Dirk Reinhardt: Über die Berge und über das Meer

erschienen bei: Gerstenberg, ab 12 Jahren

Vielfaltsmerkmale:

Menschen mit Fluchterfahrungen, People of Color, Kulturen und Herkunft erfahrbar machen, Geschlecht, Geschlechterrollen, vielfältige Gender-Identitäten (LGBTIQ), sexuelle Orientierung, Geschlechterzuschreibungen, Gefühle aus verschiedenen Sichtweisen erfahrbar machen

Der KIMI-Faktor:
Ein wichtiges Thema in unsere Gesellschaft ist die Flüchtlingssituation, das immer wieder auf verhärtete Fronten stößt. Doch Flüchtlinge, die ihr Land aus bedrohlichen Situationen verlassen müssen, haben es ganz und gar nicht einfach, denn der Weg in sichere Länder ist oft schwer und anstrengend. Das Buch zieht uns in zwei Flucht-Situationen hinein. Beide Hauptfiguren kommen aus unterschiedlichen Kulturen.

Inhalt: Soraya wächst in der strengen Ordnung eines afghanischen Dorfes auf, allerdings in ihren ersten Lebensjahren als Junge, weil sie als siebtes Mädchen geboren wurde. So konnte sie sich frei bewegen und zur Schule gehen. Jedes Jahr im Frühling kommen die Nomaden und Tarek auf ihren Weg ins Sommerlager an Sorayas Dorf vorbei. Tarek wächst in der strengen Ordnung afghanischer Nomaden auf. Doch dieses Jahr wartete Soraya vergeblich auf den wunderbaren Geschichtenerzähler Tarek. Als die Taliban erfahren, dass sich Soraya als Junge ausgegeben hat, bedrohen diese sie und ihre Familie. Zur gleichen Zeit bedrohen sie auch Tarek und dessen Familie, weil sie erfahren haben, dass Tarek ein hervorragender Spurenleser ist und sie wollen, dass er für sie arbeitet. Tarek und Soraya sehen keinen anderen Ausweg: Unabhängig voneinander machen sie sich auf in die Fremde. In den Bergen treffen sie unverhofft aufeinander.

Jurystimme: „Dieses Buch ist eine Hommage an die Menschlichkeit.“

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Lara Schützsack: Sonne, Moon und Stern

erschienen bei: Fischer Sauerländer, ab 10 Jahren

Vielfaltskriterien:

Familienkonstellation, Trennung, psychische Erkrankung, Pubertät, erste Liebe

KIMI-Faktor:

Die Geschichte erzählt lakonisch, unsentimental von den Gefühlen eines Teenagers, dessen Familie gerade zerbricht und dessen Herz lernt, sich zu verlieben.

