Rafik Schami: Der Wunderkasten

illustriert von Peter Knorr, erschienen bei Beltz & Gelberg, ab 8 Jahren

Vielfaltskriterien: Interkulturalität, Sozioökonomische Verhältnisse, Traditionen

KIMI-Faktor: Der orientalische Geschichtenerzähler Rafik Schami hat es geschafft, traditionelle Geschichten für deutschsprachige Leser*innen zugänglich zu machen.

Inhalt: Rafik Schami erzählt wie er als Kind voller Hingabe und Verzauberung dem alten Geschichtenerzähler lauschte, der regelmäßig durch die Gassen Damaskus wanderte und Kinder für einen Piaster oder ein Glas Wasser in seinen Wunderkasten schauen ließ. Die Kinder konnten durch eine kleine Glasscheibe eine Bilderrolle mit alten Zeichnungen sehen. Eine Luke im Kasten diente als spärliche Beleuchtung. Während der Geschichtenerzähler langsam die Bilderrolle drehte, erzählte er mit gekonnter Stimmdramaturgie die märchenhafte Liebesgeschichte zwischen dem armen Hirtenjungen Sami und der bildhübschen Leila aus reichem Hause. Sami muss schwere Prüfungen bestehen, bis er Leila heiraten darf. Mit der Zeit verblasste die Bilderrolle des Geschichtenerzählers und er musste diese mit Reklameschnipseln und Zeitschriftenfotos füllen. Darunter litt die traditionelle Erzählweise, da die Kinder nur noch die Werbesprüche und Reklamelieder zu den neuen Bildern sangen und den Geschichten nicht mehr lauschten. Daraufhin blieb der Geschichtenerzähler lange Zeit fern. Als er eines Tages wieder in die Stadt kam und seine Geschichte erzählte, war der Kasten leer und keine Bilderrolle mehr drin. Die Kinder lauschten aufmerksam den Geschichten und schauten gebannt in den dunklen Kasten. Am Ende der Geschichte strahlten die Kinder und sprachen von den Wundern, die sie „gesehen“ hätten.

Jurystimme: „Diese Geschichte bringt den Geschichtenerzähler gleich mit.“