Iben Akerlie: Lars, mein Freund

übersetzt von Ina Kronenberger, 256 Seiten, dtv/Reihe Hanser, 12,95 Euro, ab 10

auch als eBook erhältlich

Vielseitigkeitsmerkmal: Menschen mit Behinderungen, Mobbing, Wertevielfalt

Kimi-Faktor:  Ein wichtiges Thema für Kinder: Mobbing. Das Buch zeigt in spielerischer  Ernsthaftigkeit  welche Konsequenzen Mobbing haben kann und wie  wichtig es  ist, füreinander einzustehen. Einer der Hauptcharaktere hat das Down- Syndrom. Er zeigt seinen Mitschülern wie toll es sein kann  das Leben aus einer anderen Perspektive  zu sehen.

Amanda liebt Adam, der in ihre Klasse geht, aber Adam liebt Amanda nicht. Und als wäre  das nicht schon peinlich genug bekommt Amanda von ihrer Lehrerin   eine ganz besondere Aufgabe zu geteilt:  Sie soll doch bitte Patin des neuen Schüler Lars werden, der das Down Syndrom hat.  Amanda ist  entsetzt über ihrer Aufgabe. Nicht weil sie Vorurteile quälen,  nicht weil  Lars ihr komisch vor kommt  und unsympathisch ist.  Nein, sie hat Angst bei ihren Mitschülern deswegen nicht mehr zu den Coolen zu gehören und aus ihrer Clique zu fliegen. Zwar hat sie eine tolle, beste Freundin, aber eben nur diese und sie sehnt sich nach der Anerkennung der großen Gruppe. Bei Lars zu Hause sind Amanda und er  beste Freunde, in der Schule jedoch ignoriert Amanda Lars.  Als  in der Klasse über Lars geredet wird, muss Amanda sich entscheiden.  Wird sie zu Ihm halten? Bleiben  Lars und Amanda  Freunde oder kommt es zu einem  Vertrauensbruch?

Das sagt die Kinder-Jury:

Die Kinder hatten bisher noch keine Bücher mit behinderten Protagonist*innen gelesen. Für alle war es der erste literarische Kontakt mit dem Thema. Dies gab in der Bewertung den großen Ausschlag für das KIMI-Siegel. Einige Kinder kannten aber wohl Kinder mit Downsyndrom aus ihrem Schulalltag und fanden das Setting alltagsnah und überzeugend nacherzählt. Insofern meinten sie, dass sich das Buch gut zum Einstieg in die Thematik eignet. Einhellig wurde der Geschichte gute Lesbarkeit und große Spannung bescheinigt. Gespalten waren die Meinungen zu Amanda. Ihren Zwiespalt und erst recht ihren „Verrat“ an Lars konnten einige überhaupt nicht nachvollziehen. Für Diskussion war gesorgt! Für Irritation sorgte auch das Cover – warum wurde nicht das Gesicht des Jungen gezeigt

Das sagt die Erwachsenen-Jury:

Amandas Unsicherheit und Ihre Zerissenheit lässt sich beim Lesen gut nachvollziehen. Schade ist allerdings, dass viel über Lars gesprochen wird, er selbst aber nur am Rande aktiv auftritt. Dadurch wirkt die Geschichte etwas einseitig, auch wenn sie viele spannende Momente zu bieten hat. 

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Lauren Wolk: Eine Insel zwischen Himmel und Meer

Posted on 9. April 2019 by Suse Eich Bauer und Sandra Niebuhr-Siebert

übersetzt von Birgitt Kollmann, 288 Seiten, dtv / Reihe Hanser, 14,95 Euro, ab 12

als eBook erhältlich

Vielfaltsmerkmale: Hilfsbereitschaft, Solidarität, Wahlfamilie, Suche nach der eigenen Identität und Herkunft, Erfahrungen von Fremdsein und von der Mehrheit ausgestoßen werden, sich selbst als nicht akzeptiert fühlen

Der Kimi-Faktor: Sensibel wird die Geschichte eines Mädchens erzählt, welches nach ihrer Identität und Herkunft sucht und dabei erkennt, was wirklich zählt: Familie, Zusammenhalt und Freundschaft.