Inhalt: Gustav ist 11 Jahre alt und hat es schwer. Die Pubertisten-Schwestern nerven ohne Ende, hören Musik, motzen rum und alles dreht sich nur um Jungs. Gustav selber hat gerade einen merkwürdigen Vorgang an ihrer Brust entdeckt. Zwei kleine Erbsen haben sich da gebildet. Ist das Brustkrebs? Die Eltern Iris und Erik brauchen Distanz. Iris fährt erst einmal eine Woche mit ihrer Freundin nach Mallorca, Erik kümmert sich sowieso um Haushalt und Kinder. Iris verdient das Geld und hat die Hosen an, Erik versauert am Schreibtisch und macht irgendwie gar nix. Nun fällt auch noch der geplante rituelle Campingurlaub in Dänemark aus. Und heiß ist es auch. Gustav nimmt Sand, ihre Hündin, und geht raus. Mit dem Hund darf sie zwar nicht ins Freibad, aber sie treibt sich davor ein bisschen herum. Da sieht sie Moon, den Neuen aus ihrer Klasse, ein spezieller Typ mit Glitzerleggins und toller Zahnlücke, Flaschen sammeln. Sie findet ihn irgendwie spannend und geht jetzt öfter zum Freibad. Moon und Gustav verstehen sich gut, gehen zusammen einkaufen (Moon ist bekannt als Pfandeinlöser mit manchmal zu wenig Geld) und auch zu Moon nach Hause. Seine Mutter heißt Yella und Gustav mag sie gleich. Sie hat „Stimmungen“, weshalb Moon sich sehr um sie kümmern muss. Offenbar Depressionen, die sie oft ans Bett binden. Eigentlich studiert sie noch, sie ist eine elfenhafte, zauberhafte Erscheinung. Zuhause ist immer schlechtere Stimmung, der Vater wird immer mumienhafter, möglicherweise auch depressiv. Er kocht nicht mehr. Die Schwestern plagen sich mit Sommerakne, nölen weiterhin nur rum. Aber dann gibt es ein Projekt: Gustavs zwölfter Geburtstag wird als große Party geplant. Die Mutter ist noch immer auf Malle und der Vater fährt zum Festival. Er hat einen alten Freund, den Plattenladen-Robert und die Musik wiederentdeckt. Ganz viele Leute werden eingeladen, es wird laute Musik gespielt, Alk getrunken und geknutscht, und Gustav kann nicht in ihrem Bett schlafen, ist schon besetzt. Sogar Polizei taucht auf, würde aber eigentlich gern mitfeiern. dann um Mitternacht erscheinen die entsetzten Eltern. Schock! Alle fliehen (fast alle, bis auf die in Gustavs Bett) und die Eltern machen richtig Stress. Die Mutter greift durch, alle müssen aufräumen – Gustav geht da lieber und schaut mal nach Moon, der ist nämlich nicht gekommen, wegen Yella, stellt sich heraus, die er nicht allein lassen wollte in ihren Stimmungen. Aber er hat ein Geschenk für Gustav: eine Zeichnung. Sand geht es immer schlechter, sie mag nicht mehr laufen, pinkelt überall hin. Die Tierärztin kommt, eine sehr liebe kluge Frau, und erklärt, dass Sand als uralte Hundedame, auch dement inzwischen, am besten erlöst wird. So kommt es, und das ist so traurig. Am Ende hat Gustav eine Freundschaft (oder eine beginnende Liebesgeschichte?) mit Moon und auch mit Yella, und ihre Schwestern und sie werden wieder enger, naja, jetzt ist ja Gustav auch etwas pubertär geworden. Die Eltern dividieren sich weiter auseinander, und Gustav macht sich viele Gedanken über das Leben und die Liebe.

Jurystimme: „Nachdenklich, poetisch, besonders – so wie Gustav ist das ganze Buch.“

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Amina Bile, Sofia Nesrine Srour, Nancy Herz: Schamlos

erschienen bei: Gabriel Verlag, ab 12 Jahren

Vielfaltsmerkmale:

Wertevielfalt, Meinungsfreiheit, interkulturelle und interreligiöse Lebenswirklichkeiten

KIMI-Faktor:

Wie sich schamlos als Muslima verhält, bringt Schande über die Familie. Wie Muslima damit umgehen und ihren eigenen Weg finden, das zeigt dieses Buch.

Inhalt: Drei starke junge Frauen – alle drei Muslima, Bloggerinnen, Feministinnen – erzählen von ihren eigenen Erfahrungen und Erlebnissen als junge Muslima in Norwegen und tauschen sich über wichtige Themen aus: Gleichberechtigung, Religion, Herkunft, Scham und Mobbing. Die drei setzen sich für Freiheit im Allgemeinen und für Meinungsfreiheit im Besonderen ein. Durch das Buch wird einem klar, was negative Sozialkontrolle ist und welche Auswirkungen sie hat: Familie, Freunde, Nachbarn oder andere Leute haben die Mädchen genau im Auge und urteilen ständig über ihr Verhalten. Das setzt die Mädchen unter Druck, sie haben oft Angst, sich „falsch“ zu verhalten. Dann gelten sie als „schamlos“, was bedeutet, dass dieses Mädchen sich zum Beispiel „nicht richtig“ kleidet oder Kontakte zu Jungs hat. Verhält sich ein Mädchen „schamlos“, dann bringt es nicht nur sich, sondern auch der eigenen Familie Schande. Im Buch erzählen die drei, wie sie selbst solche Situationen erlebt haben und wie sie mit diesen umgegangen sind. Die Autorinnen motivieren ihre Leserinnen (und Leser) den eigenen Entscheidungen zu folgen, sich nicht unfair behandeln zu lassen und die eigenen Wege zu gehen.

