Luzie Loda: PS: Es gibt Lieblingseis

44 Seiten, Marta Press, 16 Euro

Vielfaltmerkmale: Intersexualität, Freundschaft

Der KIMI-Faktor: Das Buch sensibilisiert für Intersexualität sowie Geschlechtsstereotype und macht geschlechtliche Vielfalt sichtbar. Es zeigt behutsam Facetten der alltäglichen Diskriminierung der dualen Geschlechterpraxis.

Bella erlebt ihre Einschulung und die ersten Wochen dieses neuen Lebensabschnittes mit Höhen und Tiefen. Bella ist intergeschlechtlich, das heißt, Bella hat „sowohl etwas von einem Mädchen als auch von einem Jungen.“ Die Kinder in Bellas Klasse demonstrieren, als sie im Sportunterricht den Sportarten geschlechterstereotyp zugewiesen werden. Seitdem kann jedes Kind die Sportart wählen, die es am liebsten mag. Bella weiß nicht, auf welche Toilette er in der Schule gehen soll und ist sehr traurig. Die liebevollen Eltern machen sich auch Sorgen. Dieses Problem von vielen intergeschlechtlichen Kindern ist sehr realistisch dargestellt und wird von der Autorin auch nicht aufgelöst. Bella hat jedoch einen tollen Papa, der in der Klasse spannende Fragen zum Thema Verschiedenheiten und Gemeinsamkeiten der Kinder stellt. Und Bella freut sich riesig über eine Einladung zu einer Geburtstagsfeier von einem neuen Freund.

Das sagt die Kinder-Jury:

Einige Kinder haben aufmerksam und konzentriert zugehört, andere fanden den Text zu lang und vermissten mehr und größere Bilder. In den Gesprächen mit den Kindern wurde deutlich, dass sie die Thematik des Buches, die Intergeschlechtlichkeit, nicht auf Anhieb verstanden haben. Denn bis dahin hatte keines der Kinder bewussten Kontakt mit intergeschlechtlichen Menschen. Insbesondere deshalb ist dieses Buch so wichtig. Für die pädagogische Arbeit ist zudem die Handreichung von QEERFORMAT sehr hilfreich. Denn QUEERFORMAT hat in Zusammenarbeit mit Ev-Blaine Matthigack von der Internationalen Vereinigung Intergeschlechtlicher Menschen – OII Germany e. V. eine Unterrichtshandreichung zum Thema Intergeschlechtlichkeit für die Grundschule erstellt, die sich auf dieses Buch bezieht. Diese Handreichung kann online hier abgerufen werden.

Das sagt die Erwachsenen-Jury:

Das Buch ‚PS: es gibt Lieblingseis‘ ist sehr gut geeignet, um mit jüngeren Kindern über das Thema Intergeschlechtlichkeit zu sprechen. Darüber hinaus streift es andere Themen, wie die Einschulung, beginnende Freund*innenschaften in einem neuen Umfeld und die Zusammenarbeit von Eltern mit Bildungseinrichtungen. ‚PS: es gibt Lieblingseis‘ hat ein Vorwort von Lucie Veith von Intersexuelle Menschen e.V. sowie Anregungen, um mit Kindern über das Buch und Intergeschlechlichkeit zu sprechen von der Berliner Bildungsintiative QUEERFORMAT.

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Kerascoët : Mein Weg mit Vanessa

40 Seiten, Aladin, 14,95 Euro, ab 3 Jahren

Vielfaltmerkmale:
Mobbing, Hauttöne, People of Color

Der KIMI-Faktor:
Ein wichtiges Thema für Kinder: Mobbing. Das Buch zeigt in spielerischer Ernsthaftigkeit, wie man gegen Mobbing aktiv werden kann – und dass es wichtig ist, füreinander einzustehen.
Die beiden Hauptcharaktere sind Mädchen of Color – das gibt es selten. Die restlichen Kinder im Buch haben vielfältige Hauttöne und die Lehrerin ist schwarz.

