Tine Ziegler: Spinnst du schon

illustriert von Mele Brink, erschienen bei: Edition Pastorplatz, ab 3 Jahren

Vielfaltsmerkmale:
Ermutigung zur Individuellen Entwicklung, ‘Anders sein’, Wertevielfalt, Inklusion

Der KIMI-Faktor:

In diesem Mutmachbuch lässt die Autorin eine kleine Kreuzspinne auf ganz neuen Wegen „spinnen” und schafft es dabei, den Leserinnen und Lesern auf spielerische Weise zu vermitteln, dass man nicht immer mit dem Strom schwimmen muss. Wenn man im Leben auf Herausforderungen stößt, sind oftmals kreative und alternative Lösung gefragt. Unterschiede machen unsere Gesellschaft aus. Jeder Mensch und jedes Tier ist einzigartig. Es ist wichtig, an sich selbst und aneinander glauben.

Inhalt: Spinnen spinnen. Das ist normal. Nur ein einziges Kreuzspinnenkind ist anders. Arachnida kann noch nicht spinnen. Egal was sie ausprobiert – es gelingt ihr einfach nicht. Dafür ist sie zäh und einfallsreich. Sie findet mutig ihren eigenen Weg und beeindruckt damit sogar die alte Kreuzspinne und ihre Freunde. Das Buch ist bunt und liebevoll illustriert und man entdeckt auch nach mehrmaligem Lesen immer noch hier und da ein anderes Insekt.

Jurystimmen: „
Dieses Buch ermutigt seine Leser*innen auf die Einzigartigkeit eines jeden Individuums und die Vielfalt der Möglichkeiten, die daraus resultieren zu vertrauen.“

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Julie Völk: Wenn ich in die Schule geh, siehst du was, was ich nicht seh

32 Seiten, Gerstenberg, 16,95 Euro, ab 4 Jahren

ISBN-10: 9783836956697 ISBN-13: 978-3836956697

Vielfaltmerkmale:
Geschlechterrollen, People of Color, Inklusion, vielfältige Körperformen, verschiedene Altersstufen, Armut

Der KIMI-Faktor:
Die Charaktere, die man mehr oder weniger bei ihrer Morgenroutine und auf dem Weg zur Schule sieht, sind ausgesprochen vielfältig dargestellt, es gibt People of Color, Menschen mit unterschiedlichsten Körperformen, einen Erwachsenen mit Rollator, einen mit Gehstock, ein Kind im Rollstuhl. Es gibt Menschen jeden Alters.

Inhalt:
Ein Buch ganz ohne Text: Farbenfrohe Buntstiftzeichnungen illustrieren den morgendlichen Schulweg zweier Geschwister, die unterwegs Schulkamerad*innen abholen oder treffen. Wir sehen immer wieder, wie sich die verschiedenen Kinder von ihren Eltern verabschieden und zu den anderen Kindern stoßen. Viele Häuser sind offen

und zeigen vielfältige Wohn- und Lebenssituationen: Es gibt Kinder, die in einer Fischerhütte wohnen, andere leben auf einem (idealisiert dargestellten) Bauernhof oder in einem Zirkuswagen. Ein Mensch (oder eine Meerjungfrau?) mit Rollator sitzt auf einem Plumpsklo, in einer KFZ-Werkstatt gibt es frei laufende Krokodile, im Birkenwald verstecken sich Zwerge, sogar die Litfaßsäule wird von einem Mann bewohnt. Es gibt Menschen verschiedenen Alters, arm und wohlhabend – auch ein obdachloser Mensch ist zu finden.
Kinder und Erwachsene sind vielfältig dargestellt, wir begegnen kleinen und großen, jungen und alten, dicken und dünnen Menschen verschiedener Hauttöne. Ein Kind benutzt einen Rollstuhl. Allerdings bleibt offen, wie es dieses Kind in die Schule schafft – am Eingang gibt es weder eine Rampe noch einen Fahrstuhl!


Das sagt die Kinder-Jury:
Den Kindern machte das Buch großen Spaß, sie haben auf den Seiten immer wieder etwas Neues entdeckt. Sie haben die verschiedenen Bewegungen der Kinder nachgemacht und viel erzählt über ihre eigene Morgenroutine, Berufe der Eltern usw. Es gab einige Situationen, mit denen sie sich in dem Buch identifizieren konnten.

Das sagt die Erwachsenen-Jury:
Im Buch wird Vielfalt auf beiläufige Art und Weise positiv dargestellt.
Noch schöner wäre es gewesen, wenn weitere Behinderungsformen gezeigt würden und Barrierefreiheit mitgedacht worden wäre. Außerdem fehlen veilfältige Familienkonzepte.