Jurystimme: „Ich fand es sehr interessant mehr über verschiedene Kulturen und das Leben von Muslima zu erfahren. Das meiste davon wusste/kannte ich noch gar nicht. Ich finde es toll, dass die drei Autorinnen so offen über ihre Erfahrungen sprechen und sich darüber austauschen.“

„Es gibt viele megaschöne Zeichnungen, aber auch Fotos und Extras, wie z.B. Peinlichkeitsskalen. Das sind Diagramme auf denen man sieht, wie sich das Schamgefühl von den dreien mit der Zeit verändert hat, mal ist es stärker ausgeprägt, mal weniger.“

„Ein Buch für alle – egal welches Geschlecht, welche Herkunft oder welche Religion.“

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Antje Babendererde: Schneetänzer (CD und Buch)

erschienen bei: Jumbo, Arena, gesprochen von: Alexandar Radenkovic & Carla Swiderski, ab 14 Jahren

Vielfaltsmerkmale:

People of Color, Identifikationsmöglichkeiten für diverse Familienkonstellationen, Wertevielfalt, Sprachenvielfalt und Sprachpraxen, Kulturen und Herkunft, Erfahrungen mit Trauma, Krankheit, Tod


Der KIMI-Faktor:
Das Buch zeigt mit spielerischer Ernsthaftigkeit zwei völlig unterschiedliche Kulturen die durch einen Schicksalsschlag aufeinandertreffen und sich dadurch näherkommen. Es erzählt die Geschichte von der Reise des Hauptcharakters Jakob, der in Kanada bei den Crees seinen leiblichen Vater sucht und dabei einen folgenschweren Unfall erleidet.

Inhalt: Kurz vor den Abi-Prüfungen erfährt Jakob, dass ihm seine Mutter die Wahrheit über seinen Vater verschwiegen hat. Ausgerechnet von seinem Stiefvater musste er das erfahren. Hals über Kopf, voller Wut und Enttäuschung bricht Jacob in den Norden Kanadas auf, in die unendliche Wildnis von Eis und Schnee. Dort, im Norden Kanadas, in der Kleinstadt Moosonee, in der ausschließlich Crees leben, hofft Jacob seinen leiblichen Vater zu finden. Dass aus Schmerz Liebe werden kann, erfährt Jacob als er auf der Suche nach seinem Vater lebensbedrohlich von einem Bären attackiert wird, dass daraus Liebe wird ,zeigt ihm die rätselhafte und verschlossene Kimi, die ihrerseits an einem schweren Schicksalsschlag zu zerbrechen droht.

Jurystimme: „Das Buch ist ein Sog, hinein in eine andere Welt.“

„Das Hörbuch schafft es, die besondere Stimmung des Textes lebendig zu machen.“

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Agnes Ofner: Nicht so das Bilderbuchmädchen

erschienen bei: Jungbrunnen, ab 12 Jahren

Vielfaltsmerkmale:
vielfältige Gender-Identität: Transsexualität

KIMI-Faktor:

Wie finde ich in meinen Körper? Muss ich das überhaupt? Habe ich ein Recht darauf, meinen Körper zu verändern?