Inhalt:
Neuanfänge sind nicht immer leicht. Das erlebt auch Vanessa, die nach einem Umzug neu in die Schulklasse kommt. Keine*r ihrer Mitschüler*innen kümmert sich um sie. In der Turnhalle sitzt sie weit entfernt von der Basketball spielenden Kindergruppe. Und auch ihren Heimweg tritt sie allein an. Unterwegs wird ein Junge gemein zu ihr und Vanessa läuft weinend nach Hause.

Aber ein Mädchen hat den Vorfall beobachtet und fühlt sichtlich mit Vanessa. Sie erzählt anderen Kindern davon – und alle sind betroffen. Den ganzen restlichen Tag denkt das Mädchen darüber nach, was sie tun könnte. Beide Mädchen finden diese Nacht kaum Schlaf. Morgens hat das Mädchen die rettende Idee: Sie holt die Vanessa Zuhause ab. Gemeinsam gehen sie zur Schule. Unterwegs stoßen immer mehr Kinder zu ihnen, der Übeltäter steht beschämt mit rotem Kopf am Rand der immer größer werdenden Kindermenge – und schließlich ist das neue Mädchen in die Gemeinschaft aufgenommen.

Ganz ohne Worte wird erzählt, wie Kinder gegen Mobbing einschreiten. Außer dem Mädchen Vanessa, das neu in die Schule kommt, hat keines der Kinder einen Namen.

Das sagt die Kinder-Jury:
Aufmerksam haben die Kinder das Buch angeguckt. Sie fragen nach, weshalb das Mädchen allein nach Hause geht, während die anderen Kinder als Gruppe gehen. Die Mobbingsituation hat sie empört: „Das ist nicht nett, dass er gemein zu dem Mädchen ist!“.
Das Buch eignete sich sehr gut, um das Thema Mobbing zu besprechen. Dass es keinen Text gibt, lässt viel Raum für eigene Interpretationen und Erlebnisberichte der Kinder.

Das sagt die Erwachsenen-Jury:
Eindringlich zeigen die Autor*innen, wie man Mobbing begegnen kann: Angefangen bei der Ausgrenzung und der Verletztheit des Mädchens, über die Betroffenheit der Beobachterin bis hin zur gelungenen Intervention. Die dargestellten Kinder sind vielfältig in Bezug auf Hauttöne und Körperformen, die beiden Hauptpersonen – Vanessa und das beobachtende Mädchen – sind People of Color. Wirklich selten in Kinderbüchern: Eine schwarze Heldin, die als einzige einen Namen hat.
Begleitmaterial zum Umgang mit Mobbing und Ungerechtigkeit auf der letzten Seite rundet das Buch ab.

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John Kilaka: Schneller Hase – Ein Bilderbuch aus Tansania

übersetzt von Maja Ruef, 36 Seiten, Baobab Books, 16,50 Euro, ab 5 Jahren

Vielfaltmerkmale:
Machtkritik, Gerechtigkeit

Der KIMI-Faktor:
In diesem Buch entscheidet die Mehrheit zunächst, dass ein*e Einzelne*r für das Überleben der Vielen geopfert werden soll. Die Geschichte geht dieses Thema machtrikitisch an und zeigt, dass es immer noch andere Lösungen gibt – und Zusammenhalt und gemeinsame Ideen am erfolgreichsten sind.

Inhalt:
„Vor langer Zeit lebten die Tiere im Wald friedlich zusammen. Außer Löwe, der sich mit Vorliebe ins Unterholz zurückzog, und Krokodil, das sich gern im Fluss versteckte“. So beginnt das vierte Kinderbuch des tansanischen

