Corinna Fuchs: Die Bunte Bande – Das gestohlene Fahrrad

illustriert von Uli Velte & Igor Dolinger, 60 Seiten, Carlsen, 24 Euro, ab 7 Jahren

Vielfaltmerkmale:
Inklusion, Charakter of Color, Armut, Brailleschrift, Leichte Sprache

Der KIMI-Faktor:
Das Buch versucht keine Leser*innen auszuschließen und richtet sich an eine weit gefächerte Zielgruppe: Die Geschichte kann in Alltagssprache, in Leichter Sprache und in Brailleschrift gelesen werden.
Die Handlung ist leicht zu verstehen – auch wenn wenig Deutschkenntnisse bestehen: Eine Freundschaftsgeschichte, in der zusammen für einen Freund eingestanden wird.
Die Charaktere sind recht vielfältig: Es gibt einen schwarzen Protagonisten und einen im Rollstuhl.
Zudem wird das Thema Armut aufgegriffen.

Inhalt:
Eigentlich wollten die Freund*innen der Bunten Bande die Räume des Jugendzentrums ihres Stadtteils bunt bemalen. Ben, der auch oft ins Jugendzentrum kommt, soll mitmachen, weil er besonders gut zeichnen kann. Aber plötzlich lässt er sich nicht mehr sehen. Henry, Tessa, Leo, Tom und Jule wundern sich. Als sie erfahren, dass Bens Fahrrad geklaut wurde und seine Familie kein Geld für ein neues hat, fassen sie einen

Plan: Sie wollen Ben mit vereinten Kräften helfen. Zum Sommerfest des Jugendzentrums nutzen sie ihre Talente und bekommen schließlich tatsächlich genügend Geld zusammen, um Ben ein gebrauchtes Fahrrad im Internet ersteigern zu können.
Das Fahrrad wird noch gemeinsam verschönert – mit Aufklebern, Fahrradkorb und Hupe. Ben kann sein Glück kaum fassen – und so sind die Freund*innen wieder vereint und können weiter die Wände des Jugendzentrums bemalen.

Das Buch versammelt drei verschiedene Lesearten: Alltagssprache, Leichte Sprache und Brailleschrift. Darüber hinaus berücksichtigt die Gestaltung des Buches in Schriftgröße, Farbgebung und Illustrationen die unterschiedlichen Bedürfnisse, Kommunikationsmöglichkeiten und Lesekompetenzen von Kindern mit Lernschwierigkeiten, Sehbehinderung oder mit geringen Deutschkenntnissen. 

Das sagt die Kinder-Jury:
So ein Buch hatten die Kinder noch nicht gesehen! Dreimal die gleiche Geschichte anders erzählt, das sorgte anfangs bei einigen Kindern für Irritation – stieß dann aber direkt auch auf großes Interesse und weckte Redebedarf. Der Geschichtenverlauf, die Unterschiede im erzählten Text und in der Gestaltung wurden neugierig untersucht. In der Jury waren nur sehende Kinder, die zum Teil sogar zum allerersten Mal mit Brailleschrift in Kontakt kamen – eine Einschätzung auf dieser Ebene war nicht möglich. Auch waren nur wenige Kinder mit eingeschränkten Deutschkenntnissen in der Jury. Diese haben die verschiedenen Textvarianten besonders im lesenden Vergleich genutzt. Im Sinne eines Perspektivwechsels, eines sich Hineindenkens und -fühlens in ungewohnte Lebensumstände, kam der Aufbau bzw. die Dreiteilung des Buches sehr gut und auch nachhaltig bei den Kindern an. 
Die Story und die Illustrationen wurden als “Schulbuchgeschichte” bezeichnet und eines fiel auf: “Ganz schön wenig Mädchen gibt es da.”

Das sagt die Erwachsenen-Jury:
Das Buch hat eine großartige Vorbildfunktion als inklusives Kinderbuch. Durch die besondere Konstruktion des Buches kann es gleichzeitig von sehenden Kindern in Alltagssprache und Leichter Sprache, als auch von blinden Kindern in Brailleschrift gelesen werden. Durch die Integration all dieser Sprachen (sowie die dazugehörigen Erklärungen) ermöglicht es Eltern und Pädagog*innen, über Vielfalt von Kindern und ihre unterschiedlichen Zugänge zur Welt der Geschichten ins Gespräch zu kommen.
Die Vielfalt von Kindern spiegelt sich auch in der Zusammensetzung der „Bunten Bande“ wider – hier gibt es dann doch auch einige Klischees: Natürlich ist der schwarze Charakter musikalisch und das Mädchen kann prima Schminken.
Insgesamt wirkt die Geschichte vom pädagogischen Willen geprägt und könnte etwas mehr Tiefgang und Spannung vertragen.
Zusammenfassend muss klar gesagt werden: Das Buch funktioniert! Bitte mehr Bücher in diesem Format.  

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