Inhalt: Zara findet ihr Leben ziemlich langweilig. Sie ist verliebt in ihren Mitschüler Josef, traut sich jedoch nicht, ihm das zu sagen. Umso mehr freut sie sich, als in der Wohnung gegenüber, neue Nachbarn einziehen – der Junge, in dessen Zimmer sie direkt hineinschauen kann, fasziniert sie. Doch oft beobachtet Zara, wie der Junge weint. Sie möchte wissen was los ist und versucht mit einem Zettel im Fenster auf dem „Hallo ich bin Zara“ steht, Kontakt zu ihm aufzunehmen. Damit beginnt eine außergewöhnliche, zarte Freundschaft zwischen Zara und Sam, der ihr ebenfalls mit Zetteln im Fenster antwortet. Was Zara durch das Fenster von Sams Traurigkeit zu sehen bekommt, ist für Sam jedoch so unangenehm, dass er sich lieber wieder zurückziehen möchte. Denn Sam hat damit zu kämpfen, dass er sich in seinem Körper nicht wohl fühlt. Als Zara den Ernst der Lage zu verstehen beginnt, macht sie sich große Sorgen um ihren neuen Freund.

Jurystimme: „Ein Buch für alle, die verstehen wollen, wie es sich anfühlt, wenn der Körper in dem man leben muss, einfach nicht zu einem passt.“

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Annette Mierswa: Not your girl

erschienen bei: Loewe, ab 12 Jahren

Vielfaltsmerkmale:

Erfahrungen mit sexueller Gewalt und Trauma, psychische Erkrankungen

KIMI-Faktor:

Ein gesellschaftskritischer Jugendroman, in dem es um zeitgemäße und erschreckend reale Tabu-Themen wie sexueller Missbrauch, das Modelbusiness, Alkohol, Drogen, Zwangsstörungen und die MeToo-Bewegung geht.

Inhalt: Tinkas größter Wunsch ist es, zu modeln, wie die Freundin ihres großen Bruders Theo. Donna ist ihr großes Vorbild und einfach perfekt. Doch nachdem Tinka auf einer Party vergewaltig wird, geht ihr ganzes Leben den Bach runter. Die 15-jährige zerstreitet sich mit ihrer besten Freundin Vivi und wird von den Leuten aus ihrer Klasse gemobbt. Die Folge: ein Wechsel auf eine neue Schule. Neuer Name, neuer Freundeskreis – new life? Tinka setzt alles daran, sich ein scheinbar perfektes Leben zu erschaffen. Unter ihrem neuen Namen (sie nennt sich jetzt Kim) gibt sie sich als Model aus und wird zur Fashionikone ihrer neuen Klasse. Ersteres wird zeitweise sogar zur Realität, als sie in einem Kaufhaus „entdeckt“ und zu einem Casting eingeladen wird. Tinka ahnt noch nicht, in welche Abgründe sie deswegen noch stürzen wird. Niemand darf sehen, wie sie immer weiter abstürzt und innerlich zerbricht.

Jurystimme: ‚‚Tinka war mir am Anfang sehr sympathisch, ich habe ihren Absturz mit Entsetzen verfolgt. Die Ereignisse häufen sich und sie wird immer weiter in den Abgrund gezogen. Echt krass wie schnell so etwas gehen kann.’’

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Melisa Manrique & Manik Chander: Mama Superstar

erschienen bei: Mentor Verlag, ab 10 Jahren

Vielfaltsmerkmale:

inter- bzw. transkulturelle /interreligiösen Lebenswirklichkeiten, starke Frauenpersönlichkeiten

KIMI-Faktor:

Ein inspirierendes Buch über elf mutige ‚Migrant Mamas’ und ihre Kinder, über kulturelle Vielfalt und über die Mutterliebe, die alle Kulturen verbindet.