Autors John Kilaka. Doch dann setzt eine Trockenheit ein, die Tiere drohen zu verdursten. Auf der Suche nach Wasser kommen sie zum Fluss, doch das Krokodil will das lebensnotwendige Wasser nur im Tausch gegen ein Tier als Opfergabe teilen. Unter den Tieren entbrennt ein heftiger Streit, welches der Tiere sich opfern soll. Die großen Tiere setzen sich gegen die kleinen Tiere durch und bestimmen den Hasen als Opfer. Dem schlauen und flinken Hasen gelingt die Flucht in eine Höhle, in die sich bald auch Büffel auf der Flucht vor dem hungrigen Löwen rettet. Um den Büffel zu retten, treiben die anderen Tiere unwissentlich den Löwen genau in die Höhle, in der bereits Hase und Büffel sitzen. Als die Tiere draußen Feuer vor der Höhle legen, um den Löwen zu töten, sind „Starke“ und „Schwache“ nun gleichermaßen bedroht. Hase hat die rettende Idee, die alle drei befreit, Wasser gibt es aber immer noch nicht. Auf der anschließenden Versammlung der Tiere weist Hase erfolgreich darauf hin, wie notwendig es ist, zusammenzuhalten. Und er findet eine Lösung, wie die Tiere an Wasser gelangen können, ohne dass eine*r von ihnen zu Schaden kommt: Mit vereinten Kräften graben sie einen Brunnen.

Das sagt die Kinder-Jury:
Bei den Kindern kam das Buch sehr gut an, sie wollten es öfter vorgelesen bekommen und haben angeregt diskutiert. Sie fanden es ungerecht, dass der Hase geopfert werden sollte:»Das ist gemein. Der Hase möchte auch leben.« Ein anderes Kind empörte sich darüber, dass die Großen über die Kleinen bestimmen. »Das ist ungerecht. Das dürfen die nicht.«

Das sagt die Erwachsenen-Jury:
Farbenfroh im typischen Tingatinga-Stil illustriert, erzählt der tansanische Künstler John Kilaka diese Fabel über Solidarität und Machtmissbrauch. Kikalas Geschichten basieren auf den mündlichen Überlieferungen Tansanias, er ist einer der bekanntesten Bilderbuchautoren Afrikas. „Schneller Hase“ zeigt kindgerecht und ohne erhobenen Zeigefinger, dass es möglich ist, sich zu wehren, auch gegen (vermeintlich) Mächtigere, wenn die Schwächeren zusammenhalten. Ein Buch, das Mut macht, sich gegen Ungerechtigkeiten zu wehren!

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Kerstin Brichzin & Igor Kuprin: Der Junge im Rock

32 Seiten, Michael Neugebauer Edition, 14 Euro, ab 4 Jahren

Vielfaltmerkmale:
Geschlechterrollen, Mobbing

Der KIMI-Faktor:
Das Buch thematisiert Geschlechterklischees anhand von Kleidung: Jungen müssen Hosen tragen, während Mädchen Röcke und Hosen tragen dürfen? Der Held des Buches setzt sich schließlich durch und geht – trotz zwischenzeitlicher Mobbingerfahrungen – schließlich weiterhin im Rock in den Kindergarten.

Inhalt:
Felix liebt es, weite Röcke zu tragen, weil dann der Wind so schön um seine Beine streift. Während bislang kaum jemand daran Anstoß nahm, wird er nach dem Umzug in eine kleine Stadt von den anderen Kindern im Kindergarten gehänselt und ausgegrenzt. „Du siehst aus wie ein Mädchen”, sagen sie, „Jungs ziehen Hosen an und dunkle Farben!” Und lassen ihn nicht

mehr mitspielen. Felix weigert sich daraufhin, in den Kindergarten zu gehen. Sein Vater beschließt zu handeln und kauft für sich einen Rock. Gemeinsam spazieren beide durch die Stadt. Im Kindergarten erklärt der Papa einem verwunderten Kind, dass an diesem Tag alle einen Rock tragen dürfen. Felix argumentiert sehr gewitzt, dass es unfair sei, dass Mädchen Hosen und Röcke tragen dürfen, aber Jungs nur Hosen. Und dass es sich mit weiten Röcken viel besser springen und klettern lasse. Seit diesem Tag wird Felix mit dem Rock akzeptiert.

Das sagt die Kinderjury:
Die Jungen, die gern Röcke und Kleider tragen, fanden das Buch toll. Auch einige Mädchen konnten sich in Felix hineinversetzen. Für manche Kinder war irritierend, dass es wenig Überleitungen im Buch gibt. Sie konnten die für sie unvermittelten Orts- und Zeitwechsel nicht verstehen.

