Melanie Gerber: Im Himmel gibt es Luftballons

illustriert von Karen Lee Vendringer, erschienen bei Baeschlin, ab 8 Jahren

Vielfaltskriterien: Coping, Tod eines Geschwisters, Trauer, Familienkonstellation, Alleinerziehende

KIMI-Faktor: Ein feinfühlig geschriebenes Buch über mögliche Formen es Trauerns.

Inhalt: Nora lebt mit ihrer Mutter allein. Sie sind zu zweit, seit Mia, ihre große Schwester, gestorben ist. Die zwei arrangieren sich eigentlich ziemlich gut bis Nora vor verschlossener Tür steht. Ihre Mutter musste länger arbeiten und Nora hat (noch) keinen Schlüssel. Zum Glück trifft sie ihren Nachbarn. Der alte Mann ist einsam, seitdem seine Frau gestorben ist. Nora und ihr Nachbar freunden sich an und machen sich auf die Suche nach Antworten auf den Sinn des Lebens und die richtigen Weisen zu trauern.

Jurystimme: „In einfacher und verständlicher Sprache werden die Themen Tod und Trauer thematisiert.“

Interview zum Buch „Im Himmel gibt es Luftballons“ mit Melanie Gerber und Prof. Dr. Sandra Niebuhr-Siebert

Karen Foxlee: Alles, was wir träumten

erschienen bei Beltz & Gelberg, ab 11 Jahren

Vielfaltskriterien: Tumorerkrankung eines Geschwisters, Geschwisterbeziehung, Familienkonstellation, Freundschaft

KIMI-Faktor: Die Geschichte erzählt in der Rückschau und aus der Ich-Perspektive eines Geschwisters die Krebserkrankung des Bruders. Das Wissen darum, dass der Vater geht und der Bruder stirbt, setzt bereits während des Lesens einen besonderen Bewältigungsprozess in Gang.

Inhalt: Lenny Spink wächst zusammen mit ihrem kleinen Bruder Davey und ihrer Mutter in einer Stadt in Amerika auf. Schon bei der Geburt ahnt ihre Mutter, dass etwas mit Davey nicht stimmt. Ob es etwas Gutes oder etwas Schlechtes ist oder irgendwas dazwischen, das wird sich erst noch zeigen müssen. Was nicht stimmt, das zeigt sich, als Davey etwa fünf Jahre alt ist: Er wächst. Mehr als andere Kinder. Auch weil Davey nun ständig neue Kleidung braucht, muss die Mutter viel arbeiten. Lennys Vater ist immer wieder verschwunden, bis er dann nicht mehr wiederkommt. Vor allem Lenny vermisst ihn. Dafür stehen sie und Davey fest zusammen. Irgendwann wird klar, was die Ursache des Wachsens ist: ein Tumor. Auf Davey warten Operationen, und Lenny muss Rücksicht nehmen. In der Schule schämt Lenny sich oft für ihren großen, ungelenken Bruder, der aber wegen seines Wesens allseits beliebt ist. Und dann fängt der Tumor nach einer Zeit der Ruhe wieder an zu wachsen …

Jurystimme: „Solche Schicksale sind ätzend. Traurig. Aber sie gehören zum Leben dazu.“

Grit Poppe: Verraten

erschienen bei Dressler, ab 14 Jahren

Vielfaltskriterien: Alltagsleben in der DDR, Heimerziehung, Familienkonstellation, Vater-Sohn-Verhältnis

KIMI-Faktor: Ein bedrückender Jugendroman über erniedrigende Methoden gegenüber politisch Verfolgten.

Inhalt: Sebastian wächst in der DDR, in Ostberlin, auf. Nachdem seine Mutter gestorben und seine Großmutter ins Altersheim gekommen ist, wird der Junge plötzlich in einem Heim untergebracht. Die Verhältnisse dort sind unwürdig und gleichen eher denen eines Gefängnisses. Sebastian versteht die Welt nicht mehr, denn er hat nichts angestellt, was eine solche Behandlung rechtfertigen würde. Ausgerechnet sein Vater, der die Familie vor Jahren verlassen hat, nimmt ihn zu sich. Einerseits ist Sebastian zutiefst dankbar, andererseits findet er keinen Zugang zu seinem „Vater“, denn dieser ist ihm fremd. Zwar ist er freundlich, aber wortkarg und verschlossen. Zudem irritiert den Jungen, dass er mit einem Leichenwagen im Heim vorfährt, denn Sebastians Vater arbeitet auf dem Städtischen Friedhof. Was Sebastian und sein Vater nicht ahnen: In dem Sarg, der im Kofferraum lagert, versteckt sich die Ausreißerin Katja als blinder Passagier. Sie ist auf der Flucht vor den Behörden, gilt als widerständig und aufrührerisch, weil es ihr gelungen ist, schon aus mehreren Heimen zu fliehen. Nun droht ihr der Jugendwerkhof in Torgau. Als Sebastian sie in seinem neuen Zuhause bei seinem Vater entdeckt, bietet er ihr Unterschlupf an. Katja versteckt sich für einige Wochen auf dem Dachboden. In dieser Zeit gerät Sebastian massiv in die Klemme. In der Schule wird er von einem Stasi-Mitarbeiter, Herrn Möller, als inoffizieller Mitarbeiter angeheuert und erhält den Auftrag, seinen Vater zu bespitzeln, denn dieser gilt – wie der Protagonist nun erfährt – als Staatsfeind der DDR.

Jurystimme: „Ein beklemmendes Stück DDR-Geschichte.“