KIMI – Die ersten ausgezeichneten Bücher

Die erste Siegel-Verleihung

Zum ersten Mal wurde am Donnerstag, den 9. Mai 2019 das KIMI-Siegel für Vielfalt in der Kinder- und Jugendliteratur bei einem Festakt in der Werkstatt der Kulturen verliehen.

Das Grußwort zur Veranstaltung sprach Margit Gottstein, Staatssekretärin für Verbraucherschutz und Antidiskriminierung beim Berliner Senat, die betonte, wie wichtig das KIMI-Siegel sei und dass es sich eigentlich um eine “überfällige Initiative” handele, um Menschen in ihren Lebensrealitäten sichtbar zu machen. Die Veranstaltung wurde mit viel Verve und wunderbar kurzweilig moderiert von der Schauspielerin Joana Adu-Gyamfi und Tim Gailus, bekannt aus Timster auf Kika. Über 150 geladene Gäste, darunter Multiplikator*innen aus der pädagogischen Arbeit, Buchhandel und Verlagswesen kamen zur feierlichen Preisverleihung in die Werkstatt der Kulturen nach Berlin.

Aus der Vielzahl an Neuerscheinungen aus dem Jahr 2018 wurden insgesamt 40 Bücher ausgewählt, die Geschichten in vielfältiger, diskriminierungssensibler Weise erzählen bzw. darstellen. Zu den Kategorien gehören das Bilderbuch, das erzählende Kinderbuch und das Jugendbuch. Die Partizipation von Kindern und Jugendlichen sowie Menschen mit Diskriminierungserfahrungen als Teil der Jurys ist ein wichtiger und entscheidender Aspekt im Konzept des KIMI-Siegels – viele Mitglieder der Jurys nahmen am Festakt teil.

„Wir sind sehr glücklich, dass aus der Idee zum einem Festival für Diversität in Kinderbüchern im Jahr 2018 das KIMI Siegel entstanden ist“, betont Gabriele Koné (ISTA/Fachstelle Kinderwelten), „Damit wird jährlich im Bereich Kinder-und Jugendliteratur ein sichtbares Zeichen für Diversität gesetzt. Wir möchten damit für das Thema sensibilisieren, aber auch zu mehr vielfältiger Literatur verhelfen.“

Die ausführlichen Bewertungen zu allen ausgezeichneten Büchern sind hier auf unserer Website zu finden. Das KIMI-Plakat liegt den kommenden Ausgaben unserer Medienpartner BÜCHERmagazin, Eselsohr und BuchMarkt bei.

Brendan Wenzel: Alle sehen eine Katze

übersetzt von Thomas Bodmer, 44 Seiten, NordSüd, 15 Euro, ab 4

Eine Katze geht durch die Welt. Das Kind sieht die Katze mit ihren Schnurrhaaren, Ohren und Pfoten. Es sieht die Katze so, wie wohl die meisten Menschen das Tier sehen. Aber wie sieht die Katze für die verschiedenen Tiere aus? Für die Schlange erscheint sie in grellbunten Farben, das Stinktier sieht sie schwarz-weiß. Auch Hund, Fuchs, Fisch und Maus sehen die Katze ganz unterschiedlich. Mal gefährlich, mal dick, von oben ganz klein oder riesengroß von unten gesehen. Es hängt wohl von der eigenen Perspektive ab, wie sie gesehen wird, von der Beschaffenheit der Augen und davon, ob sie eine Gefahr darstellt oder als Nahrungsquelle dient.

Der Text wiederholt sich und regt so zum Mitsprechen an. Die Abbildung der Katze, die aus den verschiedenen Ansichten der Tiere und des Kindes zusammengesetzt ist, regt zum genauen Nachschauen an, welchen Teil die verschiedenen Tiere gesehen haben. Am Ende werden alle Tiere nochmals aufgezählt. Und die Katze sieht sich selbst im See nochmal auf eine andere Weise. 

Das sagt die Kinderjury: 

Das Buch kam bei den 4-jährigen gut an. Anfangs war für sie nicht so einfach zu verstehen, warum die Katze immer anders aussieht. Als sie es dann verstanden hatten, machte es ihnen viel Freude, das jeweilige Bild der Katze ganz genau zu betrachten. Auch beschrieben sie die Bilder genau. 

Das sagt die Erwachsenen-Jury:

Großflächig und farbenfroh illustriert der Autor, wie verschieden ein und das gleiche „Ding“ wahrgenommen werden kann und regt zum Nachdenken und Philosophieren über unterschiedliche Perspektiven und Realitäten an. Abhängig von der eigenen Verfasstheit erscheint das Gegenüber unterschiedlich. Und jede Sicht ist richtig.