Corinna Fuchs: Die Bunte Bande – Das gestohlene Fahrrad

illustriert von Uli Velte & Igor Dolinger, 60 Seiten, Carlsen, 24 Euro, ab 7 Jahren

ISBN-10: 355106699X ISBN-13: 978-3551066992

Vielfaltmerkmale:
Inklusion, Charakter of Color, Armut, Brailleschrift, Leichte Sprache

Der KIMI-Faktor:
Das Buch versucht keine Leser*innen auszuschließen und richtet sich an eine weit gefächerte Zielgruppe: Die Geschichte kann in Alltagssprache, in Leichter Sprache und in Brailleschrift gelesen werden.
Die Handlung ist leicht zu verstehen – auch wenn wenig Deutschkenntnisse bestehen: Eine Freundschaftsgeschichte, in der zusammen für einen Freund eingestanden wird.
Die Charaktere sind recht vielfältig: Es gibt einen schwarzen Protagonisten und einen im Rollstuhl.
Zudem wird das Thema Armut aufgegriffen.

Inhalt:
Eigentlich wollten die Freund*innen der Bunten Bande die Räume des Jugendzentrums ihres Stadtteils bunt bemalen. Ben, der auch oft ins Jugendzentrum kommt, soll mitmachen, weil er besonders gut zeichnen kann. Aber plötzlich lässt er sich nicht mehr sehen. Henry, Tessa, Leo, Tom und Jule wundern sich. Als sie erfahren, dass Bens Fahrrad geklaut wurde und seine Familie kein Geld für ein neues hat, fassen sie einen

Plan: Sie wollen Ben mit vereinten Kräften helfen. Zum Sommerfest des Jugendzentrums nutzen sie ihre Talente und bekommen schließlich tatsächlich genügend Geld zusammen, um Ben ein gebrauchtes Fahrrad im Internet ersteigern zu können.
Das Fahrrad wird noch gemeinsam verschönert – mit Aufklebern, Fahrradkorb und Hupe. Ben kann sein Glück kaum fassen – und so sind die Freund*innen wieder vereint und können weiter die Wände des Jugendzentrums bemalen.

Das Buch versammelt drei verschiedene Lesearten: Alltagssprache, Leichte Sprache und Brailleschrift. Darüber hinaus berücksichtigt die Gestaltung des Buches in Schriftgröße, Farbgebung und Illustrationen die unterschiedlichen Bedürfnisse, Kommunikationsmöglichkeiten und Lesekompetenzen von Kindern mit Lernschwierigkeiten, Sehbehinderung oder mit geringen Deutschkenntnissen. 

Das sagt die Kinder-Jury:
So ein Buch hatten die Kinder noch nicht gesehen! Dreimal die gleiche Geschichte anders erzählt, das sorgte anfangs bei einigen Kindern für Irritation – stieß dann aber direkt auch auf großes Interesse und weckte Redebedarf. Der Geschichtenverlauf, die Unterschiede im erzählten Text und in der Gestaltung wurden neugierig untersucht. In der Jury waren nur sehende Kinder, die zum Teil sogar zum allerersten Mal mit Brailleschrift in Kontakt kamen – eine Einschätzung auf dieser Ebene war nicht möglich. Auch waren nur wenige Kinder mit eingeschränkten Deutschkenntnissen in der Jury. Diese haben die verschiedenen Textvarianten besonders im lesenden Vergleich genutzt. Im Sinne eines Perspektivwechsels, eines sich Hineindenkens und -fühlens in ungewohnte Lebensumstände, kam der Aufbau bzw. die Dreiteilung des Buches sehr gut und auch nachhaltig bei den Kindern an. 
Die Story und die Illustrationen wurden als “Schulbuchgeschichte” bezeichnet und eines fiel auf: “Ganz schön wenig Mädchen gibt es da.”

Das sagt die Erwachsenen-Jury:
Das Buch hat eine großartige Vorbildfunktion als inklusives Kinderbuch. Durch die besondere Konstruktion des Buches kann es gleichzeitig von sehenden Kindern in Alltagssprache und Leichter Sprache, als auch von blinden Kindern in Brailleschrift gelesen werden. Durch die Integration all dieser Sprachen (sowie die dazugehörigen Erklärungen) ermöglicht es Eltern und Pädagog*innen, über Vielfalt von Kindern und ihre unterschiedlichen Zugänge zur Welt der Geschichten ins Gespräch zu kommen.
Die Vielfalt von Kindern spiegelt sich auch in der Zusammensetzung der „Bunten Bande“ wider – hier gibt es dann doch auch einige Klischees: Natürlich ist der schwarze Charakter musikalisch und das Mädchen kann prima Schminken.
Insgesamt wirkt die Geschichte vom pädagogischen Willen geprägt und könnte etwas mehr Tiefgang und Spannung vertragen.
Zusammenfassend muss klar gesagt werden: Das Buch funktioniert! Bitte mehr Bücher in diesem Format.  

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