Grit Poppe: Verraten

erschienen bei Dressler, ab 14 Jahren

Vielfaltskriterien: Alltagsleben in der DDR, Heimerziehung, Familienkonstellation, Vater-Sohn-Verhältnis

KIMI-Faktor: Ein bedrückender Jugendroman über erniedrigende Methoden gegenüber politisch Verfolgten.

Inhalt: Sebastian wächst in der DDR, in Ostberlin, auf. Nachdem seine Mutter gestorben und seine Großmutter ins Altersheim gekommen ist, wird der Junge plötzlich in einem Heim untergebracht. Die Verhältnisse dort sind unwürdig und gleichen eher denen eines Gefängnisses. Sebastian versteht die Welt nicht mehr, denn er hat nichts angestellt, was eine solche Behandlung rechtfertigen würde. Ausgerechnet sein Vater, der die Familie vor Jahren verlassen hat, nimmt ihn zu sich. Einerseits ist Sebastian zutiefst dankbar, andererseits findet er keinen Zugang zu seinem „Vater“, denn dieser ist ihm fremd. Zwar ist er freundlich, aber wortkarg und verschlossen. Zudem irritiert den Jungen, dass er mit einem Leichenwagen im Heim vorfährt, denn Sebastians Vater arbeitet auf dem Städtischen Friedhof. Was Sebastian und sein Vater nicht ahnen: In dem Sarg, der im Kofferraum lagert, versteckt sich die Ausreißerin Katja als blinder Passagier. Sie ist auf der Flucht vor den Behörden, gilt als widerständig und aufrührerisch, weil es ihr gelungen ist, schon aus mehreren Heimen zu fliehen. Nun droht ihr der Jugendwerkhof in Torgau. Als Sebastian sie in seinem neuen Zuhause bei seinem Vater entdeckt, bietet er ihr Unterschlupf an. Katja versteckt sich für einige Wochen auf dem Dachboden. In dieser Zeit gerät Sebastian massiv in die Klemme. In der Schule wird er von einem Stasi-Mitarbeiter, Herrn Möller, als inoffizieller Mitarbeiter angeheuert und erhält den Auftrag, seinen Vater zu bespitzeln, denn dieser gilt – wie der Protagonist nun erfährt – als Staatsfeind der DDR.

Jurystimme: „Ein beklemmendes Stück DDR-Geschichte.“