Inhalt: „Mama Superstar“ ist ein Porträtbuch, in dem es mal nicht um Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen oder Künstlerinnen geht, sondern um Mütter. Und die Frauen in dem Buch haben noch etwas gemeinsam: Sie sind alle aus anderen Ländern nach Deutschland gekommen (eine Mutter ist auch von Deutschland nach Holland gegangen und eine von Peru nach Italien) und haben hier ihre Kinder großgezogen. In einem für sie fremden Land, dessen Kultur ihnen zunächst wenig sagte, dessen Sprache sie nicht sprachen und oft unter finanziellen Schwierigkeiten leben mussten. Und trotzdem haben sie sich liebevoll um ihre Kinder gekümmert und alles dafür getan, dass sie in dem neuen Land eine Zukunft haben.

Jurystimme: „Dieses Buch ist eine Liebeserklärung und Danksagung an alle Mütter und insbesondere an diejenigen, die ihre Mutterrolle in der Fremde jeden Tag aufs Neue unter Beweis stellen müssen.“

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Elisabeth Etz: Nach vorn

erschienen bei: Tyrolia, ab 14 Jahren

Vielfaltmerkmale:
Krankheit, Krebs, Gesundheit, Lebensstil

Der KIMI-Faktor:

Mit der Geschichte von Helene behandelt das Buch viele verschiedene Themen. Krankheit und Gesundheit stehen durch Helenes Krebserkrankung im Vordergrund. Mit den verschiedenen Charakteren in Helenes Leben spielen Freundschaften, Beziehungen und Unterstützung eine sehr große Rolle. Im Verlauf der Geschichte merkt man, in welchem Zwiespalt sich Helene befindet. Einerseits möchte sie über ihre Erfahrungen sprechen, andererseits will sie vermeiden, auf ihre Krankheit reduziert zu werden.

Inhalt: Helene ist mit 17 Jahren ein Krebs-Survivor. Sie war über ein Jahr wegen ihres Nierenkrebses in Behandlung. Mit der Entlassung aus dem Krankenhaus darf sie zurück in ihr altes Leben. Sie wohnt wieder bei ihren Eltern, besucht ihre alte Schule. Gleichzeitig ist es eine Art Neuanfang: Helene kommt in eine neue Klasse und ihre Eltern schlagen ihr kaum einen Wunsch ab. Dadurch kann sich Helene frei entwickeln und nachholen, was sie als „Spätsünderin“ durch ihre Krankheit verpasst hat. Sie trifft auf viele neue Menschen und auf alte Bekannte, die alle einen unterschiedlichen Umgang mit ihrer eigenen Gesundheit haben. Während ihre neuen Freundinnen in der Schule sich vorrangig mit den Themen Ernährung und Sport beschäftigen, freundet sie sich mit der 24-jährigen Mascha an. Genervt von dem Gesundheitshype ihrer Eltern und ihren neuen Freundinnen, flüchtet Helene in ein paralleles Leben mit Mascha, Thomas und Franz. In dieser Welt wird ein ganz anderer Lebensstil gepflegt: Es wird geraucht, Alkohol konsumiert, Kaffee in einem Espressokocher aus Aluminium zubereitet – was laut Helene das Alzheimerrisiko erhöht – und bis spät in die Nacht gearbeitet. Auch die beiden Beziehungen zu Jungen, die sie im Laufe des Buches hat, unterscheiden sich in vielen Aspekten voneinander. Inmitten dieser Menschen und der Sorge ihrer Eltern, sucht Helene den richtigen Umgang mit ihrer Krankheitserfahrung.

Das sagt die Erwachsenen-Jury: ‚‚Das Buch schafft es, die Herausforderungen junger Krebspatient*innen und ihres Umfelds aufzuzeigen. Auch ist es eine starke Stimme gegen den Gesundheitshype und dem Irrglauben, man sei selbst schuld an Erkrankungen und könne sich mit Ernährung und einer schlanken Figur gegen Krebs schützen. Am Ende sind Hinweise auf Unterstützungsnetzwerke und gemeinnützige Organisation eingebaut, wie dem Verein Haarfee, bei dem man Haare zur Herstellung von Echthaarperücken für junge Krebspatient*innen spenden kann.’’

