Astrid Frank: Uli Unsichtbar

illustriert von Regina Kehn, 96 Seiten, Verlag Urachhaus, 14 Euro, ab 7 Jahren
Auch als E-Book erhältlich 

ISBN-10: 9783825151645 ISBN-13: 978-3825151645

Vielfaltskriterien: Geschlechterrollen, Wertevielfalt, Mobbing

Der Kimi- Faktor:
Die Geschichte erzählt jungen Leser˟innen wie man sich fühlt, wenn man aus einer Gruppe ausgeschlossen und gemobbt wird und weist nachdrücklich darauf hin, dass jeder Mensch ein Recht darauf hat so zu sein, wie er ist.
Ganz selbstverständlich und nebenbei wird erzählt, dass auch Jungs nicht der üblichen klischeehaften Geschlechterrolle „stark, durchsetzungsfähig, laut“ entsprechen müssen, sondern Mädchen genauso gut die Beschützerinposition einnehmen können.
Außerdem wird in diesem Buch das Thema Wertevermittlung und Recht in Form von Umgangsregeln in der Schulklasse empathisch und konstruktiv bearbeitet.

Inhalt:
Uli zieht mit seinen Eltern in eine neue Stadt. Er ist vor allem traurig, seine Großeltern nun nicht mehr regelmäßig sehen zu können. Doch es sind große Ferien und im neuen Wohnhaus findet er rasch Anschluss an die Nachbarskinder, mit denen er einen wunderbaren Sommer im Freibad verbringt. Eigentlich ist es doch gar nicht so schlecht im neuen Zuhause – bis die Schule beginnt. Denn als er sich dort seiner neuen Schulklasse vorstellt, verhaspelt er sich stotternd vor lauter Aufregung bei seinem Namen und wird von allen nur noch U-u-uli gerufen.

Auch die Schwimmbadfreundschaften erweisen sich als wenig hilfreich und Uli wird mit jedem Tag mehr zum gemobbten Außenseiter. Bis ein Mädchen – ebenfalls mit dem Namen Uli – neu in die Klasse kommt und sich mutig auf seine Seite stellt.

Das sagt die Kinder-Jury:
Das Cover hat den Kindern sehr gut gefallen, weil es viele verschiedenartige Kinder zeigt und das Thema „Ausgrenzung“ bereits darstellt bzw. vorab auf die Thematik vorbereitet. Die Geschichte des schüchternen Uli ist spannend erzählt und bildet die Wirklichkeit und vor allem die Dynamik einer Gruppe, die sich gegen eine*n Einzelne*n stellt gut ab. Die Auflösung des Konfliktes und auch das dem Buch beiliegende Poster, das die neuen Regeln zum gemeinsamen Umgang in Ulis Klassengruppe auflistet, kannten einige Kinder so ähnlich aus ihrem Schulalltag. Insofern empfanden sie ihre Lebensrealität glaubwürdig wieder gespiegelt.

Das sagt die Erwachsenen-Jury:
Ein Buch zu einem wichtigen Thema. Glaubwürdig wird die Gruppendynamik, die für Mobbing charakteristisch ist, dargestellt. Wünschenswert wäre gewesen, der Bewältigung und dem Prozess der Aufarbeitung am Ende mehr Raum zu geben. Nützlich ist das beigefügte Plakat mit Regeln, die dazu beitragen können, Mobbing zu verhindern.

Kerstin Brichzin & Igor Kuprin: Der Junge im Rock

32 Seiten, Michael Neugebauer Edition, 14 Euro, ab 4 Jahren

ISBN-10: 3865663281 ISBN-13: 978-3865663283

Vielfaltmerkmale:
Geschlechterrollen, Mobbing

Der KIMI-Faktor:
Das Buch thematisiert Geschlechterklischees anhand von Kleidung: Jungen müssen Hosen tragen, während Mädchen Röcke und Hosen tragen dürfen? Der Held des Buches setzt sich schließlich durch und geht – trotz zwischenzeitlicher Mobbingerfahrungen – schließlich weiterhin im Rock in den Kindergarten.

Inhalt:
Felix liebt es, weite Röcke zu tragen, weil dann der Wind so schön um seine Beine streift. Während bislang kaum jemand daran Anstoß nahm, wird er nach dem Umzug in eine kleine Stadt von den anderen Kindern im Kindergarten gehänselt und ausgegrenzt. „Du siehst aus wie ein Mädchen”, sagen sie, „Jungs ziehen Hosen an und dunkle Farben!” Und lassen ihn nicht

mehr mitspielen. Felix weigert sich daraufhin, in den Kindergarten zu gehen. Sein Vater beschließt zu handeln und kauft für sich einen Rock. Gemeinsam spazieren beide durch die Stadt. Im Kindergarten erklärt der Papa einem verwunderten Kind, dass an diesem Tag alle einen Rock tragen dürfen. Felix argumentiert sehr gewitzt, dass es unfair sei, dass Mädchen Hosen und Röcke tragen dürfen, aber Jungs nur Hosen. Und dass es sich mit weiten Röcken viel besser springen und klettern lasse. Seit diesem Tag wird Felix mit dem Rock akzeptiert.

