Jason Reynolds: Patina. Was ich liebe und was ich hasse

übersetzt von Anja Hansen-Schmidt, 256 Seiten, dtv/Reihe Hanser, 14,95 Euro, ab 12

als eBook (dtv/Reihe Hanser) und Hörbuch (Hörcompany) erhältlich

Vielfaltmerkmale: People of Color, soziale Benachteiligung

Der KIMI-Faktor: Die Hauptfigur der spannend erzählten Coming-of-Age-Geschichte ist ein heranwachsendes Schwarzes Mädchen, das früh Verantwortung für seine Familie übernehmen muss. Patinas Ängste und Sorgen stehen dabei beispielhaft für die Unsicherheiten sozial benachteiligter Jugendlicher und People of Color.

Patina rennt. Sie rennt für ihre Mutter, die durch eine Diabeteserkrankung beide Beine verlor. Nicht der erste Schicksalsschlag, den Patina erleben musste. Zuvor verstarb bereits ihr Vater und da ihre Mutter sich nun auch nicht mehr um die beiden Töchter kümmern kann, leben Patina und ihre kleine Schwester bei ihrem Onkel und ihrer Tante. Diese geben ihnen ein liebevolles Zuhause und ihre Mutter besuchen sie regelmäßig. Dennoch fällt es Patty schwer, die Verantwortung für ihre kleine Schwester abzugeben. Auch in der neuen Schule fühlt sie sich fremd und bleibt auf sich gestellt. Nur in ihrem Laufteam fühlt sie sich wohl. Durch ihren großen Ehrgeiz steht sie sich jedoch auch hier im Weg und vergisst dabei sogar ihre Mannschaft. Ihr Trainer bringt sie schließlich dazu, am Staffellauf teilzunehmen – eine Sportart, bei der man sich auf andere verlassen muss.

Das sagt die Jugendlichen-Jury:

: Dass die jugendlichen Protagonist*innen krasse Schicksäle erfahren, war ein erstes Fazit aus der Jugendjury. Die einschneidenden Erfahrungen von Patina und Ghost berührten und ihre Geschichten wurden von den Jugendlichen gerne verfolgt. Es fiel ihnen nicht schwer, mit den beiden Protagonisten mitzufühlen. Trotz der vielen schweren Themen, die beide Bücher enthalten, empfanden die Jugendlichen Reynolds‘ Schreibstil als einfach und gut besbar. Die Schicksale von Ghost und Patina über den Laufsport zu verbinden ist ungewöhnlich. Es bleibt spannend, welche Geschichten sich hinter den anderen beiden neuen Mannschaftsmitgliedern verbergen. Auch von außen überzeugte Jason Reynolds‘ Reihe die Jugendjury: Eine coole Covergestaltung, die super zum Inhalt passt.

Das sagt die Erwachsenen-Jury:

Die ersten beiden Bände dieser vierteiligen Reihe überzeugen durch die flotte Sprache und die vielschichtigen Porträts der Charaktere. Reynolds gelingt es, authentisch die Perspektive Schwarzer Jugendlicher aus der den USA wiederzugeben, die alle in mehr oder weniger ärmlichen Verhältnissen leben. Anschaulich vermittelt das Buch ihre Sorgen und Kämpfe, aber auch ihre Hoffnungen. Spannend und mit einer Prise Humor erzählen die beiden Bände auch von Widerstandsgeist und der Kraft der Solidarität. Patinas Geschichte zeigt den Leser*innen, dass es sich lohnt, Vorurteilen und Klischees zu misstrauen. Freundschaften können unerwartet über ethnische und soziale Trennlinien hinweg entstehen – und dann wird die „blonde Langhaarzicke“ zur überraschenden Mitstreiterin…

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Jason Reynolds: Ghost. Jede Menge Leben

übersetzt von Anja Hansen-Schmidt, 224 Seiten, dtv/Reihe Hanser, 14,95 Euro, ab 12

als eBook (dtv/Reihe Hanser) und Hörbuch (Hörcompany) erhältlich

Ghost ist schnell. Das rettete ihm in seiner Kindheit das Leben, als er vor seinem Vater davonrannte, der ihn und seine Mutter erschießen wollte. Der Gedanke, Laufsport zu betreiben, kam ihm nie in den Sinn. Zufällig gerät er jedoch in die Aufnahmeprüfung einer Laufmannschaft und der Trainer überzeugt ihn, dem Team beizutreten. Bis dahin war Ghosts Leben vor allem eins: schwierig. Seine Mutter und er haben wenig Geld, in der Schule wird er wegen seiner Klamotten ausgelacht und er reagiert darauf, indem er Mist baut. Durch den Einfluss des Trainers verändert sich Ghosts ganzes Leben und das Laufen beginnt ihm zu gefallen. Überraschenderweise findet er Halt bei den anderen neuen Mitgliedern der Mannschaft. Lu, Patty, Sunny und Ghost unterstützen sich gegenseitig und schon bald steht der erste Wettkampf an. Ghost geht in seinem neuen Mannschaftstrikot an die Startlinie, seine Mutter sitzt stolz im Publikum und Ghost möchte jetzt nur noch eins: Gewinnen!

