Alan Gratz: Vor uns das Meer

erschienen bei Carl Hanser, ab 12 Jahren

Vielfaltskriterien: Flucht in unterschiedlichen Jahrzehnten

KIMI-Faktor: Das Thema Flucht scheint allgegenwärtig zu sein in der Kinder- und Jugendliteratur und doch ist der Jugendroman „Vor uns das Meer“ etwas Besonderes. Erzählt wird von drei Fluchten in drei unterschiedlichen Jahrzehnten des 20. und 21. Jahrhunderts. Leider zeigt der Roman: Viel hat sich nicht verändert, die schrecklichen Erfahrungen ähneln sich.

Inhalt: Erzählt wird von drei Jugendlichen, die ihr Zuhause, ihre Freund:innen und ihr Land verlassen müssen. Josef betritt mit seiner jüngeren Schwester und seinen Eltern 1939 das Schiff St. Louis, um auf Kuba eine neue Heimat zu finden. Doch bereits in den 1930er-Jahren wurden Schiffe nicht in die sicheren Häfen gelassen und auch Josefs Schiff muss zurück nach Deutschland, wo ihn und Tausende Jüd:innen der Tod erwartet. 1994 flieht Isabel von Kuba nach Florida – zusammen mit ihrer Familie auf einem kleinen Boot. 2015 ist es Mahmoud, der vor dem Krieg in Syrien flieht. Drei Jugendliche mit einer Erfahrung, nämlich dem Leben auf der Flucht, und dem schnellen Erwachsenenwerden. Sie müssen Verantwortung übernehmen, Verluste erleben und Enttäuschungen kennenlernen. Gemeinsamkeiten finden sich auch in Orten wieder: Während Josef nach Kuba flieht, will Isabell dem Leben dort entkommen. Mahmoud hofft auf ein Visum nach Deutschland, das wiederum für den Juden Josef in den 1930er-Jahren nicht mehr Sicherheit bot. Dieser Ansatz ist daher so wichtig, weil er jugendlichen Leser:innen zeigt, dass Flucht jeden treffen und nicht auf bestimmte Regionen begrenzt werden kann.

Jurystimme: Ein Roman, der aus der Fülle der zahlreichen Fluchtgeschichten herausragt, Aktuelles und Historisches geschickt miteinander kombiniert.