Das sagt die Kinderjury:
Die Jungen, die gern Röcke und Kleider tragen, fanden das Buch toll. Auch einige Mädchen konnten sich in Felix hineinversetzen. Für manche Kinder war irritierend, dass es wenig Überleitungen im Buch gibt. Sie konnten die für sie unvermittelten Orts- und Zeitwechsel nicht verstehen.

Das sagt die Erwachsenen-Jury:
Nicht wenige Jungen mögen wie Felix Röcke und Kleider und ecken damit an den Normalitätsvorstellungen unserer Gesellschaft an. In kurzen, treffenden Sätzen und ohne zu problematisieren widmet sich dieses Buch diesem Aspekt aus dem Alltagserleben von Jungen. Die farbenfrohen, aquarellartigen großflächigen Bilder korrespondieren mit der Leichtigkeit, die Felix beim Tragen von weiten Röcken empfindet. Die Botschaft des Buches lautet: „So wie du bist, bist du richtig, und was du anhast, ist völlig egal.“ Sie lädt dazu ein, mit Kindern ins Gespräch über Normalitätsvorstellungen nicht nur in Bezug auf Gender zu gehen.
Noch stärker wäre das Plädoyer des Buches geworden, wenn der letzte Satz nicht lauten würde: „Seit diesem Tag ist Felix der Junge mit dem Rock.“ Damit bekommt Felix einen Stempel, er wird auf diese Eigenschaft reduziert. Dabei hat er doch sicherlich noch viele andere interessante Seiten und ist vielfältig, wie jede*r von uns! Weitere Vielfaltsaspekte wie Hauttöne, körperliche Verfasstheit etc. tauchen im Buch nicht auf.

Iben Akerlie: Lars, mein Freund

übersetzt von Ina Kronenberger, 256 Seiten, dtv/Reihe Hanser, 12,95 Euro, ab 10

ISBN-10: 3423640391 ISBN-13: 978-3423640398

auch als eBook erhältlich

Vielseitigkeitsmerkmal: Menschen mit Behinderungen, Mobbing, Wertevielfalt

Kimi-Faktor:  Ein wichtiges Thema für Kinder: Mobbing. Das Buch zeigt in spielerischer  Ernsthaftigkeit  welche Konsequenzen Mobbing haben kann und wie  wichtig es  ist, füreinander einzustehen. Einer der Hauptcharaktere hat das Down- Syndrom. Er zeigt seinen Mitschülern wie toll es sein kann  das Leben aus einer anderen Perspektive  zu sehen.

Amanda liebt Adam, der in ihre Klasse geht, aber Adam liebt Amanda nicht. Und als wäre  das nicht schon peinlich genug bekommt Amanda von ihrer Lehrerin   eine ganz besondere Aufgabe zu geteilt:  Sie soll doch bitte Patin des neuen Schüler Lars werden, der das Down Syndrom hat.  Amanda ist  entsetzt über ihrer Aufgabe. Nicht weil sie Vorurteile quälen,  nicht weil  Lars ihr komisch vor kommt  und unsympathisch ist.  Nein, sie hat Angst bei ihren Mitschülern deswegen nicht mehr zu den Coolen zu gehören und aus ihrer Clique zu fliegen. Zwar hat sie eine tolle, beste Freundin, aber eben nur diese und sie sehnt sich nach der Anerkennung der großen Gruppe. Bei Lars zu Hause sind Amanda und er  beste Freunde, in der Schule jedoch ignoriert Amanda Lars.  Als  in der Klasse über Lars geredet wird, muss Amanda sich entscheiden.  Wird sie zu Ihm halten? Bleiben  Lars und Amanda  Freunde oder kommt es zu einem  Vertrauensbruch?

Das sagt die Kinder-Jury:

Die Kinder hatten bisher noch keine Bücher mit behinderten Protagonist*innen gelesen. Für alle war es der erste literarische Kontakt mit dem Thema. Dies gab in der Bewertung den großen Ausschlag für das KIMI-Siegel. Einige Kinder kannten aber wohl Kinder mit Downsyndrom aus ihrem Schulalltag und fanden das Setting alltagsnah und überzeugend nacherzählt. Insofern meinten sie, dass sich das Buch gut zum Einstieg in die Thematik eignet. Einhellig wurde der Geschichte gute Lesbarkeit und große Spannung bescheinigt. Gespalten waren die Meinungen zu Amanda. Ihren Zwiespalt und erst recht ihren „Verrat“ an Lars konnten einige überhaupt nicht nachvollziehen. Für Diskussion war gesorgt! Für Irritation sorgte auch das Cover – warum wurde nicht das Gesicht des Jungen gezeigt

Das sagt die Erwachsenen-Jury:

Amandas Unsicherheit und Ihre Zerissenheit lässt sich beim Lesen gut nachvollziehen. Schade ist allerdings, dass viel über Lars gesprochen wird, er selbst aber nur am Rande aktiv auftritt. Dadurch wirkt die Geschichte etwas einseitig, auch wenn sie viele spannende Momente zu bieten hat. 

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