„Dieses Buch relativiert die Verantwortung an Krankheiten – das entlastet.“

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Jason Reynolds: Long way down

erschienen bei: dtv, ab 14 Jahren

Vielfaltsmerkmale:

Erfahrungen mit Gewalt und Tod

KIMI-Faktor:

Auf sehr poetische Art und Weise wird Jugendlichen in diesem Werk nähergebracht, dass Gewalt und Rache nur zu noch mehr Gewalt und Rache führen. Und es wird aufgezeigt, dass es einen Ausweg aus der Gewaltspirale gibt.

Inhalt: In Wills Welt gibt es drei feste Regeln: 1. nicht weinen, 2. niemanden verpfeifen und 3. sich rächen. Deshalb ist er fest entschlossen, den vermeintlichen Mörder seines Bruders zu finden und zu erschießen. Mit einer Waffe im Gepäck macht er sich auf und steigt in den Fahrstuhl nach unten, der auf jeder Etage hält. Über acht Stockwerke steigen Personen ein, die ihre eigenen Geschichten über Gewalt, Rache und Mord erzählen und Will dazu bewegen können, sein Vorhaben zu überdenken. Kann er sich aus den Fesseln der Gewalt befreien?

Jurystimme: „Der Jugendroman „Long Way Down” – langer Weg nach unten – von Jason Reynolds ist gar kein Roman, sondern ein langes Gedicht nicht in Kapiteln oder Strophen, sondern in acht Stockwerken. Das Gedicht dauert genauso lang wie die Aufzugfahrt des sechzehnjährigen Will vom achten Stock seines Wohnhauses bis nach unten: genau eine Minute. So long ist der way also gar nicht down – scheinbar! Denn in dieser einen Minute passiert Will in der engen Aufzugkabine unglaublich viel und so dauert es auch durchaus länger, das Buch zu lesen, als nur eine Minute. Damit hat das Buch etwas gemein mit dem berühmten Roman „Finnegans Wake“ von James Joyce, das unlesbar dick ist und den Aufwachvorgang von Finnegan begleitet und alles, was Finnegan währenddessen denkt. Noch etwas hat Finnegan mit Will gemeinsam: Er denkt so, wie er spricht, in seinem Dubliner Dialekt. Und Will erzählt seine Aufzugfahrt so wie man in seiner „Hood“ – seiner neighbourhood, seiner Nachbarschaft spricht. Und hier ist der Unterschied zwischen Finnegan und Will: ihre Hautfarbe. Wills Hautfarbe ist wahrscheinlich deutlich dunkler als die von Finnegan. Und da gibt es noch etwas: Wir wissen nicht, ob das, was Will passiert, er sich nur denkt oder es wirklich passiert. Entscheide selbst: In jedem Stockwerk hält der Aufzug an, und es steigt eine Person zu. Will kennt diese Personen (bis auf eine). Die Personen sind bereits gestorben. Die Personen sind alle erschossen worden. Manche sogar voneinander. Will ist auch auf dem Weg, jemanden zu erschießen. Das ist sein langer Weg nach unten. Nach unten im Aufzug aber auch nach unten in moralischer Hinsicht. Dabei befolgt er nur die drei Regeln: 1.) Nicht weinen, 2.) niemanden verpfeifen 3.) Rache: „Wird jemand den du liebst / getötet / finde den / der getötet hat / und töte ihn“. Will nimmt Rache. Wills Bruder war erschossen worden am Tag zuvor. Will meint den Mörder zu kennen. Er nimmt sich die Pistole seines toten Bruders, die mit 15 Kugeln geladen ist – eine Kugel fehlt – steckt sie sich in den Hosenbund und schleicht sich aus der Wohnung im achten Stock, damit seine Mutter ihn nicht aufhalten kann. Aber im Aufzug begegnen ihm die Menschen, die das tun wollten, oder wollen sie es wirklich tun? Entscheide selbst: Die Personen treten ein, beginnen zu rauchen und erzählen ihre Geschichten, wie es dazu kam, dass sie erschossen wurden. Und immer verlief alles nach den Regeln Nr. 1 bis 3. Aber man hat dabei nicht das Gefühl, dass es deshalb gut und richtig war, dass es nach den Regeln verlaufen ist. Unten am Ende des langen Wegs angekommen, geht die Tür auf, der Zigarettenrauch zieht voraus aus der Kabine, ihm folgen die Gestalten und nach ihnen Will. Wir wissen nicht, wo er hingeht. Reynolds hat seinen Roman als Gedicht geschrieben, weil er, wie er selbst sagt, so präzise wie möglich formulieren wollte. Dazu schien ihm Lyrik geeigneter als Prosa. Bis auf den Wortakzent genau könne man dort festlegen, wie man es meint, was man sagen will. Reynolds will also etwas sehr genau darstellen und keine Deutungsvarianten zulassen. Was ist es, was so völlig klar sein soll? Ich glaube nicht, dass er genau sagen will: Schaut mal, ganz genau so geht es schwarzen Jungs. Ich glaube er will sagen: Schaut, so sind die Regeln und so bleiben die Regeln und wenn man sie nicht durchbricht, dann bleibt man im Gesetz der Regeln. Aber: Entscheide selbst! – Es gibt ein weiteres großes literarisches Vorbild wo es um die Regeln von Ghetto-Gangs geht, die über Generationen unnütze Todesopfer fordern und aus guten Jungs Mörder machen. Nur dass dort die Straßen der Bandenkriege nicht die der Vorortblocks einer U.S.-amerikanischen Stadt sind, sondern die des mittelalterlichen Veronas: Shakespeares Romeo und Julia. Romeo und Julia brechen die Regeln, sie müssen dafür sterben – aber ihre Liebe ist unsterblich! Oder wer kennt Romeo und Julia nicht? Leonard Bernstein hat in seiner Westside-Story das Romeo-und-Julia-Thema wieder aufgenommen und für die U.S.A. aktualisiert. Reynold hat es in der Innenschau des jungen Will ausbuchstabiert in genauester, nächstgehender Lyrik. Ich verstehe nur nicht, ob Will mit den anderen im ersten Stock oder im Erdgeschoss aussteigt. Es gelingt mir nicht das eindeutig aus dem Text zu ermitteln. Ob das eine Bedeutung hat? Entscheide selbst!“