Das sagt die Erwachsenen-Jury:
Nicht wenige Jungen mögen wie Felix Röcke und Kleider und ecken damit an den Normalitätsvorstellungen unserer Gesellschaft an. In kurzen, treffenden Sätzen und ohne zu problematisieren widmet sich dieses Buch diesem Aspekt aus dem Alltagserleben von Jungen. Die farbenfrohen, aquarellartigen großflächigen Bilder korrespondieren mit der Leichtigkeit, die Felix beim Tragen von weiten Röcken empfindet. Die Botschaft des Buches lautet: „So wie du bist, bist du richtig, und was du anhast, ist völlig egal.“ Sie lädt dazu ein, mit Kindern ins Gespräch über Normalitätsvorstellungen nicht nur in Bezug auf Gender zu gehen.
Noch stärker wäre das Plädoyer des Buches geworden, wenn der letzte Satz nicht lauten würde: „Seit diesem Tag ist Felix der Junge mit dem Rock.“ Damit bekommt Felix einen Stempel, er wird auf diese Eigenschaft reduziert. Dabei hat er doch sicherlich noch viele andere interessante Seiten und ist vielfältig, wie jede*r von uns! Weitere Vielfaltsaspekte wie Hauttöne, körperliche Verfasstheit etc. tauchen im Buch nicht auf.

Joanne Schwartz & Sydney Smith: Stadt am Meer

übersetzt von Bernadette Ott, 52 Seiten, Aladin, 18 Euro, ab 5

Vielfaltskriterien:

Armutserfahrungen im kindlichen/familiären Alltag, Wertevielfalt, Kulturen und Herkunft erfahrbar machen (Gewohnheiten), Berufe im Zusammenhang mit Genderrollen, Gefühle aus verschiedenen Sichtweisen erfahrbar machen, Umwelt, Verhältnis zur Natur

Kimi-Faktor:

Klare, etwas düster fast schroff wirkende Bilder machen die beklemmende Erfahrung von Armut sehr gut spürbar. Das Buch wirkt, auch ohne die Geschichte vorlesen zu müssen.

Ein Junge erzählt vom Alltag seiner Familie in der Stadt am Meer. Wiederholungen bestimmen dort das Leben. Wir sehen Bilder seines Alltaglebens z.B. im Haus mit der Mutter, mit dem jüngeren Geschwisterkind, am Meer, das sich mal ruhig, mal mit weißen Kronen oder Gischt zeigt. Eine weitere Konstante stellt die Arbeit des Vaters dar, der wie bereits der Großvater im Kohlebergbau unter Tage arbeitet. Auch der Junge wird eines Tages selbst in ihre Fußstapfen treten. Der Text unterstützt die sich wiederholenden Abläufe: „Bei uns ist das nämlich so …“ oder „Wenn ich am Morgen rausgehe, dann ist das immer so – …“ Bilder und Text strahlen Ruhe, Geborgenheit und Sicherheit für den Jungen aus. Er hat Freunde, schaukelt, besucht das Grab des Großvaters, geht einkaufen.

Das sagt die Kinder-Jury:

Viele Kinder fanden die Seiten interessant, die die Arbeit im Bergwerk zeigen. Das Wort „Kohle“ kannten sie nur in der umgangssprachlichen Bedeutung von „Geld“. Jüngere Kinder fanden das Buch faszinierend „gruselig“. Deniz meinte: „Bei mir ist das auch so, meine Oma ist Schneiderin, meine Mama auch, und vielleicht werde ich auch Schneiderin!“

Das sagt die Erwachsenen-Jury:

Es gibt nicht viele Bücher über Familien der Arbeiterklasse, vor allem nicht über deren schwere körperliche Arbeit. Zwar zeigt das Buch die klassische Rollenaufteilung – die Frau ist im Haus, der Mann draußen bei der Lohnarbeit. Das lädt aber ein, über das Thema Rollen in der Familie mit den Kindern zu reden. Die überwiegend schwarzen Seiten mit den Bergarbeitern am unteren Rand laden zum Gespräch über die Arbeit der Eltern oder anderer Erwachsener ein. Auch die ähnlichen oder unterschiedlichen Tagesabläufe und Routinen in den Familien sind ein für Kinder interessantes Thema.

