Kerstin Brichzin & Igor Kuprin: Der Junge im Rock

32 Seiten, Michael Neugebauer Edition, 14 Euro, ab 4 Jahren

Vielfaltmerkmale:
Geschlechterrollen, Mobbing

Der KIMI-Faktor:
Das Buch thematisiert Geschlechterklischees anhand von Kleidung: Jungen müssen Hosen tragen, während Mädchen Röcke und Hosen tragen dürfen? Der Held des Buches setzt sich schließlich durch und geht – trotz zwischenzeitlicher Mobbingerfahrungen – schließlich weiterhin im Rock in den Kindergarten.

Inhalt:
Felix liebt es, weite Röcke zu tragen, weil dann der Wind so schön um seine Beine streift. Während bislang kaum jemand daran Anstoß nahm, wird er nach dem Umzug in eine kleine Stadt von den anderen Kindern im Kindergarten gehänselt und ausgegrenzt. „Du siehst aus wie ein Mädchen”, sagen sie, „Jungs ziehen Hosen an und dunkle Farben!” Und lassen ihn nicht

mehr mitspielen. Felix weigert sich daraufhin, in den Kindergarten zu gehen. Sein Vater beschließt zu handeln und kauft für sich einen Rock. Gemeinsam spazieren beide durch die Stadt. Im Kindergarten erklärt der Papa einem verwunderten Kind, dass an diesem Tag alle einen Rock tragen dürfen. Felix argumentiert sehr gewitzt, dass es unfair sei, dass Mädchen Hosen und Röcke tragen dürfen, aber Jungs nur Hosen. Und dass es sich mit weiten Röcken viel besser springen und klettern lasse. Seit diesem Tag wird Felix mit dem Rock akzeptiert.

Das sagt die Kinderjury:
Die Jungen, die gern Röcke und Kleider tragen, fanden das Buch toll. Auch einige Mädchen konnten sich in Felix hineinversetzen. Für manche Kinder war irritierend, dass es wenig Überleitungen im Buch gibt. Sie konnten die für sie unvermittelten Orts- und Zeitwechsel nicht verstehen.

Das sagt die Erwachsenen-Jury:
Nicht wenige Jungen mögen wie Felix Röcke und Kleider und ecken damit an den Normalitätsvorstellungen unserer Gesellschaft an. In kurzen, treffenden Sätzen und ohne zu problematisieren widmet sich dieses Buch diesem Aspekt aus dem Alltagserleben von Jungen. Die farbenfrohen, aquarellartigen großflächigen Bilder korrespondieren mit der Leichtigkeit, die Felix beim Tragen von weiten Röcken empfindet. Die Botschaft des Buches lautet: „So wie du bist, bist du richtig, und was du anhast, ist völlig egal.“ Sie lädt dazu ein, mit Kindern ins Gespräch über Normalitätsvorstellungen nicht nur in Bezug auf Gender zu gehen.
Noch stärker wäre das Plädoyer des Buches geworden, wenn der letzte Satz nicht lauten würde: „Seit diesem Tag ist Felix der Junge mit dem Rock.“ Damit bekommt Felix einen Stempel, er wird auf diese Eigenschaft reduziert. Dabei hat er doch sicherlich noch viele andere interessante Seiten und ist vielfältig, wie jede*r von uns! Weitere Vielfaltsaspekte wie Hauttöne, körperliche Verfasstheit etc. tauchen im Buch nicht auf.

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