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Jason Reynolds: Lu: Wir sind Familie

erschienen bei: dtv, ab 12 Jahren

Vielfaltsmerkmale:

People of Color, Albinismus, Mobbing, Familienzusammenhalt, Toleranz

KIMI-Faktor:

Jeder Mensch ist anders, sowie das Leben des Einzelnen selbst. So ist es auch bei Lu und dessen Familie. Zusammen sind sie stark.

Inhalt: Lu ist der vierte und letzte Teil der Laufreihe. Lu ist Albino und wird gemobbt, doch sein Lauf-Team gibt ihm Halt und er lässt sich nicht unterkriegen. Als der selbstbewusste, coole Lu erfährt, dass er ein Geschwisterchen bekommt, kann er es nicht fassen, denn eigentlich wurde seinen Eltern gesagt, sie können gar keine Kinder bekommen. Das Leben kann auch andere Wege einschlagen, wie er von seinem Vater weiß. Er war früher Drogendealer und arbeitet jetzt in der Prävention. Lu hilft ihm dabei. Er leidet an einer Lauf-Blockade, die ihm in einem Wettbewerb scheitern lassen könnte.

Jurystimme: „Reynolds schafft eine große Nähe zum Protagonisten. Sie ermöglicht Mitgefühl und Verständnis.“

Lina, 12 Jahre: „Manchmal laufen die Dinge eben anders als geplant“

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