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Beatrice Alemagna: Ein großer Tag, an dem fast nichts passierte

übersetzt von Anja Kootz, 46 Seiten, Beltz & Gelberg, 14,95 Euro, ab 5 Jahren

Vielfaltmerkmale:
Familienkonzept, Geschlechterrollen

Der KIMI-Faktor:
Der*die Held*in des Buches ist keinem eindeutigen Geschlecht zuzuordnen – und dieses Buch beweist, dass das Geschlecht eines Charakters gar keine Rolle spielen muss bei einer überzeugenden Geschichte.
Die Mutter des Kindes ist berufstätig, muss auch im Urlaub arbeiten und hat somit keine Zeit für das Kind – eine Lebensrealität, die vielen Familien entspricht.
Das Buch lässt offen, ob die Eltern des Kindes getrennt sind – oder der Vater einfach gerade woanders ist und bietet hier vielfältige Interpretationsmöglichkeiten. Sehr sensibel wird beschrieben, wie das Kind seinen Papa vermisst – aber auch die schöne Vertrautheit zwischen Mutter und Kind am Ende des Tages.
Das Thema Unterhaltungselektronik wird aufgegriffen – der Zwiespalt zwischen Erwachsenen und Kindern, wenn die Erwachsenen dem Kind Spielekonsole, Handy o.ä. verbieten, aber selbst am Computer sitzen. Und was Schönes passieren kann, wenn die Spielekonsole plötzlich verloren geht und die Augen sich für die Natur öffnen.

Inhalt:
Ist es nicht furchtbar langweilig, wenn man in den Ferien ist und es den ganzen Tag regnet? Papa ist nicht da und Mama arbeitet die ganze Zeit am Computer. Was bleibt dem Kind da anderes übrig, als auf der Mini-Spielekonsole Marsmännchen zu töten? Obwohl die Mutter selbst am Computer sitzt, möchte sie nicht, dass das Kind stundenlang vor dem Gerät sitzt und nimmt ihr das Spiel weg. Heimlich holt sich das Kind die Konsole zurück und verschwindet nach Draußen. Am Teich passiert es dann:

Die Konsole landet unwiederbringlich im Wasser! Und fast wie von selbst öffnen sich dem Kind die Schätze der Natur: es wühlt in der Erde und spürt Körnchen und Wurzeln, es trinkt den Regen, führt Fantasie-Gespräche mit Schnecken, sammelt bunte Steine, erlebt kleine Abenteuer und kehrt schließlich patschnass ins Haus zurück. Bei einer heißen Tasse Schokolade sehen wir das Kind und die Mama beieinander sitzen. „Es brauchte nur das. Sonst nichts. An diesem magischen, unglaublichen Tag voller Nichts.“
Auf großflächigen Bildern begleiten wir das Kind auf seiner Entdeckungsreise durch den Wald. Seine leuchtend orange Jacke sticht deutlich aus den erdigen Tönen der Natur hervor. Ganz nah kommen wir dabei dem Kind in seinem sinnlichen Naturerleben, das die Geschichte als Ich-Erzähler*in mit uns teilt. Und auch wir lernen dabei, dass es nur den genauen Blick braucht, um die interessanten Dinge zu entdecken, die uns umgeben

Das sagt die Kinder-Jury:
Vielen Kindern hat das Buch sehr gut gefallen, für sie waren Bilder und Text sehr sprachanregend. Sie hatten viele Ideen, was das Kind machen könnte, nachdem die Spielekonsole ins Wasser gefallen ist. Andere Kinder haben nur schwer Zugang zum Buch gefunden und fragten, wo der Vater sei – waren aber an den Bildern interessiert.

