Baptiste Paul & Jacqueline Alcántara: Das Spiel

übersetzt von Thomas Bodmer, 32 Seiten, NordSüd, 15 Euro, ab 4 

Vielfaltsmerkmale: Gelebte, lebendige Mehrsprachigkeit im gemeinsamen freundschaftlichen Alltag der Kinder

Kimi-Faktor: Mehrsprachige Bücher, die Sprachmischungen als gelebte selbstverständliche Sprachpraxis zeigen

Von der Einbandgestaltung bis zur letzten Seite ist dieses Buch in Bewegung. In kräftigen Farben gezeichnet rennen Kinder einem Ball hinterher, Kühe stehen auf der Weide, selbst gebastelte Tore werden aufgestellt. Mädchen und Jungen spielen mit vollem Körpereinsatz auf einer Wiese Fußball. Die Kinder sind ein gutes Team, auch als der Regen einsetzt und die Wiese in Schlamm verwandelt, spielen sie weiter, bis die Mütter zum Abendessen rufen. Die Illustratorin setzt mit kräftigem und bewegtem Pinselstrich die Geschichte, die auf einer der karibischen Inseln spielt, um. Der Text sowie einzelne Wörter wirken wie in die Bilder „hineingeworfen“ und unterstützen so die Bewegung der Geschichte. Deutsche und kreolische Wörter stehen nebeneinander und werden miteinander gelesen, so dass ganz nebenbei in beiden Sprachen gelesen wird. „Shoo! Weg da!“ ruft ein Kind den Kühen zu und „Annou ale! Los!“ rufend, schiebt ein anderes die Ziege zur Seite. 

Dieses Bilderbuch zeigt: es braucht nicht viel, um einen guten Tag zu haben. Freund*innen, einen Ball und Platz zum Spielen. Die Geschichte lässt eine*n mitfiebern. Es spielen Kinder unterschiedlichen Alters, Mädchen und Jungen. Das Geschlecht ist nicht wichtig, es wird nicht genannt. Auf dem deutschen Buchmarkt gibt es nicht viele zweisprachige Bücher mit der französisch-kreolischen Sprache. Manche Wörter klingen vertraut und erinnern an französische, englische oder türkische Wörter. Im Glossar finden sich ein Text des Autors über seine Kindheit auf einer der karibischen Inseln, die Aussprache der Wörter und die deutsche Übersetzung. 

Das sagt die Kinderjury: 

Alle Kinder waren begeistert von dem Buch! „Wir sind in die Halle gegangen, als es geregnet hat. Wir haben nicht draußen weitergespielt.“ sagt Ella, 4 Jahre alt. Die anderen erzählen vom Fußball spielen und sind aufmerksam dabei. Sie lassen sich von den Ausrufen anstecken und gemeinsam rufen wir: „Vini! Komm!“ und lernen „Bol“ – Ball, „Soulye“ – „Schuhe“, Goal – Tor.“ 

Das sagt die Erwachsenen-Jury:

Ein wunderbares Buch, eindrucksvoll illustriert. Ein Buch vor allem auch zum gemeinsamen Angucken. Jede*r im Buch kann mitspielen, es geht weniger um Gewinnen als um Freude an der Bewegung, was allen deutlich anzusehen ist. Besonders gut hat uns auch gefallen, dass Wörter aus dem französischen Patois in den Text eingefügt sind, einer Sprache, die sonst im hiesigen Kinderbuch nicht auftaucht. 

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Rüdiger Hansen & Raingard Knauer: Leon und Jelena – ein Name für den Fisch

32 Seiten, Bertelsmann Stiftung, 3 Euro, ab 4 Jahren
Auch als e-Book erhältlich

Vielfaltmerkmale:
People of Color, Geflüchtetenhintergrund

KIMI-Faktor:
Das Buch thematisiert das Leben geflüchteter Kinder in Deutschland, ihr mögliches Bedürfnis nach Sicherheit, indem sie sich die Jacke in der Kita nicht ausziehen wollen. Das Thema Flucht wird eher oberflächlich angedeutet – überfordert so nicht und regt zum Nachfragen an.
Die Kinder in der Kita sind vielfältig im Bezug auf Hautfarben dargestellt, wobei die weißen Kinder zahlenmäßig eindeutig überwiegen.

Eines der zahlreichen Büchlein zu Partizipation in Kindertagesstätten, die Rüdiger Hansen und Raingard Knauer in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann Stiftung herausgeben. Diesmal stehen die Kinder vor der Frage, welchen Namen der neue Fisch bekommen soll, den die Pädagog*in fürs Aquarium gekauft hat. Die Kinder haben viele Vorschläge, aber welcher davon ist der beste? In der Kinderkonferenz entscheiden sie sich dafür, das arabische Wort für Fisch „samak“ zu nehmen, damit die beiden neu zugewanderten Kinder aus Syrien eine Erinnerung an ihre Heimat haben.

Das sagt die Kinder-Jury:
Die Kinder waren sehr begeistert vom Büchlein. Sara gefielen besonders die bunten Farben, während Bilya mit leuchtenden Augen auf ein schwarzhaariges Kind zeigte: „Das bin ich – und das ist Hatice!“. Aufmerksam hörten die Kinder zu. Der Satz aus dem Buch: „Samak ist das arabische Wort für Fisch“ stieß auf besonderes Interesse und wurde von ihnen eifrig kommentiert. Die Kinder erzählten, was Fisch in ihren Familiensprachen Urdu, Italienisch, Russisch, Bulgarisch bedeutet, nannten die entsprechenden Wörter und versuchten sie nachzusprechen.

Das sagt die Erwachsenen-Jury:
Leicht verständlich wird anhand einer alltäglichen Situation gezeigt, wie Partizipation auch mit jungen Kindern gelingen kann. Die bunten Illustrationen ergänzen den Text. Die abgebildeten Kinder sind vielfältig in Bezug auf Hauttöne, ein Kind trägt eine Brille, die Mutter der neuzugewanderten Kinder ein Kopftuch. Weitere sichtbare Vielfaltsaspekte gibt es nicht. Kritisch anzumerken ist, dass die neuzugewanderten Kinder als „syrische Kinder“ bezeichnet werden, obwohl ihr Lebensmittelpunkt in Deutschland ist. Auf diese Weise wird ihre Zugehörigkeit unnötigerweise in Frage gestellt.

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