein “normales” Teenagerleben führen. Daran war bisher nicht zu denken, aufgrund einer Zwangsstörung ist ihr Leben komplett aus den Fugen geraten. Jetzt können die Medikamente jedoch langsam abgesetzt werden und Evie freut sich darauf, sich zurück ins Leben zu stürzen. Auf ihre beste Freundin muss sie dabei jedoch verzichten: Jane hat nur noch Augen für ihren neuen Freund. Zum Glück trifft Evie da bei ihrem ersten Date (das sich als Katastrophe herausstellt!) auf Amber und Lottie. Genervt von den ganzen Jungsproblemen gründen sie den Spinster Club: Hier diskutieren sie über feministische Themen und machen sich gegenseitig stark. Dabei diskutieren sie heftig u.a. auch darüber, ob heterosexuelles Verlieben kompatibel sein kann mit Feminismus, und wenn ja, was bedeutet das konkret? Von ihrer Krankheit erzählt Evie ihren neuen Freundinnen jedoch nichts – auch nicht, als es zu einem Rückfall kommt. Der über alles stehende Wunsch nicht aus der Norm zu fallen hindert Evie daran, sich ihrer Familie und ihren Freundinnen anzuvertrauen und bringt sie an ihre Grenzen. Nach und nach lernt Evie mit ihren negativen Gedanken umzugehen und, unterstützt durch ihre Familie, ihre Freundinnen und ihre Therapeutin, einen für sie machbaren Weg zu finden. Am Ende stellt Evie fest: Was ist denn eigentlich schon normal?

Das sagt die Jugendlichen-Jury:

Große Begeisterungsstürme für die Spinster Girls! Die ersten beiden Titel dieser Trilogie wurden von der Jury heiß geliebt. Die Idee, in jedem Band aus der Sicht eines der Spinster Girls zu erzählen kam bei den Jugendlichen gut an und es fiel ihnen leicht, sich in die beiden Mädchen hineinzuversetzen. Nicht nur der Schreibstil gefiel, auch das große verbindende Thema der Reihe „Feminismus“ wurde gut in die Geschichten integriert und regte die Leser*innen oftmals zum Nachdenken an. Während der zweite Teil vielen die Augen in Bezug auf Alltagssexismus öffnete, bot der erste Band zudem eine realistisch anmutende Darstellung des Themas Zwangserkrankung und schnitt das Thema Integrierung in der Gesellschaft an. Auch die Cover überzeugten die Jury auf ganzer Linie: Coole Covergestaltung und treffende Titelformulierungen. Der dritte Band wird sehnlichst erwartet.

Das sagt die Erwachsenen-Jury:

Psychische Erkrankungen sind in unserer Gesellschaft noch immer tabuisiert. Der Autorin gelingt es, einen Jugendroman zu schreiben, in dem Evies Zwangsstörung einfühlsam und nicht überpräsent thematisiert wird. Evie steht vor der gleichen Herausforderung wie alle Jugendlichen: das Finden einer eigenen Identität, das Bedürfnis nach Freundschaft und die Sehnsucht nach Liebe. Durch das Lesen dieses Buches bekommt man eine Ahnung davon, was es heißt, ein Jugendleben irgendwo zwischen scheinbarer Normalität und psychischer Erkrankung zu führen und eine Zwangsstörung neben allen sonstigen Irrungen und Wirrungen des Erwachsenwerdens zu meistern. Die flotte Sprache und humorvolle Szenen lockern das Buch auf und beweisen, dass auch tabuisierte Themen spannend erzählt werden können.