Lindsay Lackey: Das Mädchen, das den Sturm ruft

illustriert von: Annabelle Sperber, erschienen bei Dressler, ab 10 Jahren

Vielfaltsmerkmale: Pflegefamilie, Zusammenhalt, Freundschaft

KIMI-Faktor: Familie gehört zu den Schlüsselthemen kinder- und jugendliterarischer Texte. Doch Familie ist vielfältig – und genau diesem Aspekt geht das Kinderbuch Das Mädchen, das den Sturm rief, nach. Dabei rückt das Thema Pflegefamilie in den Fokus.

Inhalt: Cover und Titel mögen irritieren, wecken möglicherweise Assoziationen an phantastische Kinder- und Jugendliteratur. Aber: Der Roman Das Mädchen, das den Sturm rief ist ein realistisches Buch mit wenigen phantastischen Elementen und erzählt eindringlich über Familie. Das Mädchen Ruby, das von allen Red genannt wird, wird von einer Pflegefamilie zur nächsten gebracht. Ihre Mutter ist im Gefängnis, der Vater abwesend, und Red will einfach nur warten: Auf ihre Mutter und auf das Gefühl, wieder eine Familie zu sein. Als sie auf den Hof von Celine und Jackson gebracht wird, will sie sich nicht eingewöhnen. Sie glaubt auch nicht an einen längeren Aufenthalt und verschließt sich zunächst den Pflegeeltern und sogar den Tieren. Doch langsam öffnet sie sich, freundet sich mit einer Schildkröte an und auch mit dem Nachbarsjungen Marvin. Langsam bekommt das Mädchen das Gefühl, ein Zuhause zu finden und Menschen um sich zu haben, denen es vertrauen kann. Doch dann kommt die Mutter aus dem Gefängnis und zerstört das, was dem Mädchen wichtig ist.

Der Autorin ist ein berührender Roman gelungen, nah an der kindlichen Hauptfigur, erfasst er ihre Sorgen, Ängste und vor allem ihre Einsamkeit. Sie zeigt aber auch ihre Wut, das Versagen der Erwachsenen und schließlich, wie sich Red öffnet. Vertrauen muss man lernen, und ein Kind, das immer wieder enttäuscht wurde, braucht länger. Genau das erzählt der Roman.

Jurystimme: „Manchmal täuschen Cover, wecken Erwartungen oder leider auch Abneigungen. Doch man sollte den Büchern eine Chance geben. Das Mädchen, das den Sturm rief ist eines dieser Bücher. Beginnt man mit der Lektüre, wird eine wunderbare Geschichte erzählt, die zum Nachdenken anregt und ein Mädchen vorstellt, das neue Hoffnung schöpft.“

Nastia Holtfreter: Wir

erschienen bei Fischer Sauerländer, ab 2 Jahren

Vielfaltskriterien: Zusammenhalt, Hilfsbereitschaft

KIMI-Faktor: Das Buch überzeugt durch eine einfache, leicht verständliche Darstellung der Message: Zusammen schaffen WIR das!

Inhalt: Alleine einen Apfel vom hohen Baum zu pflücken, geht nicht. Aber viele Kinder zusammen haben eine Idee und schaffen es gemeinsam alle Äpfel zu ernten. Ein wichtiges Buch über Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft – für die Kleinsten. Klar, bunt und leicht verständlich.

Jurystimme: „Ein simples Pappbilderbuch mit einer großen Botschaft.“

Zoubida Mouhssin: Ente steckt fest

illustriert von: Pascale Moutte-Baur, erschienen bei: Alibri, ab 4 Jahren

Vielfaltskriterien:

Freundschaft, eigene Stärken, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft, Zusammenhalt

KIMI-Faktor:

Ente ist eigenwillig, gerät in Not und braucht Hilfe. Das Buch zeigt, dass Mitgefühl und Hilfsbereitschaft in Notsituationen unabhängig von Sympathie erfolgen müssen.

Inhalt:

Ente steckt fest, weil sie nachts auf einem See fest eingeschlafen und dabei festgefroren ist. Da helfen weder das Picken, Strampeln oder der Flügelschlag. Ente kann an ihrer Situation aus eigenen Kräften nichts ändern und ist auf Hilfe angewiesen. Statt zur Hilfe zu eilen, fragen die Tiere zunächst: „Wie hast du das denn hingekriegt?” Die Tiere lassen sich bitten, helfen nicht selbstverständlich, letztlich aber doch. Das Buch antwortet auf die Frage: Muss man jemandem wirklich helfen, der ständig genervt, gereizt und wütend ist? Die Antwort lautet: Ja! Bildelemente des Buches sind stark reduziert. Mimik ist kaum vorhanden. Die Gefühle der Tiere lassen sich nur erahnen und bieten deshalb viel Platz zur Deutung. Wie fühlt sich Ente, wie die helfenden Tiere?

Jurystimme:

„Dieses Buch wirft eine wichtige Frage auf: Muss ich helfen, auch wenn jemand unsympathisch ist? Ein Buch, welches nicht selbstredend ist, sondern eine echte Frage anbietet, über die zu streiten sich lohnt.“