Crow hat ihr ganzes bisheriges Leben auf einer winzigen Insel verbracht. Sie wurde, nur wenige Stunden jung, in einem lecken kleinen Boot an den Strand einer Insel, die Cape Cod in Massachusetts vorgelagert ist, angespült. Osh, ein sehr ungewöhnlicher Bewohner der Insel, hat sie gerettet. Bei ihm wächst Crow auf. Geholfen hat die couragierte und liebevolle Miss Maggie von der Nachbarinsel. Eine kleine Wahlfamilie, denn alle anderen halten sich von dem Mädchen fern. Crow hat schon früh als junges Kind gespürt, dass die Menschen auf den anderen Inseln, wenn sie ihr begegnen, in ihren Gesprächen verstummen, sie mit seltsamen Blicken anschauen und körperlich Abstand halten. Manche reinigen sogar Gegenstände, die Crow berührt, anschließend mit einem Lappen. Zunehmend wächst in Crow der Drang, zu wissen, woher sie stammt und warum man sie fortgeschickt hat und, warum sich so viele Menschen ihr gegenüber so merkwürdig benehmen. Sie beginnt nach ihrer Herkunft zu forschen. Als eines Nachts ein Feuer auf der vermeintlich menschenleeren Nachbarinsel Penikese aufscheint, steigen in Crow gestochen scharf all die unausgesprochenen Fragen nach ihrer Herkunft auf. Stück für Stück fügt sie das Puzzle ihrer Vergangenheit zusammen und begreift, was Familie wirklich bedeutet. Herzlich und gefühlvoll begleiten Leser*innen Crow bei der Suche nach sich selbst. Die Geschichte macht auf die Insel Penikese aufmerksam. Auf der Insel stand von 1905 bis 1921 ein Krankenhaus für an Lepra erkrankte Menschen (heute auch als Morbus Hansen bezeichnet). So auch Crows Eltern, die sie eigentlich Morgan nannten, was so viel bedeutet wie, die auf dem Meer Geborene. Um ihr das Schicksal der Ausgesetzten oder der Waisen zu ersparen, welches viele an Morbus Hansen Erkrankte widerfahren mussten, entschieden sich die todkranken Eltern dazu, sie direkt nach der Geburt in ein Boot zu setzen, in der Hoffnung ihr kleines Mädchen könne ein Leben ohne Ausgrenzung und Stigmatisierung leben.

Das sagt die Jugendlichen-Jury:

Die einerseits zurückhaltende und andererseits auch geheimnisvolle Covergestaltung des Titels ist auf Anhieb sehr gut angekommen. Sie deckt sich mit den Leseerlebnissen, denn auch der Erzählton des historisch verorteten Buches wurde sowohl als sehr ruhig und emotional gut nachvollziehbar, passagenweise aber auch sehr spannend beschrieben. In Crows Lebens- und Gefühlswelten konnte sich die Jugendlichen-Jury sehr gut hineinversetzen, da sie schön und detailliert beschrieben waren. Die verschiedenen Vielfaltsaspekte, wie Crows dunkler Hautton und ihre Wahlfamilie werden sehr beiläufig erwähnt und sind Thema, ohne im Fokus der Geschichte zu stehen. Schade und ein wenig störend fanden die Jugendlichen, wie oft Crow sich anhören muss, dass sie zu unerfahren für dies und zu jung für das ist – umso besser, dass sie sich durchsetzt und ihren Weg findet!

Das sagt die Erwachsenen-Jury: 

Einfühlsam und spannend erzählt Lauren Wolk die berührende Geschichte von Crow, die als Findelkind bei einem Außenseiter auf einer kleinen Insel des Elisabeth Archipels aufwächst und Ausgrenzung und Diskriminierung erfährt. Ihre Suche nach ihrer Herkunft und Identität ist auch für Erwachsene nachvollziehbar und interessant dargestellt. Mit einer Kombination aus Entwicklungsroman und Abenteuergeschichte, basierend auf historisch verbrieften Elementen der Elisabeth Inseln, die vielen Leser*innen wahrscheinlich unbekannt sind, gelingt der Autorin ein bewegender Jugendroman über ein starkes PoC-Mädchen und die Bedeutung von liebevollen Beziehungen.

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