Keiko Funatsu: Dank des Kranichs

illustriert von Momo Nishimura, erschienen bei Edition Bracklo, ab 3 Jahren

Vielfaltskriterien: Interkulturalität

KIMI-Faktor: Es wird ein japanisches Volksmärchen erzählt, der Topos, dass ein Tabubruch wie Neugierde Zauberkräfte verwirkt, ist bekannt; weniger vielleicht aber in der Gestalt einer Kranichfrau.

Inhalt: Das Bilderbuch erzählt ein japanisches Volksmärchen: Ein alter Mann befreit auf dem Nachhauseweg einen Kranich aus einer Vogelfalle und pflegt den Vogel mit seiner Frau zusammen daheim. Kurz nachdem der Kranich das Haus der Eheleute wieder gesund verlassen kann, klopft es eines Abends an der Tür. Eine junge Frau bittet darum, über Nacht bleiben zu dürfen. Die Eheleute erweisen dem Mädchen Obdach. Nach einiger Zeit möchte es sich bei den Eheleuten bedanken und bietet an, einen wertvollen Teppich zu weben, den die Eheleute auf dem Markt zu einem guten Preis verkaufen können. Die einzige Bedingung ist, dass das Mädchen beim Weben völlig in Ruhe gelassen wird. Was die alten Leute nicht wissen: Die besondere Qualität des Teppichs entsteht durch die Verarbeitung von feinen Kranichfedern. Indem sich das Mädchen in ein Zimmer zurückzieht, verwandelt es sich in einen Kranich und zupft aus dem eigenen Federkleid kleinste Federn und verwebt sie kunstvoll zu einem Teppich. Der Verkauf bringt den Eheleuten viel Geld, von dem sie einige Zeit sorgenfrei leben können. Als das Geld aufgebraucht ist, bitten sie das Mädchen, ihnen noch einen weiteren Teppich zu weben. Die alte Frau kann aber ihre Neugier nicht zurückhalten, sie durchbricht das Tabu und schaut in das Zimmer des Kranich-Mädchens, während dieses webt. Damit haben die Eheleute die Möglichkeit verwirkt, sie weiterhin bei sich zu haben. Das Mädchen muss gehen, und mit ihr verlässt auch das Kranichwesen das Haus.

Jurystimme: „Im Gegensatz zu Grimms Märchen sucht man vergeblich nach einem ‚und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende‘. Die Geschichte führt einem die eigene Rezeptionserwartung vor.“