Das sagt die Erwachsenen-Jury:
Das Buch ist optisch anregend durch das Farbenspiel: Kind in knalligem Orange und Umgebung in Erdtönen. Der Titel lässt Fragen im Kopf entstehen “Warum sollte man ein Buch über einen Tag machen, an dem fast nichts passierte”? Man bekommt Lust, zu erfahren, was das soll.
Ganz nebenbei kann man das Thema Trennung der Eltern erahnen – und den Schmerz des Kindes darüber, dass der Vater nicht da ist.
Auch nicht selbstverständlich in vielen Bilderbüchern: Die Mutter ist berufstätig und muss auch im Urlaub am Computer arbeiten. Das entspricht gerade in Ein-Elter-Familien oft der Lebensrealität.
Nicht viele Kinderbücher haben Held*innen, die eine Brille tragen. Auch ist das Kind von seinem Äußeren her und im Dialog mit der Mutter keinem Geschlecht zu zuordnen.
Das Buch erzählt eine stimmige und überzeugende Geschichte, in der verschiedene, durchaus schmerzhafte Kindeserfahrungen eingewoben wurden: Vermissen eines Elternteils und das Erleben, dass der anwesende Elternteil keine Zeit hat und arbeiten muss, obwohl man zusammen in den Ferien ist.

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Constanze von Kitzing: Unsere große bunte Welt

36 Seiten, Carlsen, 10 Euro, ab 2 Jahren

Vielfaltmerkmale:
People of Color

Der KIMI-Faktor:
Das Buch zeigt Alltagssituationen, mit denen sich viele Kinder identifizieren können. Die Darstellung der Charaktere ist dabei divers bezogen auf Hautfarben: Auf einer Doppelseite gibt eine schwarze Familie, in Gruppensituationen gibt es oft Kinder mit unterschiedlichen Hauttönen.

Inhalt:
Das Buch besteht aus einer Sammlung von Alltagssituationen ohne zusammenhängende Geschichte und ist eher als Sachbuch zu sehen.
Es geht ums Vorlesen, Waschen, Kochen und vieles mehr – alltägliche Momente, die Kinder kennen und in denen sie sich selbst wiederfinden können.

Meistens besteht eine Doppelseite aus einer Alltagssituation und zeigt außerdem dazu passende Gegenstände: Zum Beispiel beim Thema Waschen finden die Betrachter*innen einen Föhn, eine Haarbürste, ein Waschbecken usw.
Jede Doppelseite regt dazu an, mit den Kindern über ihre eigenen Erfahrungen zu sprechen und sich auszutauschen.
Auf der letzten Doppelseite steht eine Kindergruppe mit einigen Vielfaltmerkmalen Arm in Arm: “Wir sind Freunde und halten zusammen.”

Das sagt die Kinder-Jury:
Einige Kinder hatten beim Betrachten des Buches viel zu erzählen, weil sie mit eigenen Erfahrungen andocken konnten. Auch um neue Wörter zu lernen ist das Buch gut geeignet. Die letzte Seite, auf der viele unterschiedliche Kinder abgebildet sind, fand großen Anklang.

Das sagt die Erwachsenen-Jury:
Die Bilder regen zum Erzählen an, denn die meisten Situationen sind aus dem Alltag der Kinder gewählt. Die Figuren sind unterschiedlich divers. Auf einigen Seiten haben Kinder unterschiedliche Hauttöne und Augenfarben und sind unterschiedlich alt.
Leider hält die Autorin den Aspekt der Vielfalt nicht im ganzen Buch durch: Auf einigen Seiten, auf denen Gruppenaktivitäten zu sehen sind, finden sich ausschließlich weiße Menschen. Außerdem fehlen Vielfaltsmerkmale wie Behinderung oder diverse Familienformen ganz.
Es gibt kaum Darstellungen von Kindern oder Erwachsenen, die genderneutral sind: Die meisten Mädchen haben lange Haare oder typisch mädchenhafte Kleidung – so wie die meisten Jungen kurze Haare und typische Jungenkleidung tragen.
Es gibt keine männlichen Erwachsenen – gerade bei der Kita-Doppelseite hätte ein Erzieher gut getan.

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