Stephan Christ: In 0,8 Sekunden um die Welt

illustriert von: Tim Köhler, erschienen bei; Woow Books, ab 9 Jahren

Vielfaltskriterien:

Schwierige Familienverhältnisse, Umgang mit Scheidung

KIMI-Faktor:

Eine magische und spannende Geschichte, die zusätzlich Identifikationsmöglichkeiten bietet für Kinder und Jugendliche, deren Eltern geschieden sind.

Inhalt: Lena und ihr Vater Kalle teilen ein großes Geheimnis: Jedes Wochenende reisen sie gemeinsam um die Welt. Denn Lenas Vater ist Erfinder und hat eine Methode entwickelt, die einen in Sekundenschnelle an jeden Ort bringt, den man sich wünscht. So sind die beiden schon an zahlreiche Orte rund um die Erde gereist. Bisher ist alles gut gegangen, doch mitten im Himalaya funktioniert die Erfindung plötzlich nicht mehr.

Jurystimme:

‚‚Ein wirklich spannendes Buch, das ich verschlungen habe. Die Idee dahinter ist gut und es ist hervorragend geschrieben.‘‘ (Doro, 10 Jahre)

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Anja Hitz: Fünf sind sechs zu viel

illustriert von:Claudia Weikert , erschienen bei: Carlson, ab 9 Jahren

Vielfaltskriterien:
Patchworkfamilien, Scheidung, Geschwister, Tod eines Elternteils, Geschlechterrollen

KIMI-Faktor:

Das Buch behandelt vielfältige Aspekte in Bezug auf Familien: Beispiele sind Scheidung, die neue Familiengestaltung und der Verlust eines Elternteils. Nebenbei werden zusätzlich Geschlechterklischees thematisiert. Im Vordergrund steht jedoch das Zusammenwachsen zu einer neuen Familie.

Inhalt: Rose erinnert sich am Anfang des Buches an eine Zeit, in der sie eine „richtige, echte Familie“ hatte: Mama, Papa und sie. Die Scheidung ihrer Eltern war für sie in Ordnung. Nicht einverstanden ist sie mit dem neuen Freund ihrer Mutter. Frank hat fünf Kinder, um die er sich seit dem Tod seiner Frau kümmert. Nach und nach freundet sie sich mit dem einzigen Mädchen unter ihnen, Renée, an und die beiden schmieden gemeinsame Pläne. Renée unterstützt Rose zum Beispiel bei der Suche nach einer geeigneten Freundin für ihren Vater. Dieser Plan geht tatsächlich auf und den beiden gelingt es, den Vater von Rose zu verkuppeln. Das Buch endet mit einem großen Abenteuer und einem Happy End für alle.

Jurystimme:

‚‚Wenn Eltern nach der Scheidung neue Partner*innen finden, hat das auch immer Konsequenzen für die Kinder. Für Kinder und Jugendliche, die in einer ähnlichen Situation wie Rose sind, ist es sicherlich ein interessantes Buch. Es werden verschiedene Perspektiven betrachtet und die Erzählerin gewinnt zunehmend Verständnis für die Menschen um sie herum.‘‘

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Melba Escobar de Nogales: Das Glück ist ein Fisch. Eine Erzählung aus Kolumbien

illustriert von Elizabeth Builes, übersetzt von Jochen Weber, 112 Seiten, Baobab Books, 15,90 Euro, ab 9

ISBN-10: 3905804832 ISBN-13: 978-3905804836

Vielfaltsmerkmale: Scheidung der Eltern, Ängste, Wut, Verzweiflung eines Jungen, Koloniale Sichtweisen

Kimi-Faktor: Fantastisch realistisch wird die Gefühlswelt eines Jungen erzählt, der sich mit der Trennung seiner Eltern auseinandersetzen muss.

Den Urlaub hatte sich Pedro aber ganz anders vorgestellt! Dabei hatte er sich so auf das Meer gefreut. Und nun erfährt er von seiner Mutter, kaum auf der Insel angekommen, dass seine Eltern ihn angelogen haben: der Vater ist nicht wegen seiner Arbeit nicht mitgeflogen, sondern weil sich seine Eltern getrennt haben. Zutiefst verzweifelt läuft Pedro weg, ans Meer. Nachts wird er von einem alten Schwarzen aufgelesen, einem Außenseiter, der weit weg von den Inselbewohner*innen mit einer äußerst redseligen Papageiendame in einer selbstgebauten Hütte lebt. Wie kommt es, dass der alte Mann Jonny Tay heißt, genauso wie der berühmte Seeräuber? Was ist Fantasie? Was Wirklichkeit? Zum Einschlafen erzählt die Papageiendame Pedro Geschichten von Piraten und sagenhaften Schätzen. Am nächsten Morgen nimmt ihn Jonny Tay mit hinaus aufs Meer und zeigt ihm die faszinierende Unterwasserwelt der Karibik. Pedro fängt seinen ersten Fisch und lernt, dass er stark genug ist, mit der Trennung seiner Eltern klar zu kommen. Und als ihn seine Mutter schließlich nach tagelangem verzweifeltem Suchen findet, ist die Welt vielleicht nicht wieder völlig in Ordnung, aber Pedro kann die veränderte Familiensituation akzeptieren. 

Das sagt die Kinder-Jury:

Eine Geschichte aus Kolumbien mit einem Protagonisten, der auf Mangobäume klettert und Brotfrucht isst. Eine Welt, die weit weg erscheint und trotzdem können sich viele Kinder leicht mit Pedro und seiner Gefühlswelt, wie der Wut über die Trennung der Eltern, identifizieren. Ein Thema, das die Kinder besonders beschäftigte, waren die Vorurteile, welche die Inselbewohner gegen Johnny Tay äußerten und die sich schließlich nicht bewahrheiteten. Begeistert war die Jury auch von der Gestaltung des Buches und den zarten Illustrationen von Elizabeth Buile, die oftmals ganze Seiten im Buch einnehmen und von der Jury als ausgesprochen schön und besonders empfunden wurden. 

Das sagt die Erwachsenen-Jury: 

Anschaulich wird geschildert, welche Gefühle die Trennung der Eltern bei Pedro auslöst, eine Krisensituation, die einige Kinder und Jugendliche erlebt haben. Rettung wird ihm zuteil durch den Schwarzen Außenseiter Jonny Tay. Diese Konstruktion ist ein beliebtes Stilmittel in der weißen US-amerikanischen Literatur und hat ihren Ursprung in der Verklärung der Sklaverei, wo weiße Sklavenhalter Schwarze gezwungen haben, sich um die weißen Kinder zu kümmern. Dadurch erhält die Geschichte einen negativen Beigeschmack, der aber konstruktiv besprochen werden kann.

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