Das sagt die Jugendlichen-Jury:

Dass die jugendlichen Protagonist*innen krasse Schicksäle erfahren, war ein erstes Fazit aus der Jugendjury. Die einschneidenden Erfahrungen von Patina und Ghost berührten und ihre Geschichten wurden von den Jugendlichen gerne verfolgt. Es fiel ihnen nicht schwer, mit den beiden Protagonisten mitzufühlen. Trotz der vielen schweren Themen, die beide Bücher enthalten, empfanden die Jugendlichen Reynolds’ Schreibstil als einfach und gut zu lesen. Die Schicksäle von Ghost und Patina über den Laufsport zu verbinden ist ungewöhnlich. Es bleibt spannend, welche Geschichten sich hinter den anderen beiden neuen Mannschaftsmitgliedern verbergen. Auch von außen überzeugte Jason Reynolds’ Reihe die Jugendjury: Eine coole Covergestaltung, die super zum Inhalt passt.

Das sagt die Erwachsenen-Jury:

Die ersten beiden Bände dieser Trilogie überzeugen durch die flotte Sprache und die vielschichtigen Porträts der Charaktere. Reynolds gelingt es, authentisch die Perspektive Schwarzer Jugendlicher aus der den USA wiederzugeben, die alle in mehr oder weniger ärmlichen Verhältnissen leben. Anschaulich vermittelt das Buch ihre Sorgen und Kämpfe, aber auch ihre Hoffnungen. Spannend und mit einer Prise Humor erzählen die beiden Bände auch von Widerstandsgeist und der Kraft der Solidarität.

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Melba Escobar de Nogales: Das Glück ist ein Fisch. Eine Erzählung aus Kolumbien

illustriert von Elizabeth Builes, übersetzt von Jochen Weber, 112 Seiten, Baobab Books, 15,90 Euro, ab 9

Den Urlaub hatte sich Pedro aber ganz anders vorgestellt! Dabei hatte er sich so auf das Meer gefreut. Und nun erfährt er von seiner Mutter, kaum auf der Insel angekommen, dass seine Eltern ihn angelogen haben: der Vater ist nicht wegen seiner Arbeit nicht mitgeflogen, sondern weil sich seine Eltern getrennt haben. Zutiefst verzweifelt läuft Pedro weg, ans Meer. Nachts wird er von einem alten Schwarzen aufgelesen, einem Außenseiter, der weit weg von den Inselbewohner*innen mit einer äußerst redseligen Papageiendame in einer selbstgebauten Hütte lebt. Wie kommt es, dass der alte Mann Jonny Tay heißt, genauso wie der berühmte Seeräuber? Was ist Fantasie? Was Wirklichkeit? Zum Einschlafen erzählt die Papageiendame Pedro Geschichten von Piraten und sagenhaften Schätzen. Am nächsten Morgen nimmt ihn Jonny Tay mit hinaus aufs Meer und zeigt ihm die faszinierende Unterwasserwelt der Karibik. Pedro fängt seinen ersten Fisch und lernt, dass er stark genug ist, mit der Trennung seiner Eltern klar zu kommen. Und als ihn seine Mutter schließlich nach tagelangem verzweifeltem Suchen findet, ist die Welt vielleicht nicht wieder völlig in Ordnung, aber Pedro kann die veränderte Familiensituation akzeptieren. 

Das sagt die Kinder-Jury:

Eine Geschichte aus Kolumbien mit einem Protagonisten, der auf Mangobäume klettert und Brotfrucht isst. Eine Welt, die weit weg erscheint und trotzdem können sich viele Kinder leicht mit Pedro und seiner Gefühlswelt, wie der Wut über die Trennung der Eltern, identifizieren. Ein Thema, das die Kinder besonders beschäftigte, waren die Vorurteile, welche die Inselbewohner gegen Johnny Tay äußerten und die sich schließlich nicht bewahrheiteten. Begeistert war die Jury auch von der Gestaltung des Buches und den zarten Illustrationen von Elizabeth Buile, die oftmals ganze Seiten im Buch einnehmen und von der Jury als ausgesprochen schön und besonders empfunden wurden. 

Das sagt die Erwachsenen-Jury: 

Anschaulich wird geschildert, welche Gefühle die Trennung der Eltern bei Pedro auslöst, eine Krisensituation, die einige Kinder und Jugendliche erlebt haben. Rettung wird ihm zuteil durch den Schwarzen Außenseiter Jonny Tay. Diese Konstruktion ist ein beliebtes Stilmittel in der weißen US-amerikanischen Literatur und hat ihren Ursprung in der Verklärung der Sklaverei, wo weiße Sklavenhalter Schwarze gezwungen haben, sich um die weißen Kinder zu kümmern. Dadurch erhält die Geschichte einen negativen